Bundesliga: BVB siegt 3:0 gegen Union Berlin dank Guirassy

Bundesliga: BVB siegt 3:0 gegen Union Berlin dank Guirassy

Es ist eigentlich kein gutes Zeichen, wenn ein Reporter diesen mittlerweile etwas abgegriffenen Begriff bemüht, der Serhou Guirassy ein Stück über den Rest des Dortmunder Teams hebt. Wieder einmal wurde der Angreifer des BVB nach zwei Treffern beim 3:0 gegen Union Berlin als „Lebensversicherung“ bezeichnet, was den Trainer Niko Kovac jedoch an diesem Tag zufrieden lächeln ließ: „Dieses Wort habe ich auch schon mehrmals benutzt“, sagte er, „Serhou ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, der die Tore aus unmöglichen Situationen für uns macht.“

Fünf Treffer hat der Stürmer nun nach drei Pflichtspielen bereits erzielt, was gerade in dieser schwergängigen Phase der Saison extrem hilfreich ist. Noch ist nämlich viel Geduld gefragt. Zum Saisonauftakt beim FC St. Pauli sind bereits zwei kostbare Punkte verloren gegangen, nach dem zweiten Bundesligaspiel sagte Kovac: „Wir hatten schon in den ersten 20 Minuten Probleme gehabt“, bevor die Dortmunder dann doch immer besser wurden. „Am Ende kommen wir in die Spielfreude rein, die uns guttut“, sagte Julian Brandt, dessen Team fleißig an dieser kleinen Befreiung aus dem zähen Saisonstart gearbeitet hatte.

Beispielhaft für diesen Fortschritt war der Auftritt des Neuzugangs Jobe Bellingham, der unsicher und mit sehr vielen Quer- und Rückpässen begonnen hatte. Doch je länger die Partie dauerte, desto selbstbewusster wurde er. Es war gut sichtbar, wie die Kollegen versuchten, dem 19 Jahre alten Engländer zu helfen, der möglichst bald zu einer zentralen Instanz des Teams reifen soll. Er bekam viele Bälle sowie aufmunternde Signale. Irgendwann gelangen ihm immer häufiger auch gute Offensivaktionen. Nach 70 Minuten wurde Bellingham unter dem Applaus des Publikums ausgewechselt. „Er ist aus der zweiten Liga in England ein ganz anderes Tempo gewohnt als in der Bundesliga. Daran muss er sich noch gewöhnen“, sagte Kovac.

Anselminos starkes Debüt

Einen hervorragenden Eindruck machte auch der vier Tage vor der Partie vom FC Chelsea ausgeliehene Aaron Anselmino, dem ein Fehler unterlief, als ihm ein Kopfball zu kurz geriet. Der Berliner Angreifer Andrej Ilic erlief den Ball, ließ die beste Berliner Chance jedoch ungenutzt. In allen anderen Situationen agierte der ebenfalls erst 20 Jahre Anselmino sehr souverän. Für einige gewonnene Zweikämpfe wurde er vom Publikum gefeiert. Zu Guirassys 2:0 hatte er einen starken Spieleröffnungspass an die Strafraumkante beigesteuert, sein verdienter Lohn: Standing Ovations bei seiner Auswechslung. Und Kovac feierte die Leistung seines neuen Spielers als „sensationell gut“ und sogar „Weltklasse“.

Und dennoch ist das Team noch ganz und gar abhängig von Serhou Guirassy, der das Erstrundenspiel im DFB-Pokal mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg rettete und zwei Tore zum 3:3 auf St. Pauli beisteuerte. Gegen den 1. FC Union traf er zum 1:0 (44.), als noch wenig klappte, und führte sein Team durch seinen Treffer zum 2:0 endgültig auf die gewünschte Spur zum Erfolg (58.). Den dritten Treffer erzielte der eingewechselte Felix Nmecha.

Sogar der insgesamt eher schwachen Form von Maximilian Beier hatte noch ein Positiverlebnis, als er eine tolle Vorlage zu Guirassys zweiten Treffer lieferte. Ansonsten ist die Form des Nationalspielers eher schwach, was womöglich daran liegt, dass er nicht vollständig fokussiert ist. Immer noch besteht die theoretische Chance eines Wechsels in die Premier League, sofern der FC Brentford eine Summe anbietet, die die Dortmunder Geschäftsführung schwach werden lässt.

Sebastian Kehl ließ am Sonntagabend die Chance ungenutzt, entsprechende Gerüchte endgültig aus der Welt zu räumen. „Wir haben da Gespräche geführt, der Junge ist total committed in diesem Klub und wird hoffentlich in dieser Saison zeigen, dass das was wir mit ihm vorhaben, weiter geht“, sagte Kehl, der vor der Partie auf imponierende Art und Weise den Wunsch der Fans präsentiert bekam.

Ein kleiner Schritt zur Entfaltung

Die Choreographie, mit der die Dortmunder Fans ihre Mannschaft vor dem ersten Heimspiel dieser Saison begrüßten, war nicht nur komplex und schön, sie enthielt auch eine klare Forderung aus der BVB-Historie. „Grau ist alle Theorie“, begann vor der Süd entrollte das Zitat von der Klublegende Adi Preissler. Die Tribüne war vollständig in grau getaucht war, geschmückt mit einer Zeitungsseite auf der der x-te „Umbruch“ angekündigt wurde. Anschließend verwandelte sich das Grau in ein sattes Grün, und der zweite Teil des berühmten Preissler-Zitates erschien: „Entscheidend ist auf dem Platz.“

Sie wollen nicht mehr erzählt bekommen, was besser laufen kann und soll, sie wollen einen besseren Fußball sehen. Und genau diese gelang nun in diesem Spiel. „Ich glaube in der Mannschaft schlummert viel, nur das müssen wir uns auch zutrauen“, sagte Julian Brandt. Ein kleiner Schritt zur Entfaltung dieses Potenzials ist an diesem Tag gelungen.

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