„Bis zur letzten Patrone“
Ausnahmezustand! Hätten wir ihn nicht verhindern können? Es ist nachgerade schauerlich, wie die Genese des neuen Seuchen-Notstands, der am Sonntag über die Corona-Republik ausgerufen wurde, jener im „Klima-Notstand“ gleicht, dessen Ausrufung am Samstag der Chef der UN, António Guterres, von allen Ländern der Erde eingefordert hat. Der Papst mahnte auf dem virtuellen Klimagipfel den globalen „Kurswechsel“ an. Es klang wie: Flatten the curve – kriegt endlich die Kurve. Corona und Klimawandel, das ist in diesem Winter die Suche nach dem doppelten Fluchtpunkt. Zu gewaltig schon die Kollateralschäden, zu groß auch die politischen und gesellschaftlichen Flurschäden. Jeder weiß und spürt das, aber den Schmerz einer radikalen Lösung schiebt man so lange vor sich her, bis es zu spät ist. Bis zur letzten Patrone.
Am Samstag vor fünf Jahren in Paris, es war ein viel zu warmer Winter, auf den fünf noch wärmere folgen sollten, war der Schmerz der Klimapolitik mit einer historischen diplomatischen Leistung gedämpft worden. Es war dieser Moment, wenn alles passt und eine neue rosige Realität plötzlich auf einem Blatt Papier sichtbar wird. Die Skizze für eine rationale, geeinte Klima-Weltordnung. Und dann? Dann kam wieder politischer Krampf. Die Irrationalität des Trumpismus hat das gemeinsame Projekt Klimarettung an den Rand des Abgrunds gebracht, und die irdische Atmosphäre hatte plötzlich als Kohlendioxid-Endlagerstätte wieder eine furchterregende Zukunft. Der gemeinsame Aufbruch war gestoppt. Die Frage war nur, für wie lange. Bis es auch da zu spät ist?
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