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#Ehrgeiziger Plan: Ganz Berlin bis Sommer geimpft? Alles zur aktuellen Situation

Ehrgeiziger Plan: Ganz Berlin bis Sommer geimpft? Alles zur aktuellen Situation

Ende Dezember 2020 erhielt die erste Berlinerin eine Corona-Impfung. Seither stehen in Berlin Corona-Impfungen auf der Tagesordnung. Aber es geht schleppender voran als geplant.

Immerhin: Seit dem 9. März 2021 sollen im Rahmen eines Modellprojekts auch 100 Berliner Arztpraxen bei den Impfungen mit eingebunden werden. Und für April dieses Jahres wird eine größere Vakzin-Lieferung erwartet, die dem Impfstau in Berlin endlich ein Ende setzen könnte. Bis Sommer 2021 könnten alle Berliner*innen, die eine Impfung erhalten möchten, immunisiert sein – kann dieser ehrgeizige Plan aufgehen?

Die wichtigsten Antworten auf die aktuellsten Fragen zu Berlins Impfsituation. Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert (Stand 10. März 2021).

Corona Impfung Berlin hat einen neuen ehrgeizigen Impfplan: Bis Sommer 2021 könnten alle Berliner*innen geimpft sein.
Berlin hat einen neuen ehrgeizigen Impfplan: Bis Sommer 2021 könnten alle Berliner*innen geimpft sein. Foto: Imago/Wagner


Seit wann wird in Berlin gegen Corona geimpft? Und wie viele Menschen sind bereits geschützt?

Der 27. Dezember 2020 war das Datum für den Impfstart in Berlin: Eine 101-jährige Berlinerin erhielt die erste Injektion des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Informationen darüber, wie viele Menschen in Berlin und deutschlandweit bereits geimpft sind, liefert eine Grafik des Robert Koch-Instituts (RKI).


Kostet die Impfung etwas und besteht eine Impfpflicht?

Sowohl als auch: nein. Unabhängig von der eigenen Versicherung ist eine Impfung gegen COVID-19 kostenlos. Auch besteht keine Impfpflicht – die Entscheidung, sich impfen zu lassen, obliegt jede*r*m Einzelnen.


Gelten für geimpfte Personen gelockerte Corona-Regeln?

Nein. Derzeit gelten die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch für Berliner*innen, die bereits eine Impfung bekommen haben. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprachen sich gegen „neue Freiheiten“ aus.

Gesundheitsminister Spahn sprach zudem von „Solidaritätspflichten“ innerhalb einer Gesellschaft. Auch wer bereits geimpft sei, solle aus solidarischen Gründen weiterhin mit den Corona-Einschränkungen leben, bis sich die Gesamtsituation gebessert habe.

Ob grundrechtliche Freiheitsbeschränkungen jedoch gerechtfertigt sind, wenn von einer geimpften Person keine Infektionsgefahr mehr ausgeht, ist sehr fraglich. Und international zeichnet sich, hinsichtlich Impfprivilegien, zudem ein klarer Trend ab: Kein Land weltweit ist zum Beispiel hinsichtlich Corona-Impfungen so weit wie Israel: Ende Februar 2021 waren dort bereits mehr als 70 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahre mindestens einmal gegen Corona geimpft. Die Konsequenz: Geimpfte Personen erhalten seit Kurzem in Israel einen „grünen Pass“ und können damit Fitnessstudios, Hotels und Theater besuchen oder Sportereignissen beiwohnen.

Auch in vielen Ländern der EU wird die Debatte um Impfprivilegien weniger starr geführt als in Deutschland: In Polen, Dänemark und Schweden gibt es schon jetzt Vorteile für Geimpfte.

Und fest steht zudem, dass die EU derzeit an einem Corona-Impfpass für freies Reisen arbeitet (Stand 10. März 2021).


Welche Impfstoffe werden in Berlin eingesetzt?

