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Der Blick auf die Monatskarte zeigt tief über dem westlichen Horizont ein ungewöhnliches „Doppelobjekt“: Mars, der einzige im Juni am dunklen Himmel sichtbare Planet, begegnet zur Monatsmitte dem hellen Regulus, dem Leitstern des Sternbilds Löwe. Am Abend des 17. Juni kommen die beiden sich bis auf 1,5 Vollmonddurchmesser nah. In den Tagen davor und danach kann man mit bloßem Auge verfolgen, wie Mars sich vor dem Fixstern vorbeibewegt – der rote Planet rückt in 24 Stunden um fast ein halbes Grad von West nach Ost vor. Das entspricht etwa einem Vollmonddurchmesser. Die schnelle Bewegung kommt durch die relative Nähe des Planeten zustande: Mars ist Mitte Juni „nur“ 274 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Das macht ihn nach Mond und Venus zum nächstgelegenen, problemlos mit freiem Auge sichtbaren Himmelsobjekt.
Regulus hingegen ist 79 Lichtjahre von der Erde entfernt, das sind 747 Billionen Kilometer. Auf dem Papier sind Mars und Regulus im Juni fast gleich hell. Dennoch dürften die meisten den Stern wesentlich heller wahrnehmen als den Planeten: Mars’ reflektiertes Sonnenlicht nimmt durch seine staubige Oberfläche deutliche Rot- und Orangetöne an, Regulus strahlt weißlich. Das menschliche Auge nimmt das kurzwellige weiße Licht besser war als das langwellige rote, was den Kontrast zwischen den beiden ungleichen Leuchtpunkten erhöht.
Regulus ist einer von nur einer Hand voll heller Sterne, die an der Himmelssphäre nah genug an der Ekliptik (also der Ebene der Erdbahn, die gleichzeitig die Ebene des Sonnensystems markiert) liegen, sodass sie regelmäßig von den Planeten des Sonnensystems oder vom Mond besucht werden können. Am abendlichen Junihimmel findet man noch zwei weitere: Spica in der Jungfrau und Antares im Skorpion. Alle drei Sterne sind der Ekliptik so nah, dass der Mond sie von Zeit zu Zeit sogar bedeckt: Regulus das nächste Mal am 10. Dezember, am hellen Tag.
Alle drei Komponenten des Sommerdreiecks sind aufgegangen
Im Juni lässt sich mit den genannten drei Sternen der Verlauf unserer Planetensystemebene gut nachvollziehen. Regulus markiert zudem das südliche Ende einer Sterngruppe, die „Sichel des Löwen“ genannt wird. Sie wirkt wie ein spiegelverkehrtes Fragezeichen und umreißt den Kopf des himmlischen Löwen. Blickt man vom Löwen nach oben, Richtung Zenit, fällt die wohlbekannte Figur des Großen Wagens auf. Der Große Wagen ist ein weiterer Asterismus, also eine Gruppe von Sternen, die ihrerseits zu einem größeren Sternbild gehört, zum Großen Bären.

Im Juni sinkt dieser schon wieder vom Zenit herab. Folgt man der Deichsel des Großen Wagens in einem geschwungenen Bogen nach Süden, findet man leicht den hellen Stern Arktur im Bärenhüter (Bootes). Er dominiert den Himmel in der ersten Nachthälfte. Von Arktur gelangt man Richtung Osten über den kleinen, aber gut erkennbaren Sternenkranz der Nördlichen Krone und dem unscheinbaren, aus relativ schwachen und verstreuten Sternen bestehenden Herkules zur hellen Wega in der Leier. Hier sind wir schon auf sommerlichem Terrain: Mit Wega, Deneb im Schwan und Altair im Adler sind alle drei Komponenten des Sommerdreiecks aufgegangen. Seine Sterne werden uns wie jedes Jahr bis tief in den Herbst begleiten.
Kehren wir zum Sonnensystem zurück: Zwar ist Mars der einzige Planet am dunklen Abendhimmel, sichtbar sind aber auch andere. Merkur zeigt sich in der zweiten Monatshälfte in der Abenddämmerung. Am höchsten steigt der innerste Sonnensystemplanet um den 24. Juni, wenn er kurz nach 22 Uhr etwa eine Handbreit über dem Westnordwesthorizont leuchtet. Venus, schon seit einiger Zeit „Morgenplanet“, ist immer besser vor Sonnenaufgang im Osten zu sehen. Dort findet man auch den Ringplaneten Saturn. Nur Jupiter macht sich rar; der Riesenplanet steht aus Erdsicht hinter der Sonne am Taghimmel.
Die dunkle Nacht ist nochmal kürzer
Frühes Aufstehen lohnt sich besonders am 23. Juni. Von vier Uhr an bedeckt der Mond vier der hellen Mitglieder des Sternhaufens der Plejaden im Sternbild Stier, unter dem Namen „Siebengestirn“ bekannt. Auch die Plejaden stehen der Ekliptik nahe genug, um vom Mond überstrichen zu werden. Diese dritte Plejadenbedeckung des laufenden Jahres findet in der einsetzenden Morgendämmerung statt.
Ansonsten sind die Juninächte vor allem kurz – besonders um den 21. Juni, die Sommersonnenwende. An diesem Tag erreicht die Sonne um 4.42 Uhr den nördlichsten Punkt ihrer scheinbaren Himmelsbahn, die identisch ist mit der an den Himmel projizierten Erdbahn, also der Ekliptik. Sie steht dann von der Mitte Deutschlands aus gesehen knapp viereinhalb