
Eine Bundesgartenschau ist vielleicht kein „Sommermärchen“, aber schon so etwas wie die Olympischen Spiele. Also ein außergewöhnliches Ereignis, das im günstigsten Fall genügend Strahlkraft besitzt, um eine ganze Region – hier das romantische Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz – bekannter zu machen. Keine Frage also, dass Besucher 2029 möglichst von überallher und idealerweise eben auch mit dem Zug in die schon lange als UNESCO-Welterbe ausgezeichnete Kulturlandschaft kommen sollen: Um mit den Bewohnern des gut 67 Kilometer langen Talabschnitts zwischen Nahe und Mosel dann ausgiebig zu feiern, von Frühjahr bis Herbst.
Warum sich die Deutsche Bahn, noch dazu getrieben vom neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), ausgerechnet bei diesem für ganz Deutschland nicht unbedeutenden Vorzeigeprojekt schon jetzt mit einer für die Betroffenen schlechten Nachricht ins Gespräch bringt, erschließt sich einem nicht. Nur die Gleisanlagen auf der einen, nämlich auf der rechten Rheinseite zu sanieren, das andere Ufer aber entgegen früheren Ankündigungen sprichwörtlich links liegen zu lassen, ist kein wirklich guter Plan. Und hilft sicher nicht dabei, das Image des für permanente Unpünktlichkeit und Zugausfälle bekannten Mobilitäts- und Transportkonzerns zu verbessern.
Dabei ist es grundsätzlich gar nicht mal falsch, sich bei der Netzsanierung nicht von Anfang an zu viel aufzulasten, die Zahl der zu bearbeitenden Großbaustellen also möglichst in überschaubarem Rahmen zu halten. Andererseits hat es etwas von einem Schildbürgerstreich, die früher oder später unvermeidliche Ertüchtigung des linksrheinischen Streckenabschnitts auf die Jahre nach 2031 zu verschieben – also in weite Ferne, wenn der Touristenmagnet Bundesgartenschau am Rhein längst vorbei und Geschichte geworden sein wird.
„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, heißt es seit fast zwei Jahrzehnten bei großen Sportereignissen in Deutschland. Das Kultlied der Kölner Gruppe Höhner sollten sich die Verantwortlichen des Bahn-Konzerns und im Bundesverkehrsministerium vielleicht besser noch einmal anhören. Schließlich geht es beim Mittelrheintal auch nicht um ein „Nice-to-have“, sondern um einen extrem stark befahrenen Schienenabschnitt, auf dem zum Teil Lärmspitzen von bis zu 120 Dezibel (dB) gemessen werden.
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