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#André Hennicke: ‚Antagonisten sind unangepasst‘

André Hennicke: ‚Antagonisten sind unangepasst‘

Der Schauspieler ist am Samstag in einer neuen Ausgabe von «Ein starkes Team» im ZDF zu sehen. Im Quotenmeter-Gespräch blicken wir auf seine Karriere zurück.

Sie wurden in Steinheidel-Erlabrunn geboren und wuchsen in Johanngeorgenstadt auf. Wie war das Leben auf dem Dorf?
Johanngeorgenstadt hat ja die STADT schon im Namen. Als ich dort aufwuchs, lebten da zirka 12.000 Einwohner. Die Stadt ist von Wald umgeben, das war mein Spielplatz. Ein Traum für jedes Kind. Man lernt spielerisch die Natur kennen. Sie ist kein Feind. Sie ist endlos und unberechenbar. Nie langweilig.

Ihre Mutter war Hutmacherin – gibt es in einem 3.200-Seelen-Dorf dafür genügend Nachfrage?
Meine Mutter lebte in Leipzig, als sie Hutmacherin wurde. In einem Urlaub im Erzgebirge lernte sie meinen Vater kennen und blieb in Johanngeorgenstadt. Dort hat sie die Betriebszeitung des Modekombinats MODESTA (Mode Des Tages) mitgestaltet. Hat Fotos gemacht und Artikel geschrieben.

Ihr Werdegang startete mit einer Arbeit als Heizer in einem Kraftwerk, nach dem Wehrdienst in der DDR wurden sie Maurer. Wie sind Sie auf die Schauspielerei gekommen?
Ich wollte eigentlich was mit Malerei machen. Das Talent dafür habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie konnte auch exzellent zeichnen. Deswegen bewarb ich mich an der Fachschule für Grafik und Gestaltung in Berlin-Schöneweide.

Aber ich leide an einer ausgeprägten ROT/GRÜN-Schwäche und so gab es eine Absage. Meine Mutter hat dann in der JUNGEN WELT, dem Organ der FDJ, eine Anzeige der Hochschule für Film und Fernsehen entdeckt. Sie suchten noch Studenten für die Fachrichtung Schauspiel. Das hat dann auch gleich geklappt.

Sie spielten in zahlreichen Filmen und Serien mit. Gehen Sie also gerne der Schauspielerei nach oder wünschen Sie sich manchmal Ihren alten Beruf zurück?
Ich habe mich immer schon als Künstler gesehen. Schon als Kind. Ich wollte ein berühmter Maler oder Schriftsteller werden. Dieses Geschichtenerzählen, liegt mir einfach im Blut. Wenn ich wieder als Handwerker arbeiten müsste, würde ich nebenbei sicher schreiben oder malen. Ein Leben ganz ohne Kunst ist für mich unvorstellbar. Die Kunst erst macht unser Leben menschlich. Davon wollte ich unbedingt ein Teil von sein. Andere Menschen unterhalten. Irgendwie.

Gibt es eine Produktion, an die Sie besonders gerne zurückdenken?
Ehrlich gesagt, habe ich so viele wunderbare Projekte, dass es diesen einen besonderen Film nicht gibt. Ich beschränke das jetzt mal auf dieses Jahr. Da sind zwei Projekte, die mich besonders inspiriert haben. «Party Nation» von Felicitas Korn. Ein toller Kinofilm. Von der schauspielerischen Herausforderung hergesehen, meine beste Arbeit. Und «Der König von Palma», die Geschichte vom Bierkönig von Mallorca, in der ich neben Henning Baum eine der männlichen Hauptrollen spiele.

Mitte der 2000er waren Produktionen wie «Der Untergang» und «Sophie Scholl» sehr beliebt. Sie gehörten bei beiden zum Ensemble. Macht Sie das stolz?
Filme über die Nazi-Zeit fand ich immer schon sehr wichtig. Wichtig, weil wir uns immer daran erinnern müssen, wo wir herkommen. Wie uns unsere Nachbarn sehen und warum. Das generiert unser heutiges Verhalten gegenüber der Welt. Deshalb ist es unerlässlich, seine Vergangenheit genau zu kennen.

Obwohl Sie an Film- und Seriensets viel zu tun haben, waren Sie vor fünf Jahren der strenge Richter in Dieter Wedels „Hexenjagd“ bei den Bad Hersfeldern Festspielen.
Die Theaterzeit in Bad Hersfeld (insgesamt drei Mal) habe ich sehr genossen, weil ich mein Handwerk ja auf der Bühne gelernt habe. Dort wurde ich zum Schauspieler.

Drei Monate Sommertheater waren auch ein bisschen Seelenurlaub. Man ist lange an einem Ort mit denselben Leuten. Und spielt live. Tolles Gefühl.

Vor knapp elf Jahren schrieben Sie den Roman „Zugriff“. Waren Sie mit der Auflage zufrieden?
Der Roman „Der Zugriff“ war jetzt kein Bestseller, aber er war psychologisch sehr wichtig für mich. Als ich meiner Mutter verkündete, dass ich Schriftsteller werden wollte, sagte sie: ”Das wird doch nichts!” Das hat meinen Ehrgeiz geweckt. Ich wollte es ihr unbedingt beweisen. Und als dann mein Buch in ihrem Regal stand, war ich unglaublich stolz auf mich. Und sie auch.

Sie spielen gerne den Antagonisten. Warum ist das eigentlich so?
Antagonisten sind unangepasst und tragen mehr Konflikte mit sich herum. Das reizt mich. Anders zu sein als ich. Den dunklen Seiten der menschlichen Natur auf die Schliche zu kommen. Um zu verstehen, was uns ausmacht und worauf wir den Fokus legen sollten.

Welche Rolle würden Sie gerne einmal verkörpern?
Oh…ah…noch so viele!

Vielen Dank für das Gespräch!

André Hennicke ist am Samstag, den 27. November, in «Ein starkes Team» (ZDF) zu sehen.

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