Chinas Tech-Welt hautnah: Was wir dort erlebt haben

Chinas Tech-Welt hautnah: Was wir dort erlebt haben
Stell dir vor, du unterhältst dich mit jemandem in einer fremden Sprache und verstehst dich trotzdem perfekt. Unsere Redakteurin hat genau das in China erlebt. Sie war dort unterwegs und zeigt dir, wo die Technik von morgen schon heute Realität ist. Wir nehmen dich mit hinter die Kulissen.

Cover Grafik zur Übermorgen Podcast Folge 76 über die Tech Reise nach China
Bildquelle: Gorodenkoff / Shutterstock.com

Eine Sprachbarriere, die sich einfach in Luft auflöst. Genau das erlebt gerade jeder, der eine Smart Glass des chinesischen Herstellers Rokid aufsetzt. Unsere Redakteurin Corinna Oettinger hat das Gerät auf der Global Connect Show in China selbst getestet, einem Hybrid aus Medientour und Messe, bei dem Journalisten hinter die Kulissen chinesischer Tech Unternehmen blicken durften. Ihr Eindruck von China hat sich dabei komplett gewandelt. Statt eines autoritären und grauen Landes erlebte sie eine Umgebung, die sauberer und offener war als gedacht, mit Menschen, die Technologie mit einer Selbstverständlichkeit vorantreiben, die man aus Europa kaum kennt.

Die Smart Glasses von Rokid funktionieren dabei erstaunlich unkompliziert. Die Brille übersetzt Gespräche in Echtzeit und das sogar bei einer so komplexen Sprache wie Chinesisch. Möglich macht das der Fortschritt bei künstlicher Intelligenz, die inzwischen ganze Sätze im Kontext versteht, statt nur Wort für Wort zu übersetzen. Der CEO von Rokid geht davon aus, dass eine solche Brille in fünf bis zehn Jahren das Smartphone komplett ablösen könnte. Offen bleibt dabei allerdings eine entscheidende Frage, die sich durch die gesamte Reise zieht, nämlich wie viel der Mensch dabei noch selbst lernt und leistet, wenn Technik ihm praktisch jede Sprachbarriere abnimmt.

Roboter räumen auf und testen Smartphones bis ins Detail

Diese Frage stellt sich nicht nur bei Sprache, sondern quer durch die gesamte chinesische Techlandschaft. Beim Robotikunternehmen Keenon, dessen Serviceroboter auch hierzulande schon in einigen Restaurants stehen, zeigte sich, wie weit autonome Systeme bereits sind. In großen Testhallen wischen die Roboter selbstständig verschüttete Flüssigkeiten weg, in Hotels bringen sie das Zimmerservice-Essen bis vor die Tür, und in ersten Cafés bereiten humanoide Modelle bereits Kaffee zu. Noch sind diese Einsätze auf kontrollierte Umgebungen beschränkt, eine freie Interaktion mit der Öffentlichkeit ist aktuell noch nicht möglich.

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Wie viel Aufwand hinter jedem chinesischen Gerät steckt, wurde beim Besuch des Unternehmens Longcheer deutlich. Die Firma entwickelt und produziert Smartphones für internationale Marken wie Samsung, bevor am Ende ein fremdes Logo aufgedruckt wird. In riesigen Testhallen prüfen automatisierte Systeme jede Kamera auf Bildschärfe, jeden Touchscreen auf Reaktionsfähigkeit, und Roboterhände packen probeweise Verpackungen aus, um Transportschäden zu verhindern. Wer schon einmal ein neues Handy direkt aus der Packung fallen sah, versteht sofort, warum dieser letzte Schritt so wichtig ist.

Wird KI bald unsere Jobs komplett übernehmen

Der gemeinsame Nenner hinter all diesen Entwicklungen ist künstliche Intelligenz, die in China inzwischen fast in jedem Produkt steckt. Genau hier zeigt sich auch der größte kulturelle Unterschied zu Europa. Während KI bei uns vor allem als Werkzeug zur Unterstützung gedacht wird, denken viele chinesische Unternehmen bereits einen Schritt weiter und planen KI als vollwertigen Ersatz für menschliche Arbeitskraft ein. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Angst vor Jobverlust in China schlicht geringer ausgeprägt ist als in Deutschland oder den USA.

Diese Risikobereitschaft schlägt sich auch wirtschaftlich nieder. Laut einer Statistik, die Corinna vorliegt, bringen Start-ups aus China und den USA jährlich deutlich mehr erfolgreiche Produkte auf den Markt als europäische Unternehmen. Ein Grund dafür liegt in der Bereitschaft, Prototypen einfach zu bauen und live zu testen, statt jahrelang auf Nummer sicher zu planen. Trotz aller offenen Fragen rund um Selbstbestimmung und Jobsicherheit überwiegt am Ende ein Gefühl von Optimismus. Die Technologie kommt so oder so, entscheidend ist, was wir daraus machen. Wie sich das im chinesischen Alltag konkret anfühlt, mit Robotern, Drohnen und Bezahlen ganz ohne App, erfährst du in Teil zwei unserer Serie nächste Woche:

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