Impfung Berlin In der EU zugelassen sind bisher drei Impfstoffe: Der von Biontech/Pfizer, der Impfstoff der US-Firma Moderna sowie das Astrazeneca-Vakzin.
In der EU zugelassen sind bisher drei Impfstoffe: Der von Biontech/Pfizer, der Impfstoff der US-Firma Moderna sowie das Astrazeneca-Vakzin. Foto: Imago/Wagner

In der EU zugelassen wurden bisher drei Impfstoffe: der Impfstoff der deutsch-amerikanischen Allianz Biontech/Pfizer, der Impfstoff der US-Firma Moderna sowie der des Konzerns Astrazeneca, der seinen Sitz im Vereinigten Königreich hat.

Weitere Impfstoff-Kandidaten, die im Verlauf der nächsten Wochen oder Monate eine Zulassung erhalten könnten, sind: ein Impfstoff der Firma Curevac (Deutschland), zwei Impfstoffe US-amerikanischer Pharmaunternehmen, Novavax und Johnson & Johnson, zudem ein Vakzin eines chinesischen Hersteller und der russische Impfstoff namens Sputnik V (Stand 10. März 2021).


Wie effektiv sind die eingesetzten Impfstoffe?

Impfstoff von Biontech/Pfizer Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, der derzeit in Deutschland und Berlin vermehrt zum Einsatz kommt, wird nach Vergabe der zweiten Impfdosis auf 95 Prozent beziffert.

Nach dem Erhalten der ersten Impfdosis sollten Patienten bisher zu 52 Prozent geschützt sein. Das bedeutet, dass sich das Corona-Ansteckungsrisiko von Personen, die zwei Dosen erhalten haben, um 95 Prozent verringert.

An dieser Stelle besonders hervorzuheben ist: Für einen Impfstoff ist eine Wirksamkeit von 95 Prozent sehr hoch. Die Wirksamkeit einer saisonalen Grippeimpfung liegt bei jungen Menschen beispielsweise bei 80 Prozent. Bei älteren Personen liegt die Wirksamkeit bei zwischen 40 und 60 Prozent.

Außerdem: Der Biontech/Pfizer- Impfstoff ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff, der auf einer neuartigen Technologie beruht. Durch die Impfung sollen Antikörper gebildet werden, die das Corona-Virus-Protein am Eindringen in menschliche Zellen hindern.

Impfstoff von Moderna Die Wirksamkeit des Moderna-Impfstoffs soll nach der zweiten Dose ähnlich hoch sein, nämlich bei 94,1 Prozent liegen. Genau wie beim Biontech/Pfizer-Impfstoff handelt es sich beim Moderna-Vakzin auch um einen mRNA-Impfstoff.

Impfstoff von Astrazeneca Eine weniger hohe, aber immer noch vielversprechende Wirksamkeit soll der Astrazeneca-Impfstoff haben: Diese soll bei rund 70 Prozent liegen.

Weil bis vor Kurzem nicht genügend Daten zur Wirksamkeit bei Personen über 65 Jahren vorlagen, empfahl die Ständige Impfkommission, das Präparat der Firma Astrazeneca solle möglichst nur bei Personen unter 65 Jahren verimpft werden. Das Impfpräparat erlangte so fälschlicherweise einen schlechten Ruf, was für Berlin, wo der Impfstoff ohnehin knapp ist, ein Problem darstellt: Denn viele Dosen Astrazeneca lagern ungenutzt in den Berliner Impfzentren. Immer mehr Menschen lassen ihren Impftermin sausen, ohne vorher abzusagen.

Trotz der Kontroverse liegen bisweilen genügend Studienergebnisse vor, nach denen der Astrazeneca-Impfstoff nach der zweiten Dosis bei nahezu allen Geimpften einen schweren Verlauf der Corona-Erkrankung verhinderte, was eines der primären Ziele der Corona-Impfung darstellt (Stand 10. März 2021).


In welcher Reihenfolge wird geimpft?

