Auf einen Fruchtcocktail mit Schimpansen

Auf einen Fruchtcocktail mit Schimpansen
Auf einen Fruchtcocktail mit Schimpansen
Diese beiden Schimpansenmännchen können den Mund scheinbar nicht voll genug von „Fruchtcocktails“ bekommen. © Aleksey Maro/UC Berkeley

Erwischt! Diese beiden Schimpansen im Nationalpark Taï in der Elfenbeinküste sind gerade dabei, die pflaumenartigen Früchte eines Baumes zu vernaschen. Der Clou dabei: Die Früchte sind bereits zum Teil fermentiert und enthalten deswegen Alkohol. Wie groß der Alkoholgehalt dieser und anderer Früchte im Lebensraum der Affen ist, hat ein Forschungsteam um Aleksey Maro von der University of California at Berkeley erstmalig untersucht.

Schon häufiger haben Biologen Affen, Vögel, Elefanten und andere fruchtfressende Tiere dabei beobachtet, wie sie überreife alkoholhaltige Früchte verzehren. Bislang war jedoch unklar, wie hoch der Alkoholgehalt solcher von den Tieren konsumierten Früchte ist – und wie „betrunken“ die Tiere dadurch werden.

Deswegen hat ein Team um Aleksey Maro von der University of California in Berkeley im Nationalpark Taï und im Kibale-Nationalpark in Uganda von Bäumen gefallene Früchte eingesammelt, von denen Schimpansen oft aßen, und anschließend ihren Alkoholgehalt bestimmt. „Die Schimpansen fressen täglich fünf bis zehn Prozent ihres Körpergewichts an reifen Früchten, so dass selbst niedrige Konzentrationen eine hohe tägliche Gesamtmenge ergeben – eine beträchtliche Dosis Alkohol“, erklärt Seniorautor Robert Dudley.

Die Analysen der Früchte ergaben: „An allen Standorten nehmen männliche und weibliche Schimpansen etwa 14 Gramm reines Ethanol pro Tag mit der Nahrung auf, was einem amerikanischen Standardgetränk entspricht“, erklärt Maro. „Wenn man die Körpermasse berücksichtigt, weil Schimpansen etwa 40 Kilo wiegen, während ein typischer Mensch 70 Kilo wiegt, erhöht sich die Menge auf fast zwei Drinks.“

Aber werden die Affen von ihrer Nascherei nicht betrunken? Die Schimpansen verzehren die Früchte über den ganzen Tag verteilt, zeigen jedoch keine offensichtlichen Anzeichen eines Rausches, erklärt Maro. Um allein durch die vergorenen Früchte betrunken zu werden, müssten die Affen so viel davon essen, dass sich ihr Magen aufbläht.

Ob die Menschenaffen es bei ihrem Mahl besonders auf alkoholhaltige Früchte abgesehen haben und gezielt nach ihnen suchen, ist bislang nicht klar. Dennoch scheinen die hochprozentigen Früchte ein regelmäßiger Bestandteil ihrer Ernährung zu sein. Einer Theorie nach könnten die Schimpansen gezielt nach Früchten mit Alkoholgeruch suchen, weil dies besonders zuckerhaltige Nahrung anzeigt – und je zuckerhaltiger die Nahrung, desto mehr Energie kann sie den Tieren liefern.

Denkbar sei aber auch, dass der gemeinsame Verzehr von alkoholhaltigen Früchten bei Primaten oder anderen Tieren zur sozialen Bindung beiträgt, erklären die Forschenden. Außerdem könnte Alkohol den Genuss an der Mahlzeit steigern, ähnlich wie ein Glas Wein beim Abendessen. „Die menschliche Affinität für Alkohol ist wahrscheinlich aus diesem Ernährungserbe unseres gemeinsamen Vorfahren mit den Schimpansen entstanden“, erklärt Maro.

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