#9-Euro-Ticket: So voll werden die Züge wirklich

„9-Euro-Ticket: So voll werden die Züge wirklich“

Sollte das 9-Euro-Ticket nicht noch gestoppt werden, kannst du ab dem 1. Juni für nur 9 Euro pro Kalendermonat so viel den öffentlichen Nahverkehr nutzen, wie du willst – bundesweit. Die Befürchtung: Die Züge werden voll. Jetzt gibt es erste Zahlen.

Menschen warten auf eine Bahn
Menschen warten auf eine BahnBildquelle: Peggy_Marco / Pixapay

„Proppevoll“ werde es, schreibt Spiegel Online mit Blick auf die Regionalzüge im Juni, Juli und August. Das Magazin beruft sich dabei unter anderem auf Zahlen, die vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr kommen. Dieser schätzt, dass in seinem Zuständigkeitsgebiet 2,5 bis 3 Millionen Menschen das Ticket kaufen werden. Diese Zahl setze sich aus einer Million Abo-Stammkunden, die das Ticket automatisch bekommen, und der Hälfte aller Erwachsenen ohne Abo zusammen.

Beim Bundesverband Schienennahverkehr geht man bundesweit von 30 Millionen Nutzern des 9-Euro-Tickets aus. Die Betreiber von Bus und Bahn fordern vom Bund deutlich mehr als die bisher zugesagten 2,5 Milliarden Euro. Mit diesen ließen sich nur die Einnahmeausfälle im Vergleich zu den normalen Ticketpreisen ausgleichen. Gleichzeitig fordert der Verband aber auch eine seitens der Bundesländer geforderte Nachschusspflicht.

„Um die Fahrgäste zufrieden und vor allem sicher in den drei Monaten des 9-Euro-Tickets zu befördern, werden weitere kostenintensive Maßnahmen wie mehr Zug- und Sicherheitspersonal sowie Kapazitätserhöhungen notwendig sein“, so der Verband. „Diese nachzuweisenden Mehrkosten müssen den Aufgabenträgern und Eisenbahnverkehrsunternehmen erstattet werden.“ Gleichzeitig heißt es aber von vielen Betreibern von Bus und Bahn auch, dass sie gar keine Möglichkeit hätten, die Kapazitäten kurzfristig zu erhöhen.

Pendler als Verlierer des 9-Euro-Tickets?

Hinter vorgehaltener Hand befürchten auch Bahnmitarbeiter ab Juni das komplette Chaos. So befürchten insbesondere Verkaufsmitarbeiter in Berlin, dass sie in den Sommer- und Urlaubsmonaten den Frust der Kunden abbekommen. Das sei beispielsweise dann der Fall, wenn die Züge an die Ostsee überfüllt sind. Verbindungen nach Usedom und Rostock sind traditionell schon immer stark nachgefragt – auch und insbesondere von Radfahrern. Über die Mitnahme eines Rades an die Ostsee sollte man lieber nicht nachdenken, hieß es auf unsere Nachfrage.

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Ein anderes Problem dürfte sich für viele Fahrgäste aber ergeben, die die Busse und Bahnen nicht für Ausflüge nutzen wollen. Denn wer auf stark nachgefragten touristischen Strecken unterwegs ist, um zur Arbeit zu kommen, wird sich ebenfalls in die stark nachgefragten Züge quetschen müssen. Im schlimmsten Fall könnte das – um bei der Berlin-Ostsee-Verbindung zu bleiben – bedeuten, dass ein Pendler nicht zur Arbeit kommt. Wohnt dieser im Berliner Norden und steigt am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen ein, um nach Eberswalde zu pendeln, könnte das in den Sommermonaten mindestens an Freitagen zu einem ernsthaften Problem werden. Und bei diesem Beispiel wird es aller Voraussicht nach nicht bleiben.

Ob das 9-Euro-Ticket wirklich kommt, entscheidet sich am Freitag. Es könnte noch gestoppt werden.

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