Als Deutschland Ende Dezember 2020 mit den Impfungen begann, legte das Bundesgesundheitsministerium eine Impfreihenfolge fest, die bis auf einige wenige Erweiterungen bis heute gilt. Bis genügend Impfstoff für alle zur Verfügung steht, wird also in dieser Reihenfolge, auch in Berlin, geimpft.

In den vergangenen Wochen wurden zuerst die Menschen mit der höchsten Priorität an die Nadel gebeten, sprich alle, die älter als 80 Jahre sind sowie Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen und Mitarbeiter*innen von Rettungsdiensten und Impfzentren, da diese den meisten Kontakt zu Corona-Infizierten haben.

Zweithöchste Priorität haben in Deutschland alle Über-70-Jährigen, Menschen, die eine chronische Lungen- oder Bluterkrankung haben sowie Demenzkranke und Personen mit psychischen Erkrankungen wie schweren Depressionen oder Schizophrenie. Zur Gruppe zwei mit der zweithöchsten Priorität gehören zudem Ärzt*innen, Polizist*innen sowie Soldat*innen. Über-70-jährige könnten in Berlin in absehbarer Zeit Impfeinladungen bekommen (Stand 10. März 2021).

Gruppe drei bilden Menschen über 60 Jahre und Personen, die eine Erkrankung haben, die einen schweren COVID-19-Verlauf begünstigen könnte, so wie HIV, Rheuma oder Asthma. Außerdem fallen in diese Gruppe auch Lehrer*innen und Erzieher*innen sowie weitere Berufsgruppen, darunter Mitarbeiter*innen von Apotheken, Bestatter*innen sowie Regierungs- und Justizangestellte.

Seit dem 9. März 2021 sollen im Rahmen eines Modellprojekts auch 100 Berliner Arztpraxen bei den Impfungen mit eingebunden werden. Auch hier soll die Impfreihenfolge gelten. Vorrang bei den Impfungen bei niedergelassenen Ärzten haben allerdings auch Menschen mit chronischen Erkrankungen.


Kann man selbst einen Impftermin vereinbaren?

Corona Impfung In Berlin erhält jede*r, der/die Anspruch auf eine Corona-Impfung hat, einen Brief vom Berliner Senat.
In Berlin erhält jede*r, der/die Anspruch auf eine Corona-Impfung hat, einen Brief vom Berliner Senat. Foto: Imago/snapshot

Nein. In Berlin erhalten alle, die Anspruch auf eine Corona-Impfung haben, einen Brief vom Berliner Senat. In dem Schreiben sind alle Informationen enthalten.

Auch für eine Impfung beim Hausarzt muss man in Berlin auf eine postalische Vorladung warten.

Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin (KVBerlin) weist darauf hin, dass es keine Terminvergabe über die KVBerlin-Hotline gibt – diese falsche Info verbreitete sich berlinweit in den ersten Tagen nach dem Impfstart.


Kann ich irgendwie kalkulieren, wann ich mich impfen lassen kann?

Ja. Seit Kurzem gibt es einen Impfterminrechner, den zwei Uni-Absolventinnen von der Technischen Universität Wien und der Universität Pisa gemeinsam entwickelt haben.

Der Rechner arbeitet mit der von der deutschen Regierung veröffentlichten Prioritätenliste zur Corona-Impfung und kann so den voraussichtlichen Impftermin kalkulieren.

Aufgrund der dynamischen Situation und der Datensätze des Robert Koch-Instituts (RKI), die ständig angepasst werden müssen, ist das Ergebnis des Impfrechners jedoch mehr eine Schätzung als eine Garantie für eine Impfung im jeweiligen Zeitraum.

Hier geht es zum Corona-Impfterminrechner: dem Omni Calculator.


Kann ich mir den Impfstoff aussuchen, wenn ich an der Reihe bin?

Nein. Derzeit sind Corona-Impfstoffe knapp. Daher gibt es laut Corona-Impfverordnung keine freie Wahl des Impfstoffs eines bestimmten Herstellers.

Welcher Impfstoff derzeit in welchem Impfzentrum in Berlin verwendet wird, ist in der Übersicht unten aufgelistet.


Wo wird in Berlin geimpft? Und welcher Impfstoff wird wo genutzt?

Alle sechs Berliner Impfzentren sind mittlerweile in Betrieb (Stand 10. März 2021).

  • Das Corona-Impfzentrum in der Arena Berlin nutzt den Impfstoff von Biontech/Pfizer.
  • Das Corona-Impfzentrum im Erika-Heß-Stadion nutzt den Impfstoff von Moderna.
  • Das Corona-Impfzentrum im Flughafen Tegel nutzt den Impfstoff von Astrazeneca.
  • Das Corona-Impfzentrum in der Messe Berlin nutzt den Impfstoff von Biontech/Pfizer.
  • Das Corona-Impfzentrum im Velodrom nutzt den Impfstoff von Moderna.
  • Das Corona-Impfzentrum im Hangar 4 des ehemaligen Flughafens Tempelhof nutzt den Imfstoff von Astrazeneca.

Über wie viele Impfdosen verfügt Berlin derzeit?

Derzeit noch über zu wenige. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) räumte beim Impfgipfel am 1. Februar 2021 ein, dass für ganz Deutschland noch mit einigen Wochen der Impfstoffknappheit zu rechnen sei.

Jetzt wird jedoch ein Licht am Horizont sichtbar: Wie der „Tagesspiegel“ schreibt, geht aus Planungen von Senat, Kassenärzt*innen und Hilfsorganisationen hervor, dass sich Berlins Impftempo ab April 2021 mehr als verdoppeln soll.

Zur besseren Einordnung: In der ersten Märzwoche wurden wurden in Berlin rund 7000 Dosen verimpft. Ab April dann könnten 20.000 Impfungen pro Tag, während der Sommermonate sogar 30.000 pro Tag möglich sein.

Auf diese Weise könnten alle Berliner*innen, die das Angebot in Anspruch nehmen möchten, bis Ende des Sommers geimpft sein. Voraussetzung für dieses Szenario ist natürlich, dass Lieferangaben von Pharmaherstellern und Bundesregierung der Realität entsprechen (Stand 10. März 2021).

Wer sich für den immer aktuellen Gesamtüberblick interessiert: Das Impfdashboard des Bundesministeriums für Gesundheit liefert stets den aktuellen Status darüber, wie viele Personen in Deutschland zur aktuellen Stunde und insgesamt seit Impfbeginn immunisiert wurden.


Wer impft? Gibt es genügend Personal?

Im Gegensatz zur Impfstoffmenge gibt es genügend Personal – ja. Das Deutsche Rote Kreuz sucht trotzdem ständig nach Freiwilligen, die die Berliner Impfzentren personell unterstützen möchten.

Interessierte können sich hier bewerben.


Ab wann ist eine Impfung beim Hausarzt möglich?

Seit dem 9. März 2021 sollen im Rahmen eines Modellprojekts auch 100 Berliner Arztpraxen bei den Impfungen mit eingebunden werden. Vorrang haben hier jedoch chronisch kranke Menschen. Auch diese werden, wie bisher üblich, per Brief zur Impfung eingeladen.


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In verschiedenen Testzentren können Berliner*innen kostenfrei Antigen-Schnelltests vornehmen lassen. Die Selbsttests im freien Handel waren hingegen schnell ausverkauft. Wir haben alle aktuellen Infos zum Thema Schnelltests in Berlin. Ein Jahr Corona in Berlin: Chronik der Pandemie in 12 Fotos. Und: Ausstellungshäuser dürfen seit Montag, 8. März 2021, wieder öffnen. Die meisten Museen in Berlin halten sich mit Lockerungen zunächst zurück. Der Überblick.

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