Browser in 2025: Eine Frage der Künstlichen Intelligenz?

Browser in 2025: Eine Frage der Künstlichen Intelligenz?

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Browser in 2025: Eine Frage der Künstlichen Intelligenz?

Die Technologie hinter den Browsern hat sich über die Jahrzehnte immer wieder verändert. Kamen wir in den 2000ern noch in eine Situation, wo es mit WebKit, Trident, Gecko oder Presto zahlreiche Engines der unterschiedlichen Entwickler gab, hat sich das in der heutigen Zeit mehr oder weniger auf Chromium und seine Engine Blink reduziert – mit ein bisschen WebKit2 und Gecko am Rande. Seitdem sind eher die Trends an der Oberfläche ein Thema, und während der einstige Trend zum Web3 und Crypto eher im Sande verlief, dürfte der Trend zur Künstlichen Intelligenz diesmal einen durchgreifenden Effekt haben.

Nun muss man klar sagen, dass der Trend zum Web3 bei den Browsern nie wirklich angekommen ist. Mit Brave und Opera gab es nur zwei größere Entwickler, die es überhaupt in dieser Richtung versucht haben. Der Trend zur KI-Integration kommt allerdings mit einer völlig anderen Wucht daher. Mit Ausnahme von Vivaldi arbeiten die anderen großen Browser-Entwickler daran, zunehmende KI-Funktionen in ihre Produkte zu integrieren. Die meisten wählen mit Copilot bei Edge, Aria bei Opera, Leo bei Brave und Gemini bei Chrome richtige Assistenten, während Mozilla seinen Assistenten Orbit eingestellt hat und mit den AI Chatbots auf eine flexible Lösung in Firefox setzt.

Entweder Integration…

Auch wenn die großen Sieben der modernen Browser – Edge, Firefox, Chrome, Vivaldi, Opera, Safari und Brave – ein vertrauter Anblick sind und sich die kommenden Integrationen an der Oberfläche mit Funktionen wie einem besseren Tab Management, genaueren Übersetzern oder der Zusammenfassung von Texten nicht ungewohnt anfühlen müssen, gilt es zu differenzieren. Während Firefox meistens auf lokale Modelle setzt, docken andere wie Copilot oder Gemini meistens direkt an die Cloud-Infrastruktur ihrer Unternehmen an. Zudem betrifft es nicht nur Funktionen, die im Alltag helfen. Besonders zwei Möglichkeiten muss man als Nutzer fest im Auge behalten.

Zum einen wäre hier das Model Context Protocol (MCP) zu nennen, dessen Integration in Windows 11 von Microsoft erst bei der vergangenen BUILD 2025 angekündigt wurde. Hierüber können sich KI-Modelle mit externen Datenquellen verbinden, was neben vielen Vorteilen auch Sicherheitsrisiken birgt und weswegen Microsoft von Anfang an sehr hohe Sicherheitsanforderungen gestellt hat. Zweitens kommen die Agents dazu, wo Microsoft etwa beim Copilot-Event im April Funktionen wie die Actions oder Shopping vorgestellt hat. Wenn der Assistent im Hintergrund selbstständig auf Shoppingtour geht oder Buchungen erledigt, muss die Nutzerkontrolle entsprechend stark sein.

…oder Interaktion…

Die Entwicklung geht bei den Browsern aber auch grundsätzlich neue Wege. Neue Unternehmen wie The Browser Company mit ihren Projekten Arc und Dia, der neue Browser Comet von Perplexity AI oder der kommende Browser von OpenAI sorgen dafür, dass die großen Sieben erstmals ganz direkt herausgefordert werden und die Triebfeder, anders als noch beim Web3, eben nicht aus der etablierten Mitte alleine kommt. Manche setzen wie Comet auf eine eher traditionelle Bedienung, während andere wie OpenAI auf einen ganz neuen Ansatz setzen wollen und die Bedienung um den eigentlichen Chat-Assistenten herum bauen.

Aber nicht nur die Browser selbst verändern sich, auch die Art, wie wir manche Sachen ansurfen, ändert sich radikal. Für viele Nutzer werden Assistenten wie ChatGPT zu den neuen Suchmaschinen – mit entsprechenden Folgen für die Seitenbetreiber, was wir bei uns als Beispiel mal aufgegriffen und in einem späteren Beitrag nochmal eingeordnet haben. Noch ist die weitere Entwicklung für die einzelnen Seiten an sich nicht vollständig absehbar, aber ähnlich wie das Aufkommen der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Snapchat in den 2000ern und frühen 2010ern wird das wieder ein Umbruch werden, mit dem man umgehen muss, den man aber nicht mehr aufhalten kann.

…oder ohne alles?

Bleibt die Nutzergruppe, die man auch nicht übersehen sollte: Diejenigen, die mit alledem überhaupt nichts zu tun haben wollen. Auch dieser Punkt ist verständlich und legitim, er dürfte aber kaum durchzuhalten sein. Jüngere Generationen haben andere Erwartungen an das, was sie von einer Software erwarten und was für eine Bedienung gewöhnt sind, während die älteren Mitglieder in der digitalen Gemeinschaft mit zunehmender Zeit eine zunehmende Aversion dagegen entwickeln, sich auf neue Bedienkonzepte einzulassen.

Diese Reaktionen sind nicht neu und es gibt in der Vergangenheit einfache Beispiele, wo wir schon mal vor ähnlichen Situationen standen. Als Mozilla bei Firefox vor mehr als 10 Jahren das Australis-Design eingeführt hat, sprachen viele mitmal vom Chromefox und lehnten es reflexartig ab. Alternativen wie Pale Moon schafften Achtungserfolge, da waren Entwicklungen wie Quantum noch gar nicht absehbar. Und doch zeigt sich heute, dass sich genau dieses grundlegende Design bei den modernen Browsern mit einigen wenigen Ausnahmen durchsetzen konnte. Heute spricht kaum noch einer über die damalige Zeit.

Ähnlich dürfte es auch bei der zunehmenden Präsenz von Künstlicher Intelligenz werden. Das muss nicht bedeuten, dass sich das mittlerweile etablierte Design überall so fundamental ändern wird, wie man das etwa bei OpenAI erwägt, aber es wird die großen Sieben von die Herausforderung stellen, dass sie die jüngeren Generationen mit neuen Bedienkonzepten abholen. Was das genau bedeuten wird, kann nur die Zeit beantworten.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und für Entwickler zu berichten hat. Regelmäßige Beiträge aus meinem digitalen Alltag sind auch dabei.

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