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#1,8 Millionen Tote zusätzlich durch urbane Luftverschmutzung

1,8 Millionen Tote zusätzlich durch urbane Luftverschmutzung

Ob Feinstaub, Stickoxide oder andere Schadstoffe – in vielen Metropolen weltweit herrscht dicke Luft. Welche Auswirkungen insbesondere Feinstaub und Stickoxide für die Gesundheit haben und wie viele Menschen an den Folgen dieser Belastung vorzeitig sterben, zeigen nun zwei Studien auf. Demnach sind 86 Prozent aller Stadtbewohner weltweit ungesunden Konzentrationen von Feinstaub ausgesetzt. Dies führte 2019 zu 1,8 Millionen zusätzlichen Todesfällen. Außerdem führen die Forscher knapp zwei Millionen Asthmaerkrankungen bei Kindern auf erhöhte Stickoxidwerte in der Stadtluft zurück.

Die Abgase von Verkehr, Haushalten und Industrie sind wichtige Quellen der Luftverschmutzung – und können krank machen. Vor allem Feinstaub unterhalb von 2,5 Mikrometer Partikelgröße (PM2.5) und Stickoxide gelten als Auslöser von Atemwegs- und Lungenkrankheiten, aber auch von Asthma und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem mehren sich die Hinweise darauf, dass der ultrafeine Staub bis in das Gehirn vordringt und dort Alzheimer, Parkinson und weitere neurodegenerative Erkrankungen begünstigen kann. Studien legen dabei nahe, dass selbst Belastungen unterhalb der offiziellen Grenzwerte die Mortalität durch Folgeerkrankungen erhöht.

Grenzwerte für Feinstaubbelastung weit überschritten

Was die Luftverschmutzung für die Bewohner der oft stark belasteten Großstädte bedeutet, haben nun zwei Forschungsteams um Susan Anenberg von der George Washington University in Washington DC näher untersucht. „Angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten lebt, ist es wichtig, die Belastungen durch Luftschadstoffe und deren Folgen zu kennen“, erklären die Wissenschaftler. Bisher wurde dies jedoch nur in einem Teil der Städte weltweit erfasst, oft nur für die Megacities. Deshalb haben Anenberg und ihre Kollegen nun Luftmesswerte und Gesundheitsdaten aus mehr als 13.100 urbanen Zentren weltweit aus der Zeit von 2000 bis 2019 ausgewertet. In einer Studie konzentrierten sie sich dabei auf die erhöhte Mortalität durch Feinstaub der Partikelgröße PM2.5, in der zweiten Studie stand das kindliche Asthma durch die Stickoxidbelastung im Fokus.

Für die Feinstaubbelastung ermittelte das Team, dass im Jahr 2019 rund 86 Prozent der Stadtbewohner weltweit – 2,5 Milliarden Menschen – zu hohen Feinstaubwerten ausgesetzt waren. Im Schnitt lag die Belastung bei 35 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft und überschritt damit die aktuellen Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO von fünf Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt um das Siebenfache. Auch der 2019 noch gültige Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter wurde deutlich überschritten, wie die Forscher berichten. Diese erhöhte Belastung verursachte ihren Angaben zufolge rund 1,8 Millionen zusätzliche Todesfälle allein im Jahr 2019. „61 von 100.000 Toten in urbanen Gebieten waren auf die Feinstaubbelastung zurückzuführen“, so Anenberg und ihre Kollegen.

Besonders hoch ist dabei die Belastung und die Zahl der zusätzlichen Todesfälle in den Ballungsräumen Südostasiens, dort gab es auch die höchsten Anstiege der Luftverschmutzung. In Europa und auf dem amerikanischen Kontinent ist die Feinstaubbelastung in den Städten hingegen von 2000 bis 2019 um 21 beziehungsweise 29 Prozent gesunken. „Dennoch lebt ein Großteil der urbanen Weltbevölkerung noch immer in Gebieten mit ungesunden Feinstaubwerten“, sagt Anenbergs Kollegin Veronica Southerland.

8,5 Prozent der jährlichen Asthmafälle durch Stickoxide

In der zweiten Studie konzentrierten sich die Wissenschaftler auf den Zusammenhang von Stickoxiden und Asthma bei Kindern. Dafür werteten sie Satellitendaten zu Landnutzung und Stickoxidkonzentrationen aus und glichen diese mit Vor-Ort-Messungen ab. Mithilfe eines Modells glichen sie dann für 13.189 urbane Gebiete weltweit die Stickoxidbelastung und Asthmafälle für die Zeit von 2000 bis 2019 ab. Auf Basis epidemiologischer Daten ermittelten sie dann, welche Konzentration sich wie auf das Asthmarisiko auswirkt. Die Analysen ergaben, dass im Jahr 2019 durch die erhöhten Stickoxidbelastungen 1,85 Millionen Asthmafälle bei Kindern neu aufgetreten sind – dies entspricht 8,5 Prozent aller neuen Fälle von kindlichem Asthma in diesem Jahr. „Unsere Studie zeigt, dass Stickoxid das Asthmarisiko von Kindern erhöht und dass dieses Problem in den Städten besonders akut ist“, sagt Anenberg.

Immerhin zeigte sich bei den Stickoxid-bedingten Asthmafällen eine sinkende Tendenz: Im Jahr 2000 waren 176 von 100.000 kindlichen Asthmafällen auf zu hohe Stickoxidwerte zurückzuführen, 2019 waren es 165 pro 100.000. „In Orten, die ein effizientes Managementprogramm für die Luftqualität haben, bewegen sich die Werte für Stickstoffdioxid schon seit Jahrzehnten nach unten – mit entsprechenden Vorteilen für die Gesundheit der Kinder“, sagt Anenberg. „Aber selbst mit diesen Maßnahmen tragen die aktuellen Stickoxidwerte noch immer zum kindlichen Asthma bei. Dies demonstriert, dass die Bekämpfung der Luftverschmutzung ein entscheidendes Element für die Gesundheit der Kinder ist.“

Quelle: Susan Anenberg (George Washington University, Washington DC) et al., The Lancet Planetary Health, doi: 10.1016/S2542-5196(21)00350-8; doi: 10.1016/S2542-5196(21)00255-2

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