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#Bekamen hier die Beatles ihre Pilzfrisur?

Bekamen hier die Beatles ihre Pilzfrisur?

Die Geschichte mit den Beatles, die wollen sie hier natürlich alle hören. Deswegen stehen manche schon morgens um zehn unter der grünen Markise und gucken ins Schaufenster, auf die vier tanzenden Püppchen von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, die dort, von winzigen Solarmodulen betrieben, weiterspielen. Yoko Ono hat mal eine Bar in der Nähe verklagt, weil die mit dem Namen ihres Manns geworben hatte (sie nannte sich „John Lemon“). Deswegen gibt es hier nur die kleinen Püppchen – als sehr subtilen Hinweis. Denn was dieser schmale Herrenfriseur mit den Weltstars zu tun hat? Das erkennt man hier draußen, am Rande der Hamburger Reeperbahn, nun wirklich nicht. Drinnen warten Franz Stenzel und Ute Bickeleit, die sich anfangs wie im Zoo fühlten, als die Touristen vor der Glasscheibe standen und Fotos machten. Als das noch erlaubt war, seien sie auch regelmäßig reingekommen: Reisegruppen von 30 Leuten, die sich im „Salon Harry“ umsahen.

Auch daran gewöhne man sich, sagt Bickeleit. Sie frisiert hier schon seit 38 Jahren, ihr Mann seit knapp 45. 1978 hat er angefangen und den Salon zehn Jahre später von Namensgeber Harry übernommen. Kein einziges Mal soll der Laden innerhalb einer Familie den Besitzer gewechselt haben, immer wartete man auf den passenden Nachfolger. Auch Stenzel wartet noch, dabei könnte er schon seit einem Jahrzehnt im Ruhestand sein. Aber einen Salon wie diesen, der schon das Leid zweier Weltkriege erlebt hat, das Glück der Wiedervereinigung und der goldenen Jahre, den gibt man nicht so schnell auf. Nur als im Jahr 2020 die Corona-Pandemie kam, dachten sie auch hier, jetzt wäre es soweit.

Viele Orte schmücken sich mit einer Beatles-Story

Gerade blättert Stenzel durch ein altes Magazin auf Polnisch, bis zu einem Bild in Schwarz-Weiß: die Beatles, natürlich. Das Heft hat er noch gekauft, bevor er einst von Danzig nach Deutschland zog. Erst mal nach Bonn, dort frisierte er die Politiker aus dem Bundeshaus. Aber das Klima dort gefiel ihm nicht: „Ich bin eben am Meer aufgewachsen.“ Als es ihn später für einen Urlaub an die Küste zog und er auf dem Weg die Ausfahrt nach Kiel verpasste, landete er erstmals in Hamburg – und blieb. Hier sollten sich nun seine Wege und die der Beatles kreuzen; wenn auch nicht leibhaftig. Denn als Stenzel 1974 an die Elbe zog, waren die Musiker schon lange wieder weg. An der Großen Freiheit hatten sie 1960 ihre ersten Auftritte. Bis Ende 1962 traten sie regelmäßig in der Stadt auf. Erst danach begann ihre Weltkarriere. Heute ist hier ein Platz nach ihnen benannt, und noch immer schmücken sich einige Orte im Viertel mit einer Beatles-Story. Über den Salon wird seither diese erzählt: Es soll Stenzels ehemaliger Chef Harry gewesen sein, der den Beatles erstmals die Pilzfrisuren schnitt, die später unzählige Menschen auf der ganzen Welt nachmachten.

Franz Stenzel unter der Trockenhaube im Keller. Im „Salon Harry“ an der Davidstraße werden seit 1906 Haare von Luden, Promis und Nachtschwaermern geschnitten.


Franz Stenzel unter der Trockenhaube im Keller. Im „Salon Harry“ an der Davidstraße werden seit 1906 Haare von Luden, Promis und Nachtschwaermern geschnitten.
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Bild: Jens Gyarmaty

Manchmal denkt Stenzel auch, die ganze Welt, zumindest die der Männer, ist schon hier gewesen, in dem kleinen Laden. Er zieht die Gästebücher aus dem Schrank, in denen sich einige von ihnen verewigt haben: Schauspieler und Artisten, Sportler und Gastronomen. Es gibt einen Eintrag auf Hebräisch (Musiker aus Israel) und ein paar Seiten weiter einen auf Arabisch (Hamburger Teppichhändler). Uwe Seeler (HSV-Legende) lässt sich im Salon regelmäßig frisieren, auch Spieler und Vorstandsmitglieder des Stadtrivalen FC St. Pauli. Udo Walz, der jüngst verstorbene König der Zunft, war auch mal hier. Ein Sender wollte den Salon mieten, damit er Walz dort bei der Arbeit filmen konnte. Bickeleit war damals allein im Laden und sagte zu, obwohl sie da noch gar nicht wusste, wer Walz war. Solche Anfragen von Medien bekommen die beiden immer wieder, die meisten nehmen sie mittlerweile nicht mehr an. Manchmal geht es um die Beatles, manchmal soll es aber auch ganz persönlich werden. „Einmal sagte einer, er wolle Franz morgens im Bett beim Aufstehen sehen“, sagt Bickeleit. Nee, habe sie gesagt: „Das mach’ nur ich.“

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