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Wer unter chronischen Rückenschmerzen leidet, bekommt oft Medikamente und Physiotherapie verschrieben. Doch eine neue Studie zeigt nun, dass zusätzliche Akupunktur-Termine die Schmerzen noch effektiver lindern – auch bei Menschen über 65 Jahren. Die Forschenden empfehlen daher, eine Akupunktur-Behandlung auch älteren Menschen standardmäßig über die staatliche Krankenkasse anzubieten. Allerdings wirft das Studiendesign auch Fragen auf.
Chronische Rückenschmerzen sind weit verbreitet und der Hauptgrund dafür, dass Menschen in ihren Bewegungen eingeschränkt sind. Allein in den USA leiden mehr als ein Drittel der älteren Erwachsenen dauerhaft unter Schmerzen im unteren Rücken. Um diese zu lindern, werden ihnen in der Regel Schmerzmittel und Physiotherapie verschrieben, die jedoch nur bedingt helfen. Manche Patienten erhalten zusätzlich Akupunktur – eine Stimulation von speziellen Triggerpunkten in der Haut durch feine Nadeln. Diese auf asiatischen Traditionen beruhende Behandlung ist umstritten und einigen Studien zufolge wirkt Akupunktur nicht besser als eine Placebo-Behandlung. Dennoch gibt es Indizien dafür, dass die Akupunktur bei Menschen mittleren Alters gut gegen Rückenschmerzen wirkt. Die Wirkung bei älteren Menschen wurde bislang nicht untersucht.
Akupunktur auch für ältere Schmerzpatienten?
Das haben nun Forschende um Lynn DeBar vom Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland nachgeholt. Sie führten eine klinische Studie mit 800 Teilnehmenden über 65 Jahren aus den USA durch, die seit mindestens drei Monaten unter Rückenschmerzen litten. Die Testpersonen erhielten entweder nur Medikamente oder zusätzlich Akupunktur. Eine Gruppe bekam dabei die üblichen, im Rahmen der Krankenversorgung vorgesehenen acht bis 15 Nadel-Behandlungen über drei Monate verteilt. Eine zweite Gruppe erhielt weitere vier bis sechs Akupunktur-Termine in den drei Folgemonaten. Während des Testzeitraums sollten die Probanden nach drei, sechs und zwölf Monaten jeweils angeben, wie gut ihnen diese Schmerz-Maßnahmen halfen, sich bewegen zu können. Dafür füllten sie einen Fragebogen zu typischen Bewegungen im Alltag aus sowie weitere Fragebögen zu den gängigen Symptomen wie Schmerz, Depressionen und Ängste.
Die Auswertung ergab: Die Testpersonen, die zusätzlich Akupunktur erhielten, berichteten nach sechs und zwölf Monaten von geringeren Schmerzen, weniger Bewegungseinschränkungen sowie weniger Angst als diejenigen, die ausschließlich die übliche medizinische Versorgung erhalten hatten. „Wir stellten fest, dass das Ausmaß dieses Akupunktur-Effekts zwar bescheiden, aber positiv und nachhaltig war“, berichtet DeBar. Diese Befunde bestätigen, dass die Stimulation durch Nadeln funktioniert, und belegen, dass Akupunktur die chronischen Rückenschmerzen auch bei älteren Patienten lindert. Ob die Behandlung über drei oder sechs Monate erfolgte, machte allerdings keinen Unterschied. Demnach reicht schon eine vorübergehende, kürzere Akupunktur-Behandlungsdauer aus, um die Schmerzen zu lindern.
Nadel-Therapie sollte medizinsicher Standard werden
Das Team um DeBar empfiehlt angesichts dieser Ergebnisse, Akupunktur zur Schmerztherapie standardmäßig auch älteren Menschen über die staatliche Krankenversicherung anzubieten und zu bezahlen, um ihnen den Zugang zu dieser Behandlung zu erleichtern. Befunde, die dagegensprächen, beobachteten die Forschenden nicht. „Wir haben während der klinischen Studie sehr wenig Nebenwirkungen gesehen“, berichtet Seniorautorin Andrea Cook vom Kaiser Permanente Washington Health Research Institute in Seattle. Die meisten Teilnehmenden berichteten lediglich von leichten Schmerzen an den Einstichstellen.
Zudem birgt Akupunktur nicht die Gefahr von Wechselwirkungen mit Medikamenten, die Patienten zusätzlich zu den Schmerzmitteln oft einnehmen: „Ältere Erwachsene haben neben Rückenschmerzen oft auch mit anderen medizinischen Problemen zu kämpfen. Akupunktur bietet eine weniger invasive Option, die ein besseres Sicherheitsprofil aufweist als viele der üblichen Behandlungen für Rückenschmerzen bei älteren Erwachsenen.“
Allerdings wirft das Studiendesign auch Fragen auf: Weil die Patienten der beiden Akupunkturgruppen diese Nadelung zusätzlich erhielten, die Kontrollgruppe aber keine entsprechenden Scheinbehandlungen, fehlt eine Placebo-Kontrolle. Daher können die Forschenden nicht ausschließen, dass die positive Wirkung der Akupunktur bei ihren Patienten auf dem Placeboeffekt beruht – der unbewussten Erwartung der Testpersonen, dass ihnen diese Zusatzbehandlung helfen wird. Gerade in der Schmerztherapie kann dieser Effekt für ein Drittel der ermittelten Wirkung verantwortlich sein.
Quelle: Lynn DeBar (Kaiser Permanente Center for Health Research) et al.; JAMA Network Open, doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.31348

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