#0:5 schon nach Halbzeit eins: Darmstadt erleidet Schiffbruch gegen Augsburg

Sechs Gegentore: Darmstadt 98 erlebt einen denkwürdigen Nachmittag gegen Augsburg. Die Hoffnung auf den Bundesliga-Klassenverbleib erodiert – und die kommenden Spiele werden zur Herkulesaufgabe.

Es war ein denkwürdiger Samstagnachmittag am Darmstädter Böllenfalltor. Ein Nachmittag, der für die „Lilien“ die ersehnte Trendwende nach zuvor 16 sieglosen Bundesligapartien in Serie bringen sollte, an dessen Ende aber Marcel Schuhen Sätze sagte wie: „Absolut katastrophal, wir sind richtig abgewatscht worden“ oder „wir waren heute nicht würdig, dieses Trikot zu tragen“.

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Der Torhüter erlebte bei der 0:6-Heimniederlage gegen den FC Augsburg die schlimmsten 90 Minuten in seinen viereinhalb Darmstädter Jahren. Die tiefschwarze erste halbe Stunde der Südhessen mit fünf Gegentoren bezeichnete Rüdiger Fritsch als „Alptraum“.

Wenn der Vereinspräsident am Spieltag die mediale Öffentlichkeit sucht, muss es besondere Vorkommnisse gegeben haben. Dieses Mal war es ein heftiger Tiefschlag, der seine Wucht auch daraus entwickelte, dass er nach den vorangegangenen guten Leistungen der „Lilien“ in dieser Form unerwartet daherkam – und die Hoffnungen auf den Klassenverbleib weiter erodieren ließ angesichts der dürren Bilanz von nur 13 Punkten aus 23 Partien.

Offenbarungseid zur Unzeit

Die Reaktionen der Fans im mit 17.800 Zuschauern ausverkauften Stadion gerieten noch glimpflich für die Mannschaft. In das Pfeifkonzert zur Halbzeit und nach Spielende stimmten längst nicht alle ein und am Ende gab es sogar aufmunternden Applaus. Befremdlich wirkte freilich die Szene nach Schlusspfiff, als ein einzelner Fan aus der Ultra-Szene den gesamten Kader samt Trainerstab zu sich zitierte. Minutenlang redete und schrie dieser auf die versammelte Mannschaft ein. Was wiederum bei anderen Teilen der Fanszene auf Ablehnung stieß.

Doch dies dürften auch auf Sicht nicht die drängendsten Probleme im an sich zahmen Darmstädter Vereinsumfeld sein. Schwerer wiegt der sportliche Offenbarungseid zur Unzeit. Trainer Torsten Lieberknecht zeigte sich „erschüttert über den Ausgang“, wie er sagte. Er werde aber weiter „schützend meine Hand über die Mannschaft halten“.

Große Missgeschicke

Das Match hätte schlimmer nicht beginnen können für die „Lilien“. Es waren erst wenige Sekunden gespielt, als Abwehrspieler Jannik Müller einen Querpass vor dem eigenen Tor spielte – genau in den Fuß von FCA-Stürmer Phillip Tietz. Der 26-Jährige, bei seinem letzten Auftritt am Böllenfalltor noch der umjubelte Schütze des entscheidenden Tores zum Aufstieg, hatte keine Mühe zu treffen.

Es folgten weitere slapstickartige Missgeschicke in der Darmstädter Defensive. In der zwölften Minute war ein Ballverlust von Klaus Gjasula Ausgangspunkt des zweiten Augsburger Treffers, weil Fredrik Jensen freie Fahrt genoss (12.). Es waren 20 Minuten gespielt, als Gjasulas Rückpass so schwächlich geriet, dass Ermedin Demirovic frei vor dem Tor einschoss. Es waren 24 Minuten gespielt, als Emir Karic einen weiteren kapitalen Fehlpass folgen ließ – am Ende der Verwertungskette war es Ruben Vargas, der sehenswert in den Winkel abschloss.

Lieberknecht, der komplett konsterniert wirkte von der Darbietung seiner Profis, reagierte mit zwei Wechseln: die indisponierten Innenverteidiger Müller und Gjasula verließen das Feld. Die Umstellung auf Viererkette bewirkte: das 0:5 abermals durch Demirovic (29.). Und veranlasste Führungsspieler Christoph Zimmermann im Angesicht eines rekordverdächtigen Debakels dazu, die Mannschaft auf dem Feld zu einer Aussprache zusammenzurufen.

Was immerhin bewirkte, dass die „Lilien“ mit diesen selbstzerstörerischen Fehler in Serie aufhörten und das längst verlorene Spiel in ruhigere Bahnen zu lenken vermochten.

In der zweiten Halbzeit plätscherte das Match, das einen weiteren Schaden an der Darmstädter Tordifferenz (nunmehr -34) anrichtete, eher gemächlich dahin. Bis auf SVD-Seite Fabian Torsiello sein erstes Bundesliga-Tor freistehend nachgerade verweigerte (83.) – und im Gegenzug der ehemalige „Lilien“-Profi Tietz in Torjägermanier zum 0:6 traf. Was aber letztlich niemanden mehr auf Rasen und Rängen des Böllenfalltorstadions mehr sonderlich berührte. Die „Lilien“ hatten längst Schiffbruch erlitten. Diesen zu beheben in den kommenden zwei Wochen in Leipzig gegen Bayern München, erscheint nach dem schwarzen 2. März eine unlösbare Herkulesaufgabe.

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