Bauern rechnen mit guter Ernte

Bauern rechnen mit guter Ernte

Die Getreideernte wird in diesem Jahr nach den Schätzungen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) besser ausfallen als im schwachen Vorjahr. Der DBV rechnet mit 43,5 Millionen Tonnen, wie Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag mitteilte. Eine nahezu gleichlautende Prognose trifft mit 43 Millionen Tonnen der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der Verband der genossenschaftlichen Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Das Ergebnis liege damit zehn Prozent über dem des Vorjahres; damit sei man zufrieden, teilte der DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler mit. Er stellte die Schätzungen seines Verbandes schon vergangene Woche vor. Nach einer negativen Versorgungsbilanz 2024 sei dieses Jahr wieder mit einer positiven Bilanz zu rechnen (43 Millionen Tonnen Getreideernte bei 39,8 Millionen Tonnen Verbrauch). Rukwied sprach im Fünfjahresvergleich von einer „durchschnittlichen Ernte“. Wegen der schwierigen Wetterbedingungen – von Trockenheit im Frühjahr bis Dauerregen zur Erntezeit – sei die Getreideernte abermals eine „Zitterpartie“ gewesen. Seedler sagte mit Blick auf die Wetterextreme: „Es gibt keine normalen Jahre mehr.“

Bezeichnend für die diesjährige Ernte sind nach Angaben beider Verbände große Ertragsspannen je nach Region und lokalen Bedingungen auf der Anbaufläche. Mecklenburg-Vorpommern sei bei der Rapsernte „deutlich abgefallen, auch Brandenburg schneide unterdurchschnittlich ab, sagte Rukwied. DRV-Fachmann Seedler erklärte: „Zu den Gewinnern zählen in diesem Jahr Regionen mit Böden, die ausreichend Wasser speichern können.“ Wasser werde immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Nach den aktuellen Zahlen des Bauernverbandes liegt die Erntemenge beim wichtigsten Getreide, dem Winterweizen, mit 21,7 Millionen Tonnen deutlich über der des Vorjahres (17,8 Millionen). Grund dafür seien bessere Erträge je Hektar sowie die deutlich erweiterte Anbaufläche im Vergleich zum Vorjahr.

Niedrige Preise für Getreide „desaströs“

Unzufrieden zeigte sich der Bauernpräsident jedoch mit der Qualität des Weizens. Diese sei wegen der wochenlangen, intensiven Niederschläge oft ungenügend. Als „desaströs“ bezeichnete Rukwied die niedrigen Preise für Getreide. In Kombination mit den gestiegenen Betriebsmittelkosten sei „wirtschaftlicher Getreideanbau in Deutschland kaum noch möglich“.

Zur diesjährigen Obsternte erklärte das Statistische Bundesamt, erstmals seit 2022 erwarte man wieder eine Apfelernte von mehr als einer Million Tonnen. Man gehe auch von einer guten Weinernte aus, sagte Rukwied. Die Zukunft des arbeits- und kostenintensiven Obst- und Weinanbaus hierzulande sieht der Bauernpräsident mit Sorge. Die Anbaufläche, etwa für Erdbeeren, gehe zurück.

Der Raiffeisenverband gab auch Zahlen zur Getreideernte in Europa bekannt. Für dieses Jahr sei mit 278 Millionen Tonnen zu rechnen (2024: 255 Millionen Tonnen). Damit könne die Nachfrage von 260 Millionen Tonnen gedeckt werden. Auch weltweit werde ein Rekordergebnis erwartet. „Gleichzeitig steigt aber auch die Nachfrage nach agrarischen Rohstoffen Jahr für Jahr auf neue Rekordhöhen“, schreibt der Verband. Daher werde auch in diesem Jahr die Versorgungsbilanz knapp ausfallen. „Diese Entwicklung beunruhigt“, sagt DRV-Geschäftsführer Philipp Spinne.

Global decken Rekordernten kaum den Verbrauch

„Der Weltmarkt für Getreide ist seit fast zehn Jahren eng“, erläuterte DRV-Vertreter Seedler. Obwohl weltweit jedes Jahr neue Rekordernten eingefahren würden, deckten sie kaum den Verbrauch, der ebenfalls jedes Jahr neue Rekordwerte erreiche. 2024 lag die weltweite Getreideernte nach Seedlers Angaben bei 2,232 Milliarden Tonnen und der Verbrauch knapp darüber bei 2,256 Milliarden Tonnen. „Für dieses Jahr rechnen wir beim DRV mit einer weltweiten Ernte von 2,304 Milliarden Tonnen und einem Verbrauch von 2,295 Milliarden Tonnen“, sagte Seedler.

Grund für die steigende Nachfrage sei in erster Linie der weiterhin starke Anstieg der Weltbevölkerung. „Daher müssen auch wir in Deutschland im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit leisten und Verantwortung übernehmen“, sagte DRV-Geschäftsführer Spinne. Dazu sei es notwendig, nachhaltig mehr auf den heimischen Feldern zu produzieren.

Dies wird nach Einschätzung des DRV aber nur mit zukunftsweisender Pflanzenschutz- und Züchtungspolitik gelingen. Deshalb sei es gut, dass die Bundesregierung die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln verbessern und die Präzisionslandwirtschaft fördern wolle, erklärt Spinne. Das allein werde aber nicht reichen. Auch moderne Methoden der Pflanzenzüchtung müssten genutzt werden, vor allem, um die Trockentoleranz zu erhöhen. Spinne erinnerte daran, dass sich die amtierende Bundesregierung im Koalitionsvertrag darauf verständigt hat, die Biotechnologie zu fördern und regulatorisch zu erleichtern. Nun müssten schnell Taten folgen.

Auch Bauernpräsident Rukwied forderte zügige politische Maßnahmen für mehr Pflanzenschutz und Düngung. Er verwies auf Ernteausfälle beim Salat aufgrund von Schädlingsbefall. Teilweise hätte Salat wegen schwerer Qualitätsmängel untergepflügt werden müssen. Man sei an einem Punkt, „wo die Qualität gefährdet wird, obwohl Versorgungssicherheit eine immer größere Rolle spielt“. Bedingt durch den Klimawandel gebe es in Deutschland neue Schädlinge, etwa die Zikade, die den Kartoffelbauern große Sorgen bereite. Um Erträge und Qualität zu sichern, brauche es schnellere Zulassungsverfahren für Pflanzenschutz- und Düngemittel, und zwar möglichst auf EU-Ebene, mahnte der Bauernpräsident. Notfallzulassungen reichten auf Dauer nicht.

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