Wissenschaft

#Frühe Primaten-Verwandte in der Arktis

„Frühe Primaten-Verwandte in der Arktis

Auf der kanadischen Insel Ellesmere nördlich des Polarkreises lebten vor rund 52 Millionen Jahren offenbar frühe Verwandte der Primaten, wie Fossilfunde belegen. Die beiden Arten sind die nördlichsten bisher bekannten Vertreter dieser Primatomorpha. Obwohl die Polarregion in der damals herrschenden Warmphase ein subtropisches Klima bot, stellten die langen arktischen Winter ohne Sonne die Lebewesen dennoch vor Herausforderungen. Die anhand der Fossilfunde gewonnenen Erkenntnisse können auch Hinweise darauf geben, wie solche Ökosysteme auf zukünftige Klimaerwärmungen reagieren könnten.

Die kanadische Insel Ellesmere liegt nördlich des Polarkreises, nur rund 1000 Kilometer entfernt vom Nordpol. Im Winterhalbjahr schafft es die Sonne kaum über den Horizont – in den dunkelsten Wochen des Jahres geht sie gar nicht auf. Während dort heute ein arktisch-kaltes Klima vorherrscht, lagen die Temperaturen auf Ellesmere Island im frühen Eozän vor rund 52 Millionen Jahren deutlich höher. Die damalige Warmphase sorgte auf der arktischen Insel für ein fast subtropisches Klima, in dem sogar Krokodile leben konnten, wie Fossilfunde belegen. Für Wissenschaftler eröffnet Ellesmere damit Einblicke, wie sich ein Ökosystem angesichts einer früheren Klimaerwärmung entwickelt hat – und welche Veränderungen womöglich angesichts des aktuellen menschengemachten Klimawandels bevorstehen könnten.

Zwei neue Arten identifiziert

Ein Team um Kristen Miller von der University of Kansas in Lawrence hat nun zwei Fossilien analysiert, die in der Fossilienlagerstätte Margaret Formation auf Ellesmere Island gefunden und auf ein Alter von rund 52 Millionen Jahren datiert wurden. „Es handelt sich um zwei neue Arten von frühen Verwandten der Primaten, sogenannte Primatomorpha“, erklären Miller und ihr Team. „Die beiden Exemplare aus Ellesmere sind bei weitem die nördlichsten bekannten Nachweise für paläogene Primatomorpha.“

Anhand der von beiden Exemplaren erhalten gebliebenen Kieferfragmente stellte das Forschungsteam fest, dass es sich um Schwesterarten handelt, die beide der Gattung Ignacius angehören – eine ausgestorbene Gattung von Säugetieren, die eng mit den Primaten verwandt war und vor rund 62 bis 33 Millionen Jahren in weiten Teilen Nordamerikas lebte. Den beiden neu entdeckten Arten gaben die Autoren die Namen Ignacius mckennai und Ignacius dawsonae – zu Ehren der Paläontologen Malcolm McKenna und Mary Dawson, die vor Jahrzehnten auf Ellesmere geforscht haben und dem Autorenteam die Fossilien zur weiteren Untersuchung vermacht haben.

Anpassung an härtere Nahrung

„Kein Verwandter der Primaten wurde jemals in solch extremen Breitengraden gefunden“, erklärt Miller. Obwohl vor 52 Millionen Jahren in der Gegend des Polarkreises deutlich wärmere Temperaturen herrschten, erforderte das Leben auf Ellesmere Island spezifische Anpassungen: „Wir glauben, dass die Dunkelheit des arktischen Winters wahrscheinlich die größte physische Herausforderung für die Tiere in der damaligen Umwelt war“, sagt Millers Kollege Christopher Beard. „Wie überstehen sie sechs Monate Winterdunkelheit, selbst wenn es einigermaßen warm ist?“

Eine Antwort auf diese Frage fand das Forschungsteam durch eine Analyse der Kiefer von Ignacius mckennai und Igancius dawsonae: „Die Zähne und sogar die Kiefermuskeln dieser Tiere haben sich im Vergleich zu ihren nahen Verwandten aus mittleren Breitengraden verändert“, berichtet Beard. „Um die langen arktischen Winter zu überleben, wenn bevorzugte Nahrungsmittel wie Früchte nicht verfügbar waren, mussten sie auf härtere Nahrung wie Nüsse und Samen ausweichen.“ Dementsprechend waren die Kiefer und Zähne dieser Arktisbewohner deutlich robuster gebaut als bei verwandten Arten.

Globale Erwärmung damals und heute

Zusätzlich stellten Miller und ihr Team fest, dass die beiden neu entdeckten Arten etwas größer waren als ihre südlichen Verwandten – passend zu der in der Ökologie bekannten Bergmannschen Regel, der zufolge Arten in kälteren Gefilden tendenziell größer sind als in wärmeren. „Aber sie sind immer noch ziemlich klein“, sagt Miller. „Einige ihrer Verwandten aus den mittleren Breiten Nordamerikas sind wirklich winzig. Natürlich ist keine dieser Arten mit Eichhörnchen verwandt, aber ich denke, das ist das nächstgelegene Tier, das uns hilft, uns vorzustellen, wie sie ausgesehen haben könnten. Höchstwahrscheinlich lebten sie die meiste Zeit in Bäumen.“

Aus Sicht der Forscher könnten die Anpassungen der beiden arktischen Arten während der globalen Warmphase im frühen Eozän Hinweise darauf geben, wie einige heutige Tiere als Reaktion auf den vom Menschen verursachten Klimawandel neue Eigenschaften entwickeln könnten. „Unsere Studie zeigt, wie sich ein Verwandter der Primaten, der auf eine bestimmte Umgebung spezialisiert ist, aufgrund des Klimawandels verändern kann“, sagt Miller. Wenn es aufgrund der globalen Erwärmung am Äquator zu heiß werde, sei es denkbar, dass einige Arten ihr Verbreitungsgebiet in Richtung der Pole verlagern – und dort auf Bedingungen stoßen, die evolutionäre Anpassungen erfordern.

Quelle: Kristen Miller (University of Kansas) et al., PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0280114

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.

Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.

Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Wissenschaft kategorie besuchen.

Quelle

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"