Darum änderte der Serienschöpfer das Netflix-Schicksal von Gi-hun

Darum änderte der Serienschöpfer das Netflix-Schicksal von Gi-hun

Der Original-Plan war viel hoffnungsvoller, doch der „Squid Game“-Schöpfer wollte ein drastischeres Schicksal für Gi-hun. So anders sollte die Serie enden.

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– Achtung: Es folgen Spoiler zu „Squid Game“ Staffel 3! –

Im Finale, das wir in Staffel 3 auf Netflix zu sehen bekommen, entscheidet sich Gi-hun (Lee Jung-jae) in einer schier ausweglosen Situation dafür, sein eigenes Leben zu opfern, um das Baby von Jun-hee (Spielerin 222) zu retten. Der Regisseur und Autor von „Squid Game“, Hwang Dong-hyuk, verriet, dass es ursprünglich einen ganz anderen Ausgang für die Serie geben sollte. Hwang hatte zunächst eine entgegengesetzte Entscheidung für die Figur im Sinn.

Warum das Ende von „Squid Game“ erst der Anfang sein könnte, seht ihr im Video:

So hätte „Squid Game“ eigentlich enden sollen

In seiner ersten Fassung plante Hwang, dass Gi-hun die tödlichen Spiele beendet und anschließend – lebend – zu seiner Tochter nach Los Angeles reist. In diesem ursprünglichen Szenario wäre Gi-hun dann in Los Angeles auf die US-amerikanische Rekruterin (Cate Blanchett) gestoßen, wodurch angedeutet worden wäre, dass die Spiele zwar in Südkorea vorbei sind, aber weltweit weiterlaufen.

Die Serie hätte damit unterstrichen, dass kapitalistische Gier ein globales Problem ist, das nicht so einfach gestoppt werden kann (via The Hollywood Reporter). Erst im Laufe des Schreibprozesses wurde klar, dass Gi-hun einen anderen, moralischeren Weg wählen würde – ein drastischer Wechsel gegenüber dem ursprünglichen Plan.

Gi-huns Opfer trägt bedeutungsvolle Botschaft

Im Schreibprozess und vor dem Hintergrund weltweiter Ereignisse entschied sich Hwang für eine radikal andere Auflösung: Gi-hun opfert am Ende sein Leben, um das Baby von Jun-hee zu retten. Dadurch sendet die Serie eine noch stärkere, selbstlose Botschaft und zeigt, dass individueller Mut und Opferbereitschaft nötig sind, um gegen Ungerechtigkeit anzukämpfen. Ein selbstloses Opfer wie das von Gi-hun stehe symbolisch dafür, kommenden Generationen eine bessere Welt zu hinterlassen (via The Hollywood Reporter).

Gegenüber Tudum erklärt Hwang Dong-hyuk:

„Ich musste Gi-huns Reise abschließen und den Zuschauern jetzt eine Botschaft vermitteln. Die Botschaft, die ich vermitteln wollte, war, dass wir keine Zukunft haben, wenn wir nur unser unmittelbares Eigeninteresse verfolgen und uns weigern, uns selbst zu zügeln, Opfer zu bringen oder Kosten zu tragen, und wenn wir uns nicht zusammenraufen.“

Diese Entscheidung sollte die Zuschauer*innen emotional noch stärker treffen und die Themen der Serie auf den Punkt bringen. Wäre Gi-hun am Leben geblieben und hätte seine Tochter wiedergesehen, wäre das Ende zwar hoffnungsvoll gewesen, aber weniger wirkungsvoll.

Durch seinen Tod wird die eigentliche Botschaft klar: Nur durch selbstlose Taten kann man dem „Monster“ der Habgier zumindest entgegentreten – ein Schlusspunkt, der nachwirkt und die Tür für mögliche Spin-offs offen lässt, wie das offene Ende andeutet.

Sae-byeok erinnert Gi-hun an seine Menschlichkeit

Viele Fans fragen sich in den finalen Folgen dennoch, ob Gi-huns Opfer nicht vermeidbar gewesen wäre. Tatsächlich hätte sich der Protagonist vor dem letzten Spiel und damit seinem tödlichen Schicksal bewahren können, wenn er seine Konkurrent*innen mithilfe des Messers, das ihm der Frontmann (Lee Byung-hun) gab, im Schlaf getötet hätte.

Die Verzweiflung treibt ihn fast so weit, doch am Ende besinnt sich Gi-hun und entscheidet sich gegen das hinterhältige Töten.

Entscheidend für Gi-huns Verhalten im Finale – abgesehen von seinem Versprechen an Jun-hee, das Baby zu beschützen – ist eine Vision von Sae-byeok (Jung Ho-yeon), einer verstorbenen Mitspielerin aus Staffel 1, die ihn daran erinnert, dass er kein Mörder ist. Sie hält ihn davon ab, weitere Spieler im Schlaf zu töten. Dieses moralische Erwachen wurde laut Hwang in der Serie bewusst beibehalten, um Gi-huns Menschlichkeit zu betonen.

Die Entscheidung von Gi-hun am Ende von Staffel 3 steht im Zentrum eines philosophischen Showdowns zwischen ihm und dem Frontmann, der sich durch Staffel 2 zieht und in Staffel 3 seinen Höhepunkt findet: Beide Figuren vertreten gegensätzliche Wertevorstellungen – Menschlichkeit versus Egoismus (via Variety).

Ein Rückblick zeigt uns in Staffel 3, dass Hwang In-ho seinerzeit vor dieselbe Wahl gestellt wurde und dabei den einfachen, skrupellosen Weg wählte und die anderen Spieler*innen beseitigte.

Falls ihr euch nicht erinnert: Der Satz, den Sae-byeok in diesem Moment sagt, stammt eigentlich aus Staffel 1. In jener Szene trieb die Angst Gi-hun beinahe dazu, seinen Freund Sang-woo (Park Hae-soo) im Schlaf zu töten. Die Worte „Du bist doch nicht einer von denen“, berührt Gi-huns Gewissen und bringt ihn wieder zur Besinnung, sowohl in der ersten Staffel als auch im Finale. Laut Hwang Dong-hyuk sei der Appell an seine Menschlichkeit durch diese einfachen, aber kraftvollen Worte stark genug, um das Messer aufzuhalten (via Variety).

Gi-huns Opfer verkörpert also die Botschaft, die uns der „Squid Game“-Schöpfer mit der Netflix-Serie ursprünglich vermitteln wollte – trotz oder gerade wegen der drastischen Änderung des Endes, das letztendlich ein Zirkelschluss zum Beginn von Gi-huns Geschichte ist.

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