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Salvu Vella kann ein wenig aufatmen. Diesen Sommer werden die ankommenden Schnellboote den fast 75-Jährigen nicht mehr gefühlt im Minutentakt aus der Mittagsruhe reißen, und wenn er samstagabends mit seiner Cousine Evangelista Buttigieg zur Kirche geht, schallt die Partymusik vielleicht nur noch halb so laut aus der Blauen Lagune herüber. Für die Bucht vor der kleinen maltesischen Insel Comino gilt nämlich ab sofort eine Besucherbeschränkung.
12.000 Menschen drängelten sich dort zuletzt zu Spitzenzeiten – gleichzeitig, wohlgemerkt – für ein Selfie vor dem bei wolkenlosem Himmel karibisch-türkisblauen Wasser. Die Steigerung von „Overtourism“ lautete „Comino“: Im Winter nämlich sind Vella und Buttigieg die einzigen Bewohner des nicht einmal drei Quadratkilometer großen Eilands. Nur samstags kommt noch der Priester von der Nachbarinsel Gozo für die Messe herüber.
Ein Numerus clausus für Instagrammer
Jetzt sollen „nur“ noch 4000 Menschen gleichzeitig die Bucht besuchen dürfen. Comino ist der vorerst jüngste einer Reihe zuvor frei zugänglicher Hotspots in der freien Natur, die Behörden und Touristiker mit einer Art Numerus clausus vor ihrer eigenen Popularität zu retten versuchen.
Das Betreten der Insel soll zwar nach wie vor nichts kosten. Doch eine Anmeldung ist ab sofort obligatorisch unter bluelagooncomino.mt. Dann kann eines von drei Zeitfenstern gewählt werden: 8 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17.30 Uhr oder 18 bis 22 Uhr.

In Europa hat Spanien es vorgemacht mit dem Teide-Gipfel auf Teneriffa. Dort dürfen täglich zu drei unterschiedlichen Uhrzeiten nur noch jeweils 100 Menschen den Gipfel erklimmen, was nach Darstellung der örtlichen Behörden sowohl den Besuchern ein sicheres und angenehmes Erlebnis gewährleisten soll als auch den Erhalt des Naturdenkmals (reservasparquesnacionales.es).
Ähnliche Beschränkungen gelten auch für die zum Baskenland gehörende Insel San Juan de Gaztelugatxe im Golf von Biskaya (tiketa.eus/gaztelugatxe) und den zu Galicien gehörenden Strand Praia das Catedrais. Wer nicht Übernachtungsgast ist und damit ohnehin ein Zutrittsrecht hat, kann zwei Wochen vor dem geplanten Ausflug auf https://ascatedrais.xunta.es einen der exakt 4812 Plätze reservieren. Der Klettersteig Caminito del Rey bei Málaga ist sogar kostenpflichtig (caminitodelrey.info/en).

Italien hat derweil den Zugang zu mehreren Stränden auf Sardinien beschränkt. Wer dort in der Sonne brutzeln will, muss für einige Abschnitte ebenfalls Eintritt bezahlen – und nicht zu knapp. An der Traumbucht Cala Goloritzè müssen die täglich 250 Auserwählten, die schnell genug auf der Website https://www.heartofsardinia.com/ oder mit der gleichnamigen App reservierten, ab einem Alter von sieben Jahren sieben Euro berappen.
Die Ökogebühr für die fünf naturbelassenen Strandabschnitte von Biderosa beträgt drei Euro. Allerdings kosten die 100 Auto- und 30 Motorradstellplätze extra, nämlich zwölf beziehungsweise sechs Euro.

Die Calanques bei Marseille erholen sich langsam
Die Pflanzenwelt habe sich seither zumindest zu einem Teil erholen können, stellen die Ranger vor Ort fest. „Das Herumgetrampel der vielen Menschen war wirklich der Grund dafür, dass Pflanzen eingingen“, beschrieb Antonin Druon die Situation vor Journalisten. „Wir haben in zehn Jahren rund 80 Zentimeter Boden verloren, das ist enorm.“

Das 20 Kilometer lange Massif des Calanques aus bis zu 600 Meter hohen Kalksteinfelsen ist seit 2012 als Nationalpark deklariert. Mehr als 900 verschiedene Pflanzen und über 80 Arten von Vögeln, Fischen und Amphibien leben hier, unter anderem die geschützten Heringsmöwen und Kormorane.
Auch Porquerolles, die größte der „goldenen Inseln“ vor der französischen Mittelmeerküste, soll von der Begrenzung auf 6000 Besucher pro Tag profitieren. Da die Überfahrt ohnehin per Fähre stattfindet und dafür ein Ticketkauf nötig ist (tlv-tvm.com/reservations-ebillet-ticket), ist eine Kontrolle vergleichsweise einfach. Der Nachteil für Ticketbesitzer ist, dass es für die einmal gekauften Fahrscheine kein Umtauschrecht gibt.
Datenschützer monieren die Sammelwut
Während die Argumente für Naturschutz und mehr Komfort für alle bei vielen Besuchern auf Zustimmung stoßen, sorgt das Einsammeln einer Flut persönlicher Daten auch für Kritik. Für die Zugangscodes, die nach der Registrierung verschickt werden, reichen nämlich häufig Name und Vorname nicht aus. Bei kostenpflichtigen Tickets werden überdies Kreditkartendaten abgefragt.

