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#Die Nummer zwei auf dem Burgberg ist nicht zu unterschätzen



Klar, die Mindelburg ist auf dem Burghof die Nummer eins und so prominent, dass manch einer an der Nummer zwei achtlos vorbeigeht. Dabei hat die Kurioses zu bieten.

Auf dem Burghof ist die Mindelburg ganz klar die Nummer eins. Und zwar nicht nur, was ihre Größe und Berühmtheit anbelangt, sondern auch die Hausnummer: „Schloss Mindelburg 1“ lautet die Adresse. Wer zu ihr will, läuft erst an der Nummer 3 vorbei, dem Benefiziatenhaus, und dann an der Nummer 2, der Schlosskapelle. Auf den ersten Blick wirkt sie recht unspektakulär, tatsächlich war sie aber einst sogar der Mittelpunkt der Anlage und verfügt bis heute über gleich zwei Kuriositäten, die ihren Platz als zweites Türchen im MZ-Adventskalender rechtfertigen. 

Voraussichtlich Ende 2024 kann die Sanierung der Burgkapelle beginnen. Das dafür nötige Vorprojekt steht bereits kurz vor dem Abschluss. Die Muttergottes im Altarraum stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Foto: Sandra Baumberger

Da ist zum einen der sogenannte „Heiltumsschatz“, bei dem es sich laut Kreisheimatpfleger Markus Fischer um ganz besondere Reliquien handelt: Unter anderem ein Teil der Krippe, ein Fingerglied von Johannes dem Täufer, der damit auf Jesus gezeigt haben soll, einen Backenzahn des heiligen Georg und ein Stück vom Berg Golgota haben die Frundsbergs zwischen 1450 und 1550 für ihre St.-Georgs-Kapelle zusammengetragen. Seit dem 17. Jahrhundert werden die wertvollen Stücke in zwei nicht weniger wertvollen Monstranzen verwahrt. Im Barock zog der Heiltumsschatz zahlreiche Wallfahrer an und hob die kleine Kapelle aus dem Schatten des Pallas, an den sie Friedrich von Teck bereits 1370 anbauen ließ. 

Eine solche Orgel wie die in der Mindelheimer Burgkapelle gibt es in ganz Schwaben kein zweites Mal

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kapelle immer wieder umgebaut, 1718 barockisiert und etwa zur gleichen Zeit um eine weitere Besonderheit reicher, die viele wahrscheinlich noch nie gesehen haben: Auf der Empore steht eine Orgel, und zwar nicht irgendeine, sondern eine, die im schwäbischen Raum einzigartig ist: eine Tragorgel in Truhenform. Vier kräftige Männer konnten sie früher bei Prozessionen schultern und so dafür sorgen, dass die Gläubigen nicht auf die Orgelbegleitung verzichten mussten. Die Orgelpfeifen befinden sich hinter den Tasten in der Truhe, die in all ihren Teilen auf Leichtigkeit ausgelegt ist. „Das führte zu genialen handwerklichen Kniffen, die das Instrument als besonders kostbar erscheinen lassen“, schrieb der Mindelheimer Kapellmeister Richard Paletta 1973 nach der Restaurierung der Orgel.

Nur wenige wissen, dass es in der Burgkapelle eine schwabenweit einzigartige Orgel gibt: eine Tragorgel in Truhenform. Kreisheimatpfleger Markus Fischer zeigt ihr „Innenleben“.

Foto: Sandra Baumberger

Obwohl sie nur 117 Zentimeter hoch, 94 Zentimeter breit und 56 Zentimeter tief ist, verfügt sie über vier Register, nämlich Copel, Flöte, Prinzipal und Octav. Paletta, der sie selbst spielte, bezeichnete sie als „Orgeldenkmal von hohem künstlerischen Rang“ – und vielleicht wird sie künftig auch wieder häufiger zu hören sein. Immerhin soll Ende 2024 mit der Sanierung der Kapelle begonnen werden, die aufgrund von Bauschäden bereits seit Längerem für Besucherinnen und Besucher gesperrt ist. Gönnerin Gabriele Stumpe aus Neugablonz, eine gebürtige Mindelheimerin, stellt dafür bis zu einer Million Euro zur Verfügung. Geplant ist unter anderem, die Statik zu sichern, die Stuckdecke und den Bodenbelag zu renovieren, die Technik zu erneuern und auch eine Heizung einzubauen. Erstrahlt die Kapelle dann in neuem Glanz, würde sie Gabriele Stumpe auch gerne wieder mit Leben füllen. Es könnten wieder Hochzeiten und Taufen stattfinden, vielleicht auch Konzerte und Lesungen – und so die Nummer zwei wie zu Zeiten des Heiltumsschatzes wieder ein bisschen zur Nummer eins werden. 

Die Orgelpfeifen wurden im Kasten hinter den Tasten verbaut.

Foto: Sandra Baumberger

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