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„Berühmte Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel abgesagt“
Wegen schlechter Witterung ist die für diesen Samstag geplante Hahnenkamm-Abfahrt im Ski-Weltcup der Herren in Kitzbühel abgesagt worden. Regen im unteren Streckenabschnitt habe die Piste auf der legendären Streif zu stark in Mitleidenschaft gezogen, hieß es von den Veranstaltern. „Aufgrund der aktuellen Wettersituation und dem Zustand der Piste“ habe die Jury zusammen mit dem Organisationskomitee diese Entscheidung getroffen, teilte der Internationale Skiverband FIS mit.
„Ich wäre gerne gefahren, natürlich aber nur bei guten Verhältnissen. Wenn man gut drauf ist, will man das natürlich“, sagte Andreas Sander, der bei der ersten Abfahrt in Kitzbühel am Freitag als bester Deutscher auf Platz fünf gerast war. Die Absage sei „richtig“ und für ihn „kein Beinbruch“. Auch Herren-Bundestrainer Christian Schwaiger sprach von einer „vernünftigen Entscheidung“. Sein Team werde den Tag nun zur Regeneration und für etwas Konditionstraining nutzen. In Kitzbühel schneite es leicht, dazu herrschte Nebel. Über das weitere Programm in Kitzbühel, wo am Sonntag ein Super-G eingeplant ist (10.30 Uhr), soll im Laufe des Vormittags entschieden werden.
Am Freitag hatten zwei schlimme Stürze das Rennen überschattet. Als die Ärzte Urs Kryenbühl noch im Ziel versorgten, war Ryan Cochran-Siegle schon mit dem Rettungshubschrauber weggeflogen worden. Die berüchtigte Streif sorgte 2021 schon zum Start für schwere Stürze. Der Schweizer Abfahrer Kryenbühl war am Freitag beim Zielsprung mit dem Kopf auf die Piste gekracht, der amerikanische Profi Cochran-Siegle hatte bei seinem Unfall gar ein Fangnetz durchbrochen.
Normalerweise blicken bei der spektakulärsten Schussfahrt im alpinen Ski-Weltcup bis zu 50.000 Fans mit einem Mix aus Schaudern und Begeisterung den Berg hoch. Zuschauer sind wegen Corona 2021 nicht zugelassen. Das Drama auf der Streif aber blieb auch bei diesem Rennen, in dem neben Sander (+0,95 Sekunden) auch Romed Baumann als Achter (+1,51), Dominik Schwaiger als Zwölfter (+1,81) und einen Rang dahinter Josef Ferstl (+1,88) überzeugten, nicht aus. Die Abfahrt wurde nach mehreren Zwangspausen nach 30 Startern abgebrochen – das allerdings wegen Windes und schlechter Sicht, nicht wegen der Unfälle.
Vor allem Kryenbühls Sturz schockte die Anwesenden und TV-Zuschauer. Der 26-Jährige hatte beim Zielsprung mit fast 150 Stundenkilometern das Gleichgewicht verloren und war mit dem Kopf auf die Piste aufgeschlagen. Die Ski des Eidgenossen zerbarsten. Der Unfall erinnerte schmerzlich an den Sturz von Landsmann Daniel Albrecht 2009 an derselben Stelle, der ein Schädel-Hirn-Trauma und drei Wochen Koma zur Folge hatte; Albrecht kam nie wieder zu alter Stärke zurück.
Swiss Ski teilte am Abend mit, dass sich Kryenbühl laut einer ersten Untersuchung eine Gehirnerschütterung, einen Bruch des rechten Schlüsselbeines sowie einen Riss des Kreuz- und Innenbandes im rechten Knie zugezogen hat. Er bleibe über Nacht im Krankenhaus. „Das darf nicht passieren. Der Sprung muss weg, aber leider lernt man nicht aus der Vergangenheit“, sagte Urs Lehmann, Abfahrtsweltmeister von 1993 und Präsident von Swiss Ski, bei Eurosport.de. Er habe Renndirektor Hannes Trinkl gesagt, „dass er aus meiner Sicht den Zielsprung rausnehmen oder zumindest stark entschärfen sollte“.
„Habe die Ehre, der geht weit!“
„Der Sprung geht einfach zu weit“, sagte Sieger Beat Feuz, der seinen ersten Erfolg nach vier zweiten Plätze bei der wichtigsten Abfahrt im Weltcup nur eingeschränkt genießen konnte. Er gewann vor Matthias Mayer aus Österreich und dem Südtiroler Dominik Paris. „Der Sprung ist schon seit drei Tagen ein Thema. Ich bin 60, 70 Meter raus gesegelt“, sagte Feuz im ORF und ergänzte: „Das muss nicht sein.“
Auch deutsche Starter hatten Probleme bei der umstrittenen Stelle. Ferstl konnte sich nach einem viel zu weiten Sprung nur mit Mühe auf den Beinen halten. „Ich habe in der Luft gemerkt: Habe die Ehre, der geht weit!“, erzählte der Oberbayer. „Ich habe gewusst, ich muss kompakt bleiben, die Spannung halten, sonst scheppert’s.“ „Es war am Limit“, räumte Emmanuel Couder vom Weltverband Fis ein.
Schon der Unfall von Podiumskandidat Cochran-Siegle war extrem. Der amerikanische Profi verlor kurz vor dem Ziel in der berüchtigten Traverse die Kontrolle über die Ski und krachte mit voller Geschwindigkeit in ein Fangnetz. Durch den wuchtigen Aufprall – Cochran-Siegle drückte es kopfüber mit dem Rücken und den Nacken in die Begrenzung – durchbrach er das Netz und blieb dahinter liegen. Über den Jury-Funk wurde mitgeteilt, dass der 28-Jährige Schmerzen an der Schulter habe. Das amerikanische Team gab ein paar Stunden später bekannt: Cochran-Siegle erlitt eine leichtere Halswirbelfraktur, er befinde sich aber schon wieder im Team-Hotel.
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