Dank M-Bank und Unicredit: Commerzbank so teuer wie 2011

Die Aktie der Commerzbank ist so teuer wie zuletzt im April 2011. Am Donnerstag übersprang der Kurs 32 Euro, damit ist die Commerzbank als Gesamtunternehmen 36 Milliarden Euro wert, 110 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Als ein wesentlicher Treiber hinter dem rasanten Kursanstieg gilt Unicredit . Die italienische Bank ist im September 2024 als Aktionär eingestiegen. In dieser Woche hat sie ihren Anteil auf 20,2 Prozent ausgebaut und den Bund (noch 12,1 Prozent), der die Commerzbank im Winter 2008/2009 vor dem Untergang gerettet hat, als größten Aktionär abgelöst. Unicredit will offensichtlich die Commerzbank als Ganzes kaufen, stößt aber bei der aktuellen Bundesregierung auf Widerstand.

Zur Übernahmephantasie gesellen sich gute Geschäftszahlen. Am Donnerstag gab die polnische M-Bank , die zu fast 70 Prozent der Commerzbank gehört, ihr Halbjahresergebnis bekannt. Dank sinkender Rückstellungen für Schweizer-Franken-Kredite steigerte M-Bank ihren Gewinn im zweiten Quartal um 127 Prozent auf 959 Millionen Zloty (umgerechnet 225 Millionen Euro) und übertraf damit die Erwartungen leicht. Außerdem erhöhte M-Bank die Ertragsprognose für das Gesamtjahr 2025 von „mehr als 11“ auf 12 Milliarden Zloty.

Ausblick auf die Konzernhalbjahreszahlen

Der Gewinn der M-Bank fließt in das Privatkundengeschäft der Commerzbank ein. Das zweitgrößte börsennotierte deutsche Kreditinstitut wird am 6. August seine Halbjahreszahlen vorlegen. Nach einer Umfrage unter 14 Analysten wird im Durchschnitt ein Konzernergebnis im zweiten Quartal von 369 Millionen Euro erwartet, womit das Halbjahresergebnis auf 1,2 Milliarden Euro wachsen würde. Im zweiten Quartal 2024 hatte die Commerzbank 538 Millionen Euro netto verdient. Analysten rechnen also mit einem Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal um 31 Prozent. Dank des starken ersten Quartals könnte allerdings das Vorjahreshalbjahresergebnis von 1,3 Milliarden Euro nur knapp verfehlt oder vielleicht sogar doch übertroffen werden.

Denn bislang gehen Analysten nur von einem Beitrag der M-Bank zum Vorsteuergewinn von 262 Millionen Euro aus, was auch schon 40 Prozent des erwarteten Gewinns der Privatkundensparte bedeuten würde. Nun hat M-Bank nach den am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen die zuvor an ihren Quartalsgewinn gehegten Erwartungen um 3 Prozent übertroffen. Entsprechend mehr kommt bei der Commerzbank an. Damit wird M-Bank zusehends wieder zur Stütze des Konzerns, nachdem in den vergangenen Quartalen hohe Belastungen für Franken-Kredite angefallen waren, die sich im Vorjahr auf eine Milliarde Euro summierten.

Ende 2024 waren noch 16.000 Gerichtsverfahren um Franken-Kredite anhängig, 63 Prozent weniger als im Jahr davor. Die Kosten für Rechtsrisiken aus diesen vor der Finanzkrise vergebenen Hypotheken in Fremdwährung sollen 2025 zum letzten Mal die Ergebnisse belasten, bekräftigte die M-Bank am Donnerstag. Allerdings wird die Commerzbank im zweiten Quartal 2025 nach Schätzungen von Analysten zulasten ihres Gewinns gut 500 Millionen Euro an Restrukturierungsaufwendungen buchen, etwa für Abfindungen an Mitarbeiter in Deutschland, die sie durch die Auslagerung von Tätigkeiten an ausländische Standorte einsparen will.

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