Wie simuliert man Bedingungen, die es auf der Erde nicht gibt, etwa auf dem Mond oder Mars? Die Weltraumforschung steht vor diesem Problem, hat aber mit sogenannten „Analog-Missionen“ einen Weg gefunden, dem möglichst nahezukommen. Anika Mehlis ist Analog-Astronautin und berichtet in „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ über ihre wenig bekannte, spannende Arbeit.
Sie schreibt über das mehrstufige, anspruchsvolle Auswahlverfahren und berichtet in Tagebuchform von zwei Simulationsmissionen, an denen sie in der israelischen Wüste und im armenischen Gebirge teilnahm. Eindrücklich beschreibt sie, vor welchen Herausforderungen die Teams stehen, etwa bei der Erprobung von Raumfahrtanzügen oder bei Experimenten, die sie durchführen. Auch die sozialen Auswirkungen langer Isolation, Friktionen mit dem Mission Support Center auf „der Erde“ oder Öffentlichkeitsarbeit sind Teil der Aufgabe.
Die Autorin zeigt uns eine Welt, die vielen unbekannt sein dürfte. Forschung unter Extrembedingungen ist schwierig und kostspielig, aber für den Fortschritt unabdingbar. Anika Mehlis gewährt Einblicke in komplexe Vorhaben, die nicht nur für die Raumfahrt wichtige Erkenntnisse liefern, sondern auch für das irdische Leben. Ein Glossar hätte die Lesefreude angesichts zahlreicher Fachbegriffe vollends abgerundet, aber da Mehlis alle wesentlichen Ausdrücke erläutert und einordnet, ist dieses Manko verschmerzbar.
Rezension: Hans Siglbauer
Anika Mehlis
Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt
Knesebeck Verlag, 304 S., € 22,–
ISBN 978–3–95728–970–4
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