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#Disneys neuer Schneewittchen-Film schafft, was kaum jemand für möglich hielt

Disneys Realfilm-Remake Schneewittchen startet morgen, am 20. März 2025, im Kino und Rachel Zeglers Heldin wirkt unerwartet einen Zauber anstelle eines Fluchs.

1937 veröffentlichte Disney mit Schneewittchen und die sieben Zwerge seinen ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm für die ganze Familie. 88 Jahre später sind die Animationsfilme des Mäuse-Studios fester Teil der Popkultur – und doch hat die Welt sich weitergedreht.

Ist eine Neuauflage des ältesten Disney-Märchens zeitgemäß? Regisseur Marc Webb (500 Days of Summer) beantwortet diese Frage, trotz viel Gegenwind im Vorfeld, mit einem klaren ‚Ja‘. Denn das Schneewittchen-Remake modernisiert die Vorlage mit bewundernswertem Fingerspitzengefühl, ohne die Liebe für den Originalfilm zu verleugnen.

Fantasy mit Feeling: Schneewittchen holt den Disney-Klassiker in die Gegenwart

Schon wenn ein putziger Igel sich zu Beginn auf dem Deckel eines Märchenbuchs entrollt, sollte klar sein: Schneewittchen ist Disney pur. Bei dem durchgehend süßen Apfelmotiv im Film ist ein erzählerischer Zuckerschock Pflicht. Kitsch-Allergiker haben hier nichts verloren. Wer solch warme Gefühle mit offenen Armen begrüßt, wird hingegen echte Freude finden.

Von ihren Eltern wird Schneewittchen (Rachel Zegler) zur gutherzigen

Prinzessin erzogen. Das Familienglück währt allerdings nicht lang: Die Mutter stirbt, der Vater verschwindet und sobald die Stiefmutter (Gal Gadot) den Thron besteigt, degradiert sie die Königstochter Cinderella-mäßig zur Dienstmagd. Als ihr Zauberspiegel der neuen Herrscherin Jahre später schließlich offenbart, dass Schneewittchen sie an Schönheit übertrifft, erhält der royale Jäger einen Mordauftrag. Doch er verschont die Jugendliche und sie findet Zuflucht im Wald bei den sieben Zwergen.

So weit, so bekannt. Die Fantasy-Geschichte von Schneewittchen ist in einer zunehmend komplizierten Welt angenehm einfach. Die Königin ist abgrundtief böse und Gal Gadot spielt diese diabolische Diva mit Gusto. Rachel Zegler als einnehmende Königstochter glaubt hingegen an das Gute, ohne sich von sarkastischen Zweiflern von ihrer Hoffnung abbringen zu lassen. Die Rückkehr zu simpleren Charakteren und Motiven bedeutet aber nicht, dass der Neuverfilmung die Nuancen fehlen, die das Remake nahtlos in die Gegenwart eingliedern.

Küssen, Putzen und Regieren erlaubt: Schneewittchen ist ein modernes Märchen

Wer vor dem Kinobesuch nochmal den ursprünglichen Disney-Film schaut, wird bemerken, dass die junge Heldin darin über ihre Schönheit, der Wunschbrunnen-Sehnsucht nach einem Prinzen, ihre Tierliebe und die Hilfsbereitschaft im Zwergenhaushalt definiert wird. Sie bringt im Original nicht viele Eigenschaften mit, die sie als Mensch greifbar machen.

Also deutet das Remake die Heroine behutsam um, ohne ihren Kern völlig zu verändern. Das Schneewittchen aus dem Jahr 2025 ist immer noch hübsch, muss das aber nicht betonen. Sie wünscht sich am Brunnen lieber, die beste Version ihrer selbst zu sein. Und sie bringt den Zwergen das Saubermachen bei, weil Hilfe zur Selbsthilfe länger vorhält. Aufgeladen mit den Eigenschaften „furchtlos, fair, mutig und wahr“, die sogar das Familien-Amulett zieren, funktioniert der sanfte Richtungswechsel insbesondere im englischen Original problemlos – weil dort das doppeldeutige Wort „fair“ in seiner Bedeutung sowohl „schön“ als auch „gerecht“ bedeuten kann.

