
Manchmal haben Forscher einen seltsamen Humor. Michael Levin etwa, Professor für Biologie an der Tufts University in Boston, brachte Kaulquappen dazu, Augen statt auf dem Kopf am Schwanz auszubilden. Er taufte sie „Picasso-Kaulquappen“. Erstaunlicherweise konnten die Tiere mit diesen Augen sehen. Zudem entwickelten sie sich zu normalen Fröschen. Man mag das gruselig finden, doch Levin ist dabei, auf solche und ähnliche Studien ein neues Forschungsfeld zu gründen, angesiedelt zwischen Biologie, Philosophie und Informatik. Er nennt es Diverse Intelligence Research, die Erforschung unterschiedlicher Intelligenzen. Jenseits überkommener Fächergrenzen sucht er die grundlegenden Prinzipien von Kognition und Intelligenz, unabhängig von Substrat und Entstehungsgeschichte.
Bislang kannten wir intelligente Wesen nur als Ergebnis biologischer Evolution. Jetzt ist nach Levins Meinung viel mehr möglich: künstliche Systeme, Mischwesen aus Tier und Maschine wie die Cyborgs, Schimären aus verschiedenen Lebewesen, umgebaute Lebewesen wie die Picasso-Kaulquappen und im Labor entworfene, aus Muskelgewebe gezüchtete Biobots. Um die Fähigkeiten all dieser Wesen, Maschinen und Mischwesen verstehen und manipulieren zu lernen, braucht es für Levin neue Ansätze. Er nennt seinen TAME: Technological Approach to Mind Everywhere (Levin, M.: Technological Approach to Mind Everywhere: An Experimentally-Grounded Framework for Understanding Diverse Bodies and Minds, Frontiers in System Neuroscience, 2022).
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