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#Ankylosaurier: Keulen für den Rivalenkampf

„Ankylosaurier: Keulen für den Rivalenkampf

Mit ihren hammerartigen Schwanzkeulen konnten sie T. rex und Co die Beine brechen, heißt es. Doch möglicherweise setzten die Ankylosaurier ihre berühmten Waffen vor allem gegeneinander ein, sagen Paläontologen. Sie haben bei einem besonders detailreich erhaltenen Fossil gebrochene und wieder verheilte Panzer-Elemente an den Flanken entdeckt. Diese Kampfspuren stammen somit eher von den seitlichen Schlägen eines anderen Ankylosauriers als vom Angriff eines Raubsauriers. Demnach spielten die Keulen möglicherweise eine ähnliche Rolle wie die Waffen einiger heutigen Tiere: Sie könnten vor allem dem innerartlichen Konkurrenzkampf gedient haben, sagen die Forscher.

Durch ihre spektakuläre „Ausrüstung“ avancierten die Ankylosaurier zu Promis der kreidezeitlichen Tierwelt. Es handelt sich um eine ausgesprochen erfolgreiche Gruppe der vierbeinig laufenden Dinosaurier. Im Laufe der Kreidezeit brachten sie unterschiedliche Arten hervor, die bis zu neun Meter lang wurden und weite Teile der Welt bevölkerten. Ein wichtiges Erfolgsrezept der tonnenschweren Pflanzenfresser war dabei wohl ihre Wehrhaftigkeit: Dicke Panzerungen und teils stachelartige Strukturen schützen sie vor den Angriffen durch Raubsaurier wie Tyrannosaurus und Co. Bei einem Angriff schlugen die „wandelnden Burgen“ wohl auch mit ihren Schwänzen um sich. Bei den besonders berühmten Vertretern saß dabei eine wuchtige Verdickung am Ende des Anhängsels. Offenbar sorgte dieses Element für besonders intensive Schlagkraft.

Ein „Hammer-Dino“ im Visier

Es lag somit nahe, dass die Ankylosaurier ihre Hammer-Keulen im Kampf gegen Raubsaurier schwangen. Das nahm man zunächst auch im Fall eines etwa sechs Meter langen und 2,5 Tonnen schweren Vertreters an, dessen Fossil im Norden des US-Bundesstaats Montana gefunden wurde: Zuul crurivastator wurde nach dem fiktiven Monster „Zuul“ aus dem Film „Ghostbusters“ benannt und der Beiname crurivastator bedeutet soviel wie „Zerstörer der Schienbeine“. Was das etwa 76 Millionen Jahre alte Zuul-Fossil unter anderen bekannten Überresten von Ankylosauriern auszeichnet, ist seine erstaunlich detaillierte Erhaltung.

Ursprünglich waren Schädel und Schwanz vom umgebenden Gestein befreit worden, andere Teile des Körpers waren aber noch lange im Sandstein eingeschlossen. Mittlerweile konnte sie ein kanadisches Paläontologenteam allerdings freilegen. Es zeichnete sich dabei immer mehr ab, dass auch große Teile der Haut und des Knochenpanzers über den gesamten Rücken und die Flanken erhalten geblieben sind. „Es ist wie eine Momentaufnahme davon, wie das Tier aussah, als es noch lebte. Und die Verletzungen, die es im Laufe seines Lebens erlitten hat, konnten uns Hinweise darauf liefern, wie es mit anderen Tieren interagiert haben könnte“, sagt Seniorautor David Evans vom Royal Ontario Museum in Toronto.

Wie das Team berichtet, war der Schwanz von Zuul etwa drei Meter lang und an den Seiten mit Stacheln versehen. Die hintere Hälfte war steif, und die Spitze war von riesigen knöchernen Klumpen umhüllt, die eine gewaltige, hammerartige Waffe bildeten. Zudem zeigte sich, dass der ganze Körper von Zuul mit Knochenplatten und Stacheln unterschiedlicher Form und Größe bedeckt war. Auffallend ist dabei, dass vor allem die Platten an den Seiten besonders stabil wirken. Besonders interessante Befunde lieferte dann der Detailblick auf die Stachelstrukturen in diesem Bereich: Bei einer Reihe dieser Dornen in der Nähe der Hüften auf beiden Seiten des Körpers fehlten die Spitzen. Dabei zeichnete sich ab, dass der Knochen und die Hornscheiden in eine stumpfere Form verheilt waren. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich um die Spuren gewaltsamer Einwirkungen handelt.

Hinweis auf innerartliche Auseinandersetzungen

Wie sie erklären, erscheint allerdings wenig plausibel, dass diese auffallend seitlichen Spuren von Gewalteinwirkung vom Angriff eines zweibeinigen Raubsauriers stammen. Stattdessen liegt ihnen zufolge nahe, dass sie durch die Schläge der Schwanzkeule eines anderen Ankylosauriers verursacht wurden. Somit handelt es sich um einen Hinweis auf einen Einsatz der Keule, die Erst-Autorin Victoria Arbour vom Royal BC Museum in British Columbia bereits früher als eine Möglichkeit in Betracht gezogen hat: innerartliche Auseinandersetzungen. „Ich interessiere mich schon seit Jahren dafür, wie Ankylosaurier ihre Schwanzkeulen einsetzten, und nun haben wir dazu ein neues Puzzleteil“, sagt Arbour. „Wir wissen, dass Ankylosaurier ihre Schwanzkeulen einsetzen konnten, um einem Gegner sehr starke Schläge zu versetzen“. Doch wie sich zeigt, handelte es sich bei diesen Gegnern möglicherweise nicht um Raubsaurier: „Vielleicht haben Ankylosaurier wie Zuul eher gegeneinander gekämpft“, so die Paläontologin.

Die neuen Forschungsergebnisse widerlegen damit zwar nicht die Vorstellung, dass die Schwanzkeulen auch zur Selbstverteidigung gegen Räuber eingesetzt wurden. Doch möglicherweise spielte der Einsatz als Waffe für innerartliche Konflikte bei der Entwicklung des Konzepts sogar eine wichtigere Rolle. Denn dies ist auch bei einigen heutigen Waffenträgern im Tierreich der Fall: Beispielsweise setzen Hirsch- oder Antilopenarten ihre Hörner vor allem bei innerartlichen Konflikten ein. Das kann dabei auch für beide Geschlechter gelten. Häufig besitzt die Verwendung der Waffen gegen Räuber demgegenüber eine untergeordnete Bedeutung.

Welche Rolle die Keulen für die Ankylosaurier nun genau gespielt haben, bleibt zwar weiter unklar. Doch die Forscher vermuten auf Grundlage der fossilen Hinweise eine erhebliche innerartliche Bedeutung: Möglicherweise besaßen diese Tiere ein komplexes Sozialverhalten, kämpften um Dominanz und territoriale Vorherrschaft oder besaßen sogar eine „Brunftzeit“ mit ausgeprägten Rivalenkämpfen, sagen die Paläontologen.

Quelle: Royal Ontario Museum, Fachartikel: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2022.0404

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