Stürze und Sicherheitsprobleme im Radsport

Am Ende waren nur noch 16 Fahrer übrig, die um den Sieg bei Brügge–De Panne spurteten. Der große Rest des Pelotons? Zu Boden gegangen oder ausgebremst durch einen der vielen Massenstürze: viermal krachte es auf den letzten fünf Kilometern.
Nach dem chaotischen Finale beim Eintagesrennen am Mittwoch in Belgien wird die Sicherheitsdebatte im Radsport abermals aufgeworfen – und lässt die Fahrer ratlos zurück.
„Das war eines der gefährlichsten Finals, die ich je gefahren bin“, sagte der italienische Sprinter Jonathan Milan – aber nicht, weil es sich dem Kolumbianer Sebastián Molano im Ziel knapp geschlagen geben musste: „Die Strecke ist einfach sehr gefährlich mit den vielen Kurven, wenn am Ende jeder gewinnen will, dann passiert eben genau das.“
Stürze, Verletzungen, im schlimmsten Fall sogar Lebensgefahr: Vor den großen Nordklassikern rund um das legendäre Paris–Roubaix, die in den kommenden Wochen sportliches Spektakel versprechen, ist das größte Problem des Radsports auf schmerzhafte Weise wieder in den Fokus gerückt.
Knapp zwei Jahre nach dem tödlichen Rennunfall des Schweizers Gino Mäder und gut sechs Monate nach dem tragischen Tod von Muriel Furrer (ebenfalls Schweiz) nach einem Sturz bei der Juniorinnen-WM hat sich die Sicherheitslage der Athleten offensichtlich nicht verbessert. Schwere Unfälle bei extrem hohen Geschwindigkeiten sind weiterhin an der Tagesordnung.

Die bisherigen Maßnahmen des Weltverbandes UCI, der sich der Sache angenommen hat, scheinen nicht zu fruchten. So hat die von der UCI ins Leben gerufene Arbeitsgruppe „SafeR“ Gelbe Karten eingeführt, die Fahrer für gefährliches Fahrverhalten erhalten. Bei mehreren dieser Verwarnungen, die auch eine Geldstrafe nach sich ziehen, kann es zu einer Sperre des Fahrers kommen.
Die Gelben Karten kommen zum Einsatz, die Grundprobleme aber bleiben. Das stetig verbesserte Material, die optimierten Trainingsbedingungen, der höhere finanzielle Druck durch Auf- und Abstiegsmöglichkeiten in der World Tour: All das hat dafür gesorgt, dass die ohnehin atemraubenden Durchschnittsgeschwindigkeiten im Spitzenradsport in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Und die Veranstalter der Rennen kommen ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Sportler immer wieder nicht nach.
Die UCI, die finanziell in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Ausrichtern steht, übt in den Augen vieler Aktiver zu wenig Druck aus. „Ich find’s schade, dass sich die UCI nicht nach vorne bewegt. Mit ihrer Power macht sie nichts“, kritisierte unter anderem Routinier John Degenkolb kürzlich in der Sportschau. Beim Weltverband beruft man sich auf mögliche Sanktionen und Herabstufungen gewisser Rennen bei Sicherheitsbedenken.
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