#Alles kann passieren

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„Alles kann passieren“

Poliki, poliki“ ist das baskische Wort, das uns auf unserem Pilgerweg am häufigsten in den Ohren klingt, „langsam, immer langsam voran“. Denn diesen siebenhundert Kilometer langen Weg, den Ignatius von Loyola vor siebenhundert Jahren auf einem Esel zurücklegte, muss man mit Seelenruhe erkunden. Er ist nicht so ausgebaut und ausgetreten wie die bekannte Wallfahrtsstrecke nach Santiago de Compostela, und er führt auch nicht stetig nach Westen, sondern nach Südosten: in siebenundzwanzig Etappen von Loyolas Geburtsort gleichen Namens bei Bilbao im Baskenland bis nach Barcelona, vom Atlantik zum Mittelmeer, von Apfelbäumen über Getreidefelder, Weinberge, Wüsten, kleine Dörfer, öde Vororte bis hin zu Olivenhainen. Es ist der Weg der Besinnung und der Bekehrung eines einstmals rauflustigen Ritters zum Streiter Gottes.

Hier hat alles begonnen, unter dem Wappen der Loyolas, zwei Wölfen, die über einem Kochtopf lauern: in der Hausburg der Familie mit Gehöft, Brunnen und einem gemauerten Wehrturm aus Ziegeln. In der Küche soll Ignatius 1491 geboren worden sein, als zwölftes oder dreizehntes Kind einer verarmten Adelsfamilie. Das erzählt uns Juan Baptista Mendizabal, einer der Chronisten der baskischen Provinz Guipúzcoa. Der junge Loyola träumte davon, Ritter zu werden. Als junger Page des Königs Karl V. wurde der rothaarige Edelmann von kleinem Wuchs eher ein Lebemann, der gerne tanzte und den Frauen den Hof machte. Doch er bewährte sich auch in der Schlacht von Pamplona, wenngleich er auf dem Feld schwer verletzt wurde. Als Pflegefall zurückgekehrt in das Turmhaus seiner Familie, fand er dort keine Ritterromane vor, sondern nur christliche Erbauungsliteratur. Er vertiefte sich so sehr in die Lektüre, dass er das Leben Christi und die Taten der Heiligen nachahmen wollte und schließlich den Orden der Jesuiten gründete.

Schön langsam: So läuft man dem inneren Einklang entgegen


Schön langsam: So läuft man dem inneren Einklang entgegen
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Bild: Siehe Fotos

An dem Tag, an dem Ignatius sein Erweckungserlebnis hatte, tobte ein Sturm, das Turmhaus bebte. Unser Führer zeigt auf einen Riss, der die Ziegelmauer von oben nach unten durchzieht und das bezeugt. Der hohe Raum, in dem der genesende Ignatius seine Visionen hatte, wird heute mit Musik von Bach beschallt. Unser Chronist weist uns auch wortreich darauf hin, dass die baskischen Kinder mit dem Weihwasser aus diesem Raum besprengt werden, damit sie weise werden und gut sprechen lernen. Er selbst habe, wie seine Großmutter seinem Vater sagte, wohl zu viel Ignatius-Wasser abbekommen und rede deswegen unentwegt.

Die Hausburg wird bis heute von Jesuitenpatern wie eine Reliquie gepflegt. Ihre Ahnen bauten um sie herum eine barocke Basilika und einen hundertfünfzig Meter langen Konventsbau. Vor allem ältere Patres kehren an diesen Ort zurück, an dem sie ausgebildet wurden, um ihren Ruhestand zu verbringen, so wie Pater Txeme: „Wir Jesuiten wollen zwei Lebensweisen praktizieren: Spiritualität und Gerechtigkeit beziehungsweise Mildtätigkeit. Und in Loyola wollen wir auch die Gastfreundschaft pflegen, Pilger beherbergen und Besucher empfangen.“ Ihre Zimmer sind modern hergerichtet, mit Holz getäfelt, schmucklos und funktional, dafür ist der Blick aus dem Fenster phantastisch: links die Marmortreppen zur mächtigen Basilika, rechts ein weiter Park, dahinter bewaldete Hügel mit grünsatten Matten.

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