#Bei Deutschland passt vieles zusammen

„Bei Deutschland passt vieles zusammen“

Wo man auch hinsah, gab es zufriedene Gesichter. Vielspieler, die sich ausruhen durften, Turnierneulinge, die Tore warfen und insgesamt ein Auftritt als Team, der sich sehen lassen konnte: Es hat ziemlich viel zusammengepasst in dieser Vorrunde, die die Handball-Nationalmannschaft nun in Kattowitz beendet hat. Auch beim 37:21 (16:9) gegen Algerien am Dienstagabend lieferten die Deutschen ab.

„Wir haben über 60 Minuten einen super Job gemacht“, lobte Kapitän Johannes Golla. Nach dem dritten Sieg im dritten Spiel der Weltmeisterschaft war auch der Kieler Linksaußen Rune Dahmke mehr als zufrieden: „Wir sind voll im Turnier. Wir sind gewappnet für die Aufgaben, die jetzt kommen.“ Am Donnerstag wartet Argentinien als erster Hauptrundengegner, die Uhrzeit des Anwurfs steht noch nicht fest. Weitere Kontrahenten auf dem erhofften Weg ins Viertelfinale sind am Samstag und Montag die Niederlande und Norwegen. Dahmke sagte voller Zuversicht: „Wir haben gezeigt, welche Qualität wir im Kader haben.“

Diesmal schöpfte Bundestrainer Alfred Gislason auch die gesamte Breite aus. Alle durften mitmachen, die an den Spieltagen bisher nur Außenseiter waren. Ein Abriss der Qualität blieb aus – was auch an Algerien lag. „Mir und den anderen, die bislang nicht so viel gespielt haben, helfen die Minuten auf der Platte extrem“, sagte Simon Ernst, der den Abwehrchef gab. Auch Handballtrainer Sebastian Hinze hat sich für ein paar Tage auf den Weg nach Kattowitz gemacht.

Der Coach der Rhein-Neckar Löwen will seine Spieler nach einer starken Hinrunde nun im Trikot der Nationalmannschaft sehen und vielleicht ein paar taktische Trends der WM aufspüren. Doch das, was er von den Deutschen zu sehen bekommt, kam ihm so bekannt vor, dass sich Hinze in der Lobby seines Hotels sogar die Frage gefallen lassen musste, ob Bundestrainer Gislason ihm denn schon Lizenzgebühren überwiesen habe.

Einstudierte Angriffe

Hinze lachte; ganz ernst war das ja auch nicht gemeint. Aber es fällt auf, wie sehr Gislason den vertrauten Abläufen der Löwen folgt. Da Spielmacher Juri Knorr, Kreisläufer Jannik Kohlbacher und Rechtsaußen Patrick Groetzki zu den Stammspielern im deutschen Team gehören, steckt viel „Löwen“ drin, wo „Deutschland“ drauf steht. Gerade Knorrs Pässe an den Kreis liefern erhebliche Vorteile. Und der vierte Löwe im Bunde, Torwart Joel Birlehm, war am Sonntagabend gegen Serbien ohnehin schon die auffälligste Figur gewesen. Hinze kann also zufrieden sein mit dem, was er bisher in der schlesischen Metropole von seinen Profis gesehen hat.

Übergeordnet fiel bislang auf, wie sehr die Deutschen darum bemüht sind, Spielzüge durchzuziehen. Das war in den vergangenen Turnieren anders. Ziemlich oft gelingt es, am Ende einer Pass-Stafette einen freien Spieler zu finden, ob außen oder vor allem am Kreis. Die Angriffe sind einstudiert und werden meist vollendet. In der Offensive hat das deutsche Team einen Schritt nach vorn gemacht. Das gefällt Gislason.

Dass die neue Spielkultur nicht nur den Löwen-Profis zu verdanken ist, offenbarte sich gegen die schwachen Algerier. Denn Gislason schickte die erste Sieben weitgehend auf die Bank. So steuerte Luca Witzke die Angriffe und fand ebenfalls Kohlbacher am Kreis. Dahmke und später in der ersten Halbzeit auch Djibril M’Bengue im rechten Rückraum spielten mit und warfen ihre ersten Turniertore. Bei M’Bengue waren es sogar die ersten Einsatzminuten der gesamten WM-Mission; er hatte ja nicht einmal in den Tests gegen Island gespielt.

Schon beim 6:3 in der 10. Minute deutete sich ein entspannter Abend im „Spodek“ an. Allerdings musste Andreas Wolff anfangs schon noch ein paar Bälle abwehren. M’Bengues 14:7 in der 28. Minute quittierte die Bank mit großer Freude. Als Gislason sah, wie gut es lief, konnte sich Philipp Weber die Trainingsjacke anziehen; Knorr kam nur für Siebenmeter ins Spiel. Kai Häfner und Lukas Mertens schauten komplett von draußen zu, wie die Aufgabe, die die Deutschen ernst nahmen, in einen Spaziergang mündete. Es tat dem Selbstvertrauen sicher gut, wie Paul Drux zum 23:12 (42.) traf oder M’Bengue Qualitäten als Shooter aus dem Rückraum offenbarte. Immer wieder quittierte die Bankbesatzung gelungene Aktionen mit Applaus.

Höhepunkt des Abends war ein Überraschungspass Dahmkes an den Kreis, den Kohlbacher zum 28:16 verwertete. Überhaupt Kohlbacher. Er war der Zielspieler mit dem großen Repertoire; hoch, flach, hart oder mit Gefühl: vom Kreis klappte fast alles, Kohlbacher traf mit seinem zehnten Tor zum Endstand – das dürfte auch Sebastian Hinze gefallen haben.

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