
Dieser Fisch gehört zur Gruppe der antarktischen Eisfische, auch Notothenioiden genannt. Das Besondere an ihnen: Sie können im eiskalten Südpolarmeer der Antarktis nicht nur überleben, sondern fühlen sich dort sogar pudelwohl. Von den dutzenden Notothenioiden-Arten schwimmen einige bevorzugt nahe der Oberfläche, andere streifen auf dem Meeresboden umher und wieder andere sausen durch das offene Wasser. Möglich machen dies Frostschutzproteine in ihrem Blut, die die Tiere vor dem Einfrieren bewahren.
Doch es gibt noch einen zweiten Faktor, der den Eisfischen das dauerhafte Leben in der Antarktis ermöglichte: ihre vielfältige Schädelform, wie Forschende um Kory Evans von der Rice University jetzt herausfanden. Dafür hatten sie Mikro-CT-Scans der Schädelknochen von 170 Arten aus dem Stammbaum der Notothenioiden erstellt und verglichen. Demnach entwickelten die Notothenioiden im Zuge ihrer mehr als 30 Millionen Jahre währenden Evolution immer wieder eine neue Schädelform – von sehr rund mit kurzem Gesicht bis sehr länglich. Dabei haben sich Ober- und Unterkiefer unabhängig voneinander und unabhängig vom Rest des Körpers an die Umgebung angepasst.
„Durch die Entkopplung der Kiefer konnten Notothenioide die Saug- und Beißmechanik optimieren, ohne den gesamten Kopf neu zu gestalten“, erklärt Evans. „Denn schon kleine Formänderungen können die Art und Weise, wie ein Fisch Beute greift, neu gestalten.“ Einige Eisfischarten entwickelten so Kiefer, mit denen sie ihre am Meeresgrund lebende Beute zerquetschen. Andere optimierten ihre Schädel für eine saugende Fressweise, mit der sie sich schnell bewegende Ziele im offenen Wasser fangen.
„Die Eisfische konnten so ihre Fressstrategien neu abstimmen, wenn sich die Antarktis um sie herum veränderte“, erklärt Evans. Das eröffnete den Fischen neue Ernährungsstrategien in dem nahrungsarmen Gewässer, in dem wegen der Kälte und Dunkelheit kaum Organismen leben. Hinzu kommt, dass sich das Klima in der Antarktis in der Erdgeschichte mehrfach drastisch gewandelt hat, etwa weil die Meeresströmungen oder Gletscher sich veränderten. Diese Lebensraumveränderung war jeweils der Anschub für neue Schädelformen der Eisfische, wie das Team feststellte. Ohne die modulare Evolution der Kiefer wäre das nicht möglich gewesen.
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