Macht es da noch einen Unterschied, ob Schneewittchen für ihre adelige Blässe oder nun nach einem Schneesturm während ihrer Geburt benannt wird?

Ein Lichtblick für alle Romantik-Fans: Nur weil Schneewittchen jetzt unverkennbar als eigenständig denkende, pfeifende und inspirierende junge Frau daherkommt, heißt das nicht, dass sie der Liebe abschwören muss. Während in Disneys Mulan-Remake die Liebe fast vollständig in den Hintergrund trat, geht Schneewittchen lieber den Weg der Arielle-Neuauflage – Gefühle erblühen, weil sie und Jonathan (Andrew Burnap) sich wirklich kennenlernen dürfen. Der ist passenderweise kein Prinz mehr, sondern ein Flynn Ryder ähnlicher Robin Hood, dessen Banditenherz sie mit Humor und Willensstärke erobert.

Damit erhält das heutzutage unangenehm konnotierte Von-einem-Fremden-wachgeküsst-Werden eine innigere Bedeutung auf Schneewittchens Pfad zur Größe: Er küsst, aber sie handelt. Sie braucht trotzdem keine Kämpfkünste, wie vor über zehn Jahren noch Kristen Stewarts gepanzerte Heldin in Snow White and the Huntsman.

Am tiefsinnigsten wird der neue Schneewittchen-Film, wenn die Prinzessin erkennt, dass sie ihre Tatenlosigkeit gegen die böse Königin nicht länger mit der erhofften Rückkehr ihres Vaters begründen darf. Obwohl Disney schon vielen Figuren die Eltern nahm, war die Notwendigkeit erwachsen zu werden selten so verständlich untermauert wie hier.

Altes und Neues versöhnen: Disneys Schneewittchen-Rückkehr gelingt der Spagat

In der harschen Realität würden Schneewittchens inspirierende Reden vermutlich nur wenige Gemüter zum Guten bekehren. Doch wir sind immer noch in einem Märchen, wie nicht zuletzt die Zwerge mit buchstäblich glühenden Händen beweisen. Dass Disney sich nach Kritik an einer stereotypen Darstellung von Kleinwüchsigen zu gänzlich animierten Fabelwesen mit übergroßen Köpfen entschied , sorgte vorab für einen Aufschrei. CGI-Gesichter können menschliche Mimik nicht völlig ersetzen, dennoch spiegeln die Charakterköpfe viele Emotionen wider. Man arrangiert sich im Verlauf des Films aber mit dem ungewohnten Zwergen-Look und der stumme Dopey wird mit Sicherheit viele Herzen erweichen.

Die Musik vom La La Land-Duo Benj Pasek und Justin Paul steuert in dem Disney-Musical ebenfalls starke Impulse bei, die alte und neue Klänge harmonisch vereinen: Zum einen darf Rachel Zegler mit „Waiting on a Wish“  eine Power-Ballade schmettern, die an Jasmins Gänsehaut-Song „Sprachlos“ im Aladdin-Remake erinnert. Zum anderen vergessen die Komponisten bei ihrer musikalischen Frischzellenkur trotzdem alte Hits wie das Zwergen-Lied „Heiho“ nicht. Es wird sogar gejodelt – wie schon im Original.

Damit gelingt Schneewittchen der vorab unmöglich erscheinende Spagat, an dem bisher so viele Disneys-Remakes scheiterten: Den Geist der Vorlage heraufzubeschwören und trotzdem mehr als nur eine Kopie zu sein.

Disneys Neuauflage schlichtet die vorangegangenen Diskussionen über CGI-Figuren und Jungfrauen in Nöten so wie die Heldin, die zwischen den streitenden Zwergen vermittelt: mit sanfter Bestimmtheit. Dieses Schneewittchen verzaubert, weil der wahre Traum einer besseren Welt in der Versöhnung der Zweifelnden liegt und das Böse sich selbst zu Fall bringt.

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