400 US-Lokalzeitungen verklagen Open AI und Microsoft

400 US-Lokalzeitungen verklagen Open AI und Microsoft

Im Streit um die Verletzung von Urheberrechten haben sich in den Vereinigten Staaten mehrere Dutzend Zeitungsverlage zusammengeschlossen und Klage gegen den ChatGPT-Betreiber Open AI und Microsoft eingereicht. Die Verlage betreiben zusammen fast 400 Lokalzeitungen. Ihr Vorwurf: Die KI-Entwickler hätten von den Verlagen erstellte Inhalte systematisch und vorsätzlich ohne Genehmigung „gescrapt, kopiert und eingelesen, um ihre generativen Produkte auf Basis Künstlicher Intelligenz zu entwickeln und zu vermarkten, darunter ChatGPT und Microsoft Copilot“, heißt es in der Klageschrift, über die zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet hat. Mit den Inhalten hätten die Unternehmen einen Marktwert von Hunderten von Milliarden Dollar generiert. „Kein Cent davon“ sei an die Verlage geflossen.

Die Unternehmen würden „systematisch und heimlich“ die Internetseiten der Verlage durchsuchen, um Artikel abzugreifen – auch solche, die hinter Bezahlschranken liegen. Dabei würden alle Hinweise auf Autoren und Urheber entfernt, damit die Verbindung zum rechtmäßigen Eigentümer gekappt wird. Beim anschließenden KI-Training würden die großen Sprachmodelle das Material „auswendig lernen“. Die KI könne die Inhalte „wahrscheinlich seit Jahren wortwörtlich oder nahezu wortwörtlich als Antwort auf Nutzeranfragen wiedergeben“, heißt es in der Klage.

Verleger warnen vor „Todesstoß für den lokalen Journalismus“

Um sich aktuell auf Stand zu halten, würden diese Vorgänge „immer und immer wieder wiederholt“. Bis heute. Die Verleger mahnen in drastischen Worten: Wenn die Beklagten für ihren Diebstahl nicht zur Rechenschaft gezogen würden, werde dies „den Todesstoß für den lokalen Journalismus bedeuten“, der noch die vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle in Amerika sei.

Ein Open-AI-Sprecher erklärte auf Nachfrage von Bloomberg, die Modelle würden „anhand öffentlich zugänglicher Daten trainiert und basieren auf dem Grundsatz der fairen Nutzung“. Open-AI-Gründer Sam Altman hat laut Klageschrift in einer Anhörung vor dem britischen Oberhaus in der Vergangenheit zugegeben, „dass es unmöglich wäre, die heute führenden KI-Modelle ohne die Verwendung urheberrechtlich geschützter Materialien zu trainieren“.

In Amerika laufen schon etliche KI-Urheberrechtsklagen – zu den bekanntesten Klägern journalistischer Inhalte zählen die New York Times, CNN und Thomson Reuters. Die KI-Anbieter berufen sich dabei gerne auf die in Amerika gültige Fair-Use-Doktrin, nach der Inhalte auch ohne Einverständnis der Autoren für KI-Training verwendet werden dürfen, wenn sie nicht von Piraterieseiten stammen, sondern legal erworben wurden. Über die Gültigkeit wird aber gestritten. Ein Gericht in Delaware entschied im Jahr 2025, dass diese keine Anwendung findet, wenn das KI-Training letztlich kommerziellen Zwecken dient. In weiteren Fällen kamen Gerichte aber zu anderen Entscheidungen. Insgesamt sind aktuell mehr als 120 Urheberklagen gegen KI-Betreiber vor US-Gerichten anhängig.

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