
Mit einer Form des Understatements, das das Spiel seines Teams auf dem Platz bislang nicht kennzeichnete, hat der Trainer der Französinnen auf das Viertelfinale bei dieser Europameisterschaft gegen Deutschland an diesem Samstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-EM, im ZDF und bei DAZN) vorausgeschaut.
Ungeachtet der Tatsache, dass „Les Bleues“ die ersten Turnieraufgaben überzeugend lösten und wettbewerbsübergreifend elf Partien für sich entschieden, sah Laurent Bonadei die ungleich weniger souveräne Auswahl seines Pendants Christian Wück im Vorteil. „Um Favorit zu sein, muss man einen Titel gewonnen haben“, behauptete er. Das glückte Frankreichs Frauen bis heute noch nie, während für Teams des Deutschen Fußball-Bundes acht EM-Triumphe raussprangen. Ann-Katrin Berger erwartet ein „gutes Spiel auf Augenhöhe“. Sie und ihre Kolleginnen könnten ohne Zweifel „besser sein“ als der hoch gehandelte Gegner, „wenn wir unsere Leistung abrufen“. Auch ihr selbst sei das zuletzt nicht zufriedenstellend gelungen.
Wück hatte seine Keeperin wegen ihrer Dribblings gegen Polen (2:0) und Dänemark (2:1) gerüffelt. Gegen Schweden (1:4) strahlte sie daraufhin, wie ihre Vorderleute, nur phasenweise Sicherheit aus, was auch Wück registrierte, dem klar geworden sein musste, dass seine Worte nicht das gewünschte Ergebnis, sondern unheilvolle Wirkung entfaltet hatten.
Mit der Behauptung, dass es „bei uns nie eine Torwartdebatte gab“, versuchte er die Wogen zu glätten – wohl wissend, dass Bergers Strafraumbeherrschung, Ruhe in Stressmomenten und Lufthoheit unverzichtbare Pluspunkte sind. Ein Wechsel auf dem Posten zwischen den Pfosten stand für ihn nicht im Ansatz zur Debatte, auch weil die unerfahrenen Stina Johannes (Wolfsburg) und Ena Mahmutovic (FC Bayern) bei Einsätzen im DFB-Trikot ihre Klubperformance nicht bestätigen konnten.
Berger sagte, dass es gegen Frankreich darauf ankomme, dass „die Kommunikation zwischen den Abwehrspielerinnen und mir“ reibungsloser funktioniere. Sie gab an, dass sie nichts lese und höre, was über sie in diesen Tagen berichtet wird, weil sie sich so besser fokussieren könne. Sie vertraue stattdessen auf Rückmeldungen aus ihrem privaten Umfeld.
Dabei seien ihr die Ratschläge ihres Großvaters, der unlängst 92 Jahre alt wurde und beim Eröffnungsspiel in St. Gallen im deutschen Trikot auf der Tribüne saß, besonders wichtig: „Wenn er den Daumen hoch macht, dann bedeutet mir das was.“ Der Opa habe ihr gesagt, dass sich für ihn Besuche des Viertelfinales und Halbfinales „nicht lohnten“ und er seinen nächsten EM-Besuch für das Endspiel eingeplant habe, um die Enkelin dann wieder in Aktion zu sehen. „Ihn will ich stolz machen“, sagte Berger.
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