#Am Ende des „Friedensmarschs“ bleibt nur Wut

Am Ende des „Friedensmarschs“ bleibt nur Wut

Am Anfang, als die Reden gehalten werden, als Thorsten Schulte, einer der bekanntesten Köpfe der „Querdenker“-Bewegung, zu den Demonstranten spricht, da heißt es noch: Der Tag solle ein „Zeichen der Liebe und der Freiheit“ setzen. Da wird noch verkündet, die Demonstration durch Frankfurts Innenstadt an diesem Samstagnachmittag solle ein „Friedensmarsch“ werden. Doch nicht einmal eine Stunde später ist auf der Straße nur noch Wut zu spüren.

„Das ist doch alles Schikane, wie in der DDR“, schreien einige. „Ihr tretet die Freiheit mit den Füßen“, „Ohne Knüppel und Helm seid ihr nix“, „Ihr führt nur die Befehle von Sesselfurzern aus“, schallt es aus den Reihen der Demonstranten. Als ein Pulk von Pressefotografen sich einer Gruppe von ihnen nähert, kann einer der Männer nicht mehr an sich halten. Mit voller Wucht schlägt er mit der Faust in Richtung eines Fotografen. „Widerstand“, brüllt ein anderer.

Nach wenigen Metern wird der Demozug gestoppt

Wütend sind die Demonstranten im Frankfurter Reuterweg, weil die Polizei ihren Aufmarsch schon nach wenigen Metern aufgelöst hat. Kaum hundert Meter ist der Zug gelaufen. Nicht einmal den Opernplatz, an dem eine weitere Protestkundgebung gegen die Corona-Vorgaben und die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht läuft, haben die Demonstranten erreicht.

Der Grund für die Auflösung: Die Demo-Teilnehmer haben sich den Auflagen widersetzt, die für ihre Kundgebung angeordnet wurden. Eine Überraschung ist das nicht: Auch bei vorherigen Kundgebungen der „Querdenker“-Szene in Frankfurt hatte sich der Großteil der Protestler weder an die Maskenpflicht noch an Mindestabstände gehalten. Mehrmals wurden Demos deshalb aufgelöst.

Auch auf dem Reuterweg, wo sich gut 500 „Querdenker“ und Impfgegner versammeln, ist schon früh abzusehen, dass sie sich nicht an die Regeln halten werden. Auf dem Weg zum Versammlungsort werden die Demonstranten von Polizisten auf die Pflicht hingewiesen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Widerstrebend und oft zeternd ziehen die Demonstranten sich die Masken über Mund und Nase – um sie nur ein paar Schritte weiter gleich wieder abzusetzen.

„Querdenker“-Protest in der Frankfurter Innenstadt


„Querdenker“-Protest in der Frankfurter Innenstadt
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Bild: Lucas Bäuml

Ihrem Ärger Luft machen sie auch, als die Polizei die Auflagen für den Demonstrationszug per Lautsprecherdurchsage durchgibt. Vor allem ein Verbot ärgert sie: Dass Frankfurter Ordnungsamt hatte angeordnet, dass sogenannte „Judensterne“ auf der Demo nicht getragen werden dürfen. Der gelbe Stern mit dem Zusatz „Ungeimpft“ ist ein häufiges Symbol auf den Kundgebungen der „Querdenker“-Szene.

Holocaust relativiert

Auf diese Weise vergleichen sich die Impfgegner mit den verfolgten Juden der NS-Zeit – und relativieren so den Holocaust. Mit lauten Buh-Rufen reagieren die Demo-Teilnehmer auf das Verlesen der Anordnung. „Michel Friedman, komm raus,“ schreit ein Mann. Der jüdische Publizist Friedman ist ein häufiges Opfer antisemitischer Anfeindungen.

Aufgelöst wird an diesem Samstag aber nicht nur die Demonstration, die vom Reuterweg aus durch die Stadt ziehen wollte, sondern auch die nahegelegene Kundgebung an der Alten Oper. Auch dort setzen sich viele der rund 1500 Teilnehmer über die Maskenpflicht und das Einhalten von Mindestabendständen hinweg. Und auch dort zögert die Polizei nicht lange und räumt den Platz. In den Abendstunden kommt es an unterschiedlichen Orten in der Stadt zwar immer wieder noch einmal zu kleineren Protestaktionen von „Querdenkern“, im Großen und Ganzen aber haben die Ordnungskräfte die Lage im Griff. Im Bahnhofsviertel gehen sie mit Pfefferspray und Schlagstock gegen eine Gruppe Demonstranten vor.

In den sozialen Netzwerken, auf ihren Telegram-Kanälen, hat die Szene in der vergangenen Wochen lautstark auf eine „Großdemo“ gehofft, auf ein neues Aufkeimen von Massenprotesten. In der Frankfurter Innenstadt ist es dazu an diesem Samstag nicht gekommen – nicht nur wegen des Polizeieinsatzes, sondern auch, weil deutlich weniger Demonstranten als angekündigt den Aufrufen gefolgt sind.

Aufstecken wollen die Impfgegner trotzdem nicht: Schon am kommenden Wochenende, kündigen sie an, werde man wieder auf die Straße ziehen.

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