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„„Da prallen Welten aufeinander““
Die Stimmung in Dannenrod ist gekippt. Waren die Klimaaktivisten aus ganz Europa bis vor Kurzem im Kampf gegen den Weiterbau der Autobahn 49 durch den Dannenröder Forst in Mittelhessen noch willkommen, meinen viele der rund 170 Dorfbewohner nun, die jungen Leute sollten weiterziehen oder nach Hause gehen. Doch die denken nicht daran. Im Gegenteil: Sie wollen den Gasthof Jakob, den sie schon seit Monaten gemietet haben, kaufen und dort einen ständigen Stützpunkt einrichten.
Angeheizt wurde die Stimmung durch ein Klimacamp vom 9. bis zum 19. April. Nach Schätzungen der Polizei nahmen täglich rund 120 Teilnehmer an diversen Workshops teil, an den beiden Wochenenden deutlich mehr. Es ging um politische Bewusstseinsbildung, Naturpädagogik, Flächenbegrünung in der Stadt, die Weitergabe von während der monatelangen Protestaktionen erworbenen Fähigkeiten und darum, wie Klimaschutz vor Ort funktionieren kann.
Wie stark das Thema die Menschen in Dannenrod, einem gerade einmal rund 170 Einwohner zählenden Stadtteil von Homberg/Ohm, beschäftigt, zeigte sich in der konstituierenden Sitzung des Ortsbeirats am 22. April. Viele der etwa 15 Besucher beschwerten sich zum Schluss unter dem Punkt „Verschiedenes“ vehement über die Zustände im und am Gasthof Jakob. Dass die zugereisten Klimaaktivisten den Kinderspielplatz vereinnahmt und dort ihre Wäsche aufgehängt hätten, wurde ebenso beklagt wie das Beschmieren von Ortsschildern und Hinweistafeln mit Graffiti oder Sprüchen wie „No Cops“. Wenn man die jungen Leute darauf anspreche, stoße man manchmal durchaus auf Verständnis, hieß es. Aber die personelle Fluktuation bei den Aktivisten sei groß, und die Angesprochenen versteckten sich hinter dem Argument, sie seien nicht für das Handeln autonomer Gruppen verantwortlich. Führungsstrukturen lehnen die A-49-Gegner kategorisch ab, sodass es keinen Ansprechpartner gibt, der das Sagen hat.
Die gleichen Ziele, aber andere Methoden
Auf Unverständnis stößt bei den Dannenrödern, dass das Vereinsleben im Dorf wegen Corona seit mehr als einem Jahr auf Eis liegt, das Klimacamp mit insgesamt mehr als 1000 Teilnehmern aber stattfinden durfte. Hinzu kommen Probleme mit der Beseitigung der Fäkalien während der Veranstaltung. Mit Chemikalien betriebene Dixie-Klos lehnten die Umweltschützer ab. Stattdessen organisierten sie einen Container, in dem der Inhalt der Plumpsklos entsorgt wurde. Doch der Container war undicht. Da es stark regnete, floss die braune Brühe das abschüssige Gelände hinunter und verteilte sich auf den dortigen Grundstücken.

Die Aktivisten hatten im April ihre Zelte für das Klimacamp aufgeschlagen.
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Bild: Laila Sieber [FAZ-Recht:1]
Je näher die Leute am Gasthof wohnen, desto ausgeprägter scheint die Abneigung gegen die Aktivisten zu sein. Karin und Wilfried Wagner, die schräg gegenüber in einem 1995 renovierten schicken Anwesen wohnen, sind mit ihren Nerven am Ende. „Schauen Sie sich diesen Saustall an“, ruft der Landwirt empört und zeigt mit dem Finger auf das Durcheinander rund um den Gasthof Jakob, an dessen Fassade große Protestbanner im Wind flattern. „Früher war alles top in Ordnung. Das war eine Institution. Viele Familienfeste haben wir dort gefeiert, von Taufen über runde Geburtstage bis zum Beerdigungskaffee. Jetzt verkommt alles.“
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