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#Mercedes macht seine Autos schneller, wenn man ein 1200-Dollar-Abo abschließt, und wir streiten darüber

„Mercedes macht seine Autos schneller, wenn man ein 1200-Dollar-Abo abschließt, und wir streiten darüber“

Ein Abo abschließen, um schneller beschleunigen zu können? Was Mercedes da seinen US-Kunden anbietet, spaltet unsere Redaktion. Alex hat Verständnis für den Hersteller, Alana kann nur mit dem Kopf schütteln.

Zwei Redakteure, zwei Sichtweisen: Geht das Abo-Modell von Mercedes in Ordnung?
Zwei Redakteure, zwei Sichtweisen: Geht das Abo-Modell von Mercedes in Ordnung?

Für 1.200 US-Dollar im Jahr schneller von 0 auf 100. Dieses Angebot macht Mercedes neuerdings seinen US-amerikanischen Kunden. Dort gibt es die Möglichkeit, ein Abonnement für einen Acceleration Increase, also eine Beschleunigungserhöhung abzuschließen.

Wer sich dafür entscheidet, die 1.200 US-Dollar (aktuell ca. 1.167 Euro) im Jahresabo zu zahlen, soll so rund 0,8 bis 1 Sekunde schneller auf 100 Kilometer pro Sekunde beschleunigen können. Ohne Abschluss des Abos wird das dafür notwendige Software-Tuning nicht installiert.

Abo-Modell für ausgewählte Modelle

Aktuell steht die Wahl für oder gegen das Abo allen Besitzern von EQE- und EQS-Modellen zu Verfügung. Im Detail sind das die strombetriebenen Allrad-Autos EQE 350 4Matic, EQE SUV 350 4Matic, EQS 450 4Matic und EQS SUV 4Matic.

Das Software-Update soll bei den Modellen den Elektromotor zusätzlich feintunen und so Pferdestärken und Drehmoment erhöhen, was für die bereits erwähnte höhere Beschleunigung sorgt. Selbst mit Abo wird keines der Mercedes-Modelle diesem Monster-Auto aus den USA aber auch nur nahekommen:

Abo-Modelle für Autos scheinen damit weiter an Fahrt zu gewinnen. Erst vor wenigen Monaten hatte auch BMW für Aufsehen gesorgt. Der Hersteller hatte angekündigt, manche Komfortfunktionen wie Sitzheizung für bestimmte Modelle nur noch im Abo anbieten zu wollen.

Sind diese Abo-Modelle im Automobilbereich der nächste logische Schritt oder reine Abzocke? Ist es die ökonomisch sinnvollste Vorgehensweise? Oder suchen die Hersteller nur einen neuen Weg, mehr Geld mit derselben Leistung zu erschleichen? Unsere Redakteure Alex und Alana haben dazu zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen.

Zwei Redakteure, zwei Meinungen

Alana Friedrichs
Alana Friedrichs
Für mich sind die beiden Modelle von Mercedes und BMW zwei Paradebeispiele dafür, wann Abos nicht okay sind. Denn ein Abo, also eine regelmäßige Zahlung für etwas, macht nur dann Sinn, wenn ich dafür auch ein konstant besser werdendes oder Kosten verursachendes Produkt erhalte.

Anders gesagt: Abos sind immer dann vertretbar, wenn der Hersteller dafür eine Infrastruktur betreiben muss, beispielsweise ein Serverzentrum. Und sie gehen in Ordnung, wenn der Hersteller stetig neue Updates für das Produkt entwickelt und ohne weitere Kosten ausspielt.

Beides ist hier aber nicht der Fall: Es geht um ein einmaliges Software-Update bei Mercedes beziehungsweise um bereits verbaute Hardware bei BMW. Im Fall von BMW fände ich sogar eine Einmalzahlung frech, denn die Hardware ist in dem gekauften Auto bereits verbaut.

Bei Mercedes könnte ich mich mit einer solchen Einmalzahlung noch anfreunden. Das Software-Update als Auto-DLC eben: Zahle einmalig 1.200 US-Dollar, und dein Auto beschleunigt schneller.

Warum ich aber jedes Jahr aufs neue Geld dafür zahlen soll, damit Mercedes das dazugebuchte Software-Update nicht wieder deinstalliert, ist für mich nicht nachvollziehbar. Hier geht es einzig darum, Geld zu machen, ohne dafür einen Gegenwert zu bieten. Das ist Bereicherung am Kunden, der dafür über den Tisch gezogen wird.

Alexander Köpf
Alexander Köpf
Okay, ich kann verstehen, warum Abo-Modelle bei Autos für Unruhe sorgen. Wohin soll das bitte noch führen? Müssen wir künftig auch noch monatlich dafür zahlen, damit der eigene – wohlgemerkt – PKW tut, was er soll? Wird für 100 Euro mehr der Bremsweg vielleicht bald kürzer?

Zugegeben, das ist etwas zugespitzt. Im Moment betrifft es ja praktisch nur Luxus-Zubehör wie Sitzheizungen oder schnellere Beschleunigung. Und ich gehe auch stark davon aus, dass es Gesetze geben wird, die Sicherheitsfunktionen von Abos generell ausschließen. Aber ein bisschen dystopisch klingt es trotzdem.

Ich muss aber sagen, dass ich die Hersteller irgendwie verstehen kann. Und das nicht nur im Sinne des Zeitgeistes, wo Abo-Modelle überall wie Pilze aus dem Boden schießen. Nein, ich kann es auch ganz grundsätzlich nachvollziehen.

Wo früher alles fest verdrahtet, mit eigenen Knöpfen und Drehreglern, in Fahrzeuge gebaut werden musste, sitzen heute intelligente Steuerprogramme, die Zugriff auf alles haben. Da braucht es am Ende nur irgendwo ein Häkchen und schon kann man alles nach Belieben mühelos per Touchscreen zuschalten. Auch das ist natürlich etwas überspitzt formuliert, denn schließlich muss die Sitzheizung trotz aller Computerisierung dann doch physisch im Sitz vorhanden sein. 

Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass es für die Hersteller günstiger ist, von vornherein alle Extras in Autos zu bauen, als verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Eigenschaften zu fertigen. Wie das aus ökologischer Sicht zu beurteilen ist, wage ich allerdings nicht einzuschätzen. Hierfür fehlt mir die nötige Datengrundlage.

Insofern mag es zwar zunächst irritierend sein, dass ich für einen warmen Hintern ein Abo abschließen muss, aus technischer Sicht macht es meiner Meinung nach aber durchaus Sinn. Und ich kann mich nur wiederholen: Solange es lediglich Luxus-Funktionen betrifft, stört es mich nicht. Vielleicht bringt uns das am Ende sogar gesellschaftlich ein ganzes Stück nach vorne, wenn die Leute aufgrund von Abo-Verweigerung nicht mehr wie blöd rasen können, sondern in stillschweigendem Protest langsam vor sich hin tuckern.

Außerdem steht und fällt es letztlich damit, wie wir als Kunden das annehmen. Wenn kaum jemand ein Abo abschließt und im Zuge der Vernunft auf die Bonusbeschleunigung verzichtet, werden Mercedes und BMW sicher zu den ersten gehören, die sie postwendend wieder abschaffen.

Kein Abo abschließen müsst ihr für diese unsichtbaren Auto-Lautsprecher, die LG vorgestellt hat.

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Wie seht ihr das? Stimmt ihr einem unserer Redakteure zu? Oder liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen? Und wärt ihr bereit, für bessere Performance ein Auto-Abo abzuschließen? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren!

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