Erstaunlicherweise gibt es für das Weltkulturerbe Mont-Saint-Michel bisher kein Limit. Dabei ist die Abtei auf der kleinen Insel im französischen Wattenmeer mit rund drei Millionen Menschen jährlich die nach Paris am häufigsten besuchte Touristenattraktion Frankreichs. „Surtourisme“ ist unter den 30 Dauerbewohnern kein Fremdwort.
Bisher versucht man die Ankömmlinge aber mit verbilligten Parkplätzen am frühen Morgen und späten Nachmittag beziehungsweise außerhalb der Hochsaison in verträgliche Bahnen zu lotsen.
Zu Ägyptens Pyramiden nur noch im E-Bus
Auch das Areal der Pyramiden im ägyptischen Gizeh kennt keine Zugangsbeschränkungen. Allerdings dürfen Privatautos und Reisebusse das Gelände seit April nicht mehr befahren. Auch Kameltreiber und Pferdekutschen sind nicht mehr erlaubt, was bereits zu Protesten führte.
Wer die Tour nicht zu Fuß unternimmt, muss nun einen Platz in einem der neuen Elektrobusse ergattern, mit denen die Besucherströme ein wenig gesteuert werden sollen. In den ersten Wochen scheint dies Augenzeugen zufolge zuweilen chaotisch gewesen zu sein.
Gut geplant will eine Tour zu den Inka-Stätten des Machu Picchu in Peru sein. Besucher müssen vorab entscheiden, welche von drei Touren sie unternehmen wollen, und genau dafür eines der in der Hochsaison je nach Kategorie auf wenige Hundert bis maximal 1550 pro Tag beschränkten Tickets lösen.
Strenge Regeln für Machu Picchu und Galapagos
In Ecuador gibt es bereits seit vielen Jahren strenge Zutrittsbeschränkungen für die Galapagosinseln. Vor dem Abflug von den Flughäfen Quito oder Guayaquil werden von den Besuchern Namen, Passnummer, Nationalität, Geburtsdatum, Familienstand und Nachweis der Hotelreservierung im Austausch für eine Einreisekarte verlangt. Zudem 20 US-Dollar in bar.
Bei der Ankunft auf den Inseln wird zudem eine Nationalparkgebühr von 100 US-Dollar pro Person in bar erhoben. Kinder unter zwölf Jahren zahlen die Hälfte (https://galapagos-ecuador.de/einreisebestimmungen). Mit dem Geld soll die Erhaltung der Flora und Fauna finanziert werden, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. 2024 besuchten rund 279.000 Menschen die Inseln.

Ähnlich strikt sind die Vorkehrungen für das aus 21 Inseln bestehende Archipel Fernando de Noronha im Norden von Brasilien. Individualreisende können Tickets online unter parnanoronha.com.br/en/visitante kaufen. Ab dem angegebenen Datum ist das Ticket für zehn Tage gültig.
Ausländer ab zwölf Jahren zahlen 373 Real, derzeit etwa 58 Euro. Erst im Anschluss daran können auf derselben Website Tickets für bestimmte Trails gebucht werden, deren Verfügbarkeit jedoch sehr stark variiert. Manche Plätze kann man auch auf eigene Faust besuchen.
Rote Karte für respektlose Gipfelstürme
In Japan müssen Wanderer, die einen der vier Wege auf den Berg Fuji-san nehmen wollen, seit diesem Jahr eine Gebühr von 4000 Yen – etwa 25 Euro – bezahlen. Die Onlinebuchung, auch für die Übernachtung in einer Schutzhütte, ist unter fujisan-climb.jp/en möglich. Außerdem verordnete die Präfektur von Shizuoka die Schließung der Wanderwege zwischen 14 Uhr und drei Uhr morgens.
Wer nach 14 Uhr aufsteigen möchte, muss eine Übernachtung in einer Hütte nachweisen. Damit soll das sogenannte „Bullet Climbing“ verhindert werden. Der riskante Trend, bei dem Bergsteiger ohne Pause den Gipfel erklimmen wollen, hat in der Vergangenheit zu Unfällen geführt. Um den Ansturm der Touristen zu kontrollieren, prüfen die Behörden außerdem Fahrverbote zum Ausgangspunkt der vier Wanderwege.

Bereits 2023 hat die indonesische Regierung Touristinnen und Touristen den Zugang zu den für Hindus heiligen Bergen auf Bali untersagt. Den Gläubigen gelten sie als Sitz der Götter. Der spirituell wichtigste Berg ist der Gunung Agung mit seinem Tempel Pura Besakih.
Diese Stätten waren in der Vergangenheit zwar gleichzeitig Highlights des Bali-Tourismus – neben den Stränden – und deshalb auch eine wichtige Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung. Doch manche Gäste hatten teils oder sogar völlig unbekleidet auf einigen Bergen getanzt und für Fotos posiert.
Lieber einsam als gemeinsam
In Neuseeland beschränken die Behörden die Zahl der Wanderer auf ihren „Great Walks“. Eine Liste der Routen und der buchbaren Schlafplätze in Schutzhütten beziehungsweise Zeltstellplätze etwa auf dem Abel Tasman Coast Track oder dem Hump Ridge Track gibt es auf der Website des Department of Conservation (www.doc.govt.nz).
Auf der maltesischen Insel Comino übrigens wird es trotz der neuen Zugangsbeschränkungen nicht einsam werden. Nach vorheriger – kostenloser – Registrierung dürfen 4000 Besucher anrücken pro Zeitfenster, und davon wird es ja täglich immerhin drei geben.
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