#Auch in Südamerika spielt das Wetter verrückt

Nicht nur Europa und Nordamerika klagen über die extreme Hitze. Auch in südamerikanischen Ländern wie Chile, Argentinien und Paraguay erreichte das Thermometer in den vergangenen Tagen Temperaturen von teilweise über 40 Grad. Anders als Europa befindet sich die Region allerdings ­gerade mitten im Winter.

Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires beispielsweise registrierte mit über 30 Grad den heißesten 1. August seit Messbeginn vor 117 Jahren. Eine Sprecherin des Wetteramtes sagte, dass ­Argentinien „ein Jahr extremer Hitze“ bevorstehe. Nicht nur in der Hauptstadt, wo es am Wochenende wieder etwas kühler war, sondern auch in den nördlichen Regionen, die von großer Bedeutung für die argentinische Agrarwirtschaft sind, kletterte das Thermometer in der vergangenen Woche auf bis zu 39 Grad. Das liegt laut Meteorologen „weit außerhalb der Skala“. Normalerweise liegt die Temperatur in Buenos Aires im August durchschnittlich zwischen neun und 18 Grad. ­Rekordtemperaturen werden auch im südlichen Patagonien verzeichnet.

Temperaturrekorde immer häufiger gebrochen

In Teilen von Uruguay, Paraguay, Bolivien und Südbrasilien herrschten in den vergangenen Tagen ebenfalls bis zu fast 40 Grad. Auch auf der anderen Seite der Kordilleren, in Chile, ist der Winter überdurchschnittlich heiß und trocken, dort wurden Temperaturen von 40 Grad erreicht. In der Hauptstadt Santiago war es mit sommerlichen Temperaturen von bis zu 25 Grad viel zu warm für den Südwinter. „Chiles Winter verschwindet“, sagte Raúl Cordero, ein Klimaexperte der Universität Santiago, der chilenischen Zeitung „La Tercera“. Die Temperatur­rekorde würden immer häufiger gebrochen, es gebe nun mehrere Hitzewellen pro Jahr. Das habe „verheerende Auswirkungen“ auf die Schneemenge in den Bergen und damit auf die Wasser­versorgung vieler Regionen in Chile und auch in der Hauptstadt.

Eine regelrechte Wasserkrise herrscht in Uruguay, wo die Regierung im Juli wegen der anhaltenden Trockenheit den Wassernotstand ausgerufen hat. Die wichtigen Trinkwasserreservoire sind wegen ausbleibender Niederschläge fast ausgetrocknet. Die Bevölkerung musste auf Trinkwasser in Flaschen zurückgreifen. Mitten in der Hauptstadt Montevideo wurden zwei Brunnen gebohrt, um Krankenhäuser und Schulen zu versorgen. Unterdessen hat sich die Situation leicht entschärft. Doch Experten warnen ­davor, dass solche Situationen künftig häufiger eintreten dürften, und das nicht nur in Uruguay.

Ein weiteres „El-Niño-Jahr“ steht bevor

Klimatologen und Meteorologen führen die Hitzewelle in Südamerika auf die Kombination zweier Phänomene zurück: zum einen die globale Erwärmung, zum anderen „El Niño“. Dabei handelt es sich um ein regelmäßig auftretendes Phänomen, das sich durch die Erwärmung des Oberflächenwassers im Pazifischen Ozean auszeichnet und das neben steigenden Temperaturen auch extremes Wetter wie starken Regen mit Überschwemmungen und Erdrutschen mit sich bringen kann. Die amerikanische Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA hatte im Juni mitgeteilt, dass ein weiteres „El-Niño-Jahr“ bevorstehe.

Die Hitzewelle in Südamerika dürfte auch ein zentrales Thema beim bevorstehenden Treffen der Amazonas-Anrainerstaaten im brasilianischen Belém sein. Dort werden am kommenden Dienstag und Mittwoch Regierungschefs und Vertreter aus mehreren südamerikanischen Ländern über die Zukunft des größten Regenwalds der Welt beraten. Der Gastgeber der Veranstaltung, Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, bezeichnet das Treffen als „Meilenstein“ für die ­Bemühungen zur Bekämpfung der globalen Erwärmung und versucht, sein Land wieder als einen zentralen Akteur im ­Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes zu positionieren.

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