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#Eine Seifenoper der Archäologie

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„Eine Seifenoper der Archäologie

Cover Armageddon von Eric H. Cline

In Armageddon, der Stadt Salomos, lieferten sich die Ausgräber wilde Kämpfe und leidenschaftliche Versöhnungen. Der Archäologe Eric Cline berichtet über Intrigen und Romanzen – und großartige Entdeckungen.

Megiddo ist die Stadt mit dem wohl schlechtesten Ruf der Welt. In der Bibel heißt der Ort Armaged(d)on, was „Hügel von Megiddo“ bedeutet. Die Johannes-Offenbarung kündigt an, dass dort die letzte Schlacht zwischen Gut und Böse geschlagen wird. Die Stadt im Nordwesten Israels war schon oft Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen: In den vergangenen 4000 Jahren kämpften auf dem Hügel Ägypter gegen Israeliten, Kreuzfahrer gegen Saladin und Napoleon gegen die Ottomanen. Der Archäologe Eric Cline beschreibt noch eine ganz andere Schlacht: den Kampf der Ausgräber gegeneinander.

Eigentlich wollte Cline, der selbst 20 Jahre in Megiddo gegraben hat, ein Buch über die Erforschung der Stätte schreiben. Immerhin wurde dort lange nach den Ställen des biblischen Königs Salomo gesucht. Der Monarch soll laut Altem Testament Pferde für seine Streitwagen in der Stadt untergebracht haben. Entsprechend groß war das Aufsehen, das schon die kleinste Meldung aus Megiddo in der Weltpresse hervorrief.

Doch die Geschichte, die Eric Cline bei der Recherche zu seinem Buch fand, stellt selbst die Suche nach Salomos Ställen in den Schatten: die Erlebnisse der US-amerikanischen Archäologen, die in Megiddo zwischen 1925 und 1939 forschten. In alten Grabungsberichten der University of Chicago fand Cline Berichte über Intrigen, Kämpfe und Romanzen – eine Seifenoper der Archäologie. Einige der damaligen Forscher spionierten für die zionistische Untergrundorganisation Haganah, andere lieferten sich Faustkämpfe, verklagten oder heirateten sich. „Manchmal“, so Cline, „fragte ich mich, wie die überhaupt noch Forschung betreiben konnten.“ Trotz allem gelangen dem Team Entdeckungen, die zu den Meilensteinen der Archäologie gehören – und von denen Cline mitreißend erzählt. Dazu gehören neue Technologien wie die Luftbildarchäologie, die vor knapp 100 Jahren noch niemand kannte. Über Megiddo schossen die Forscher frühe Luftbilder aus dem Heißluftballon heraus. Die Ställe König Salomos aber haben sie nicht entdeckt. Dirk Husemann

Eric H. Cline
ARMAGEDDON
wbg Theiss, 416 S., € 30,–
ISBN 978–3–8026–4341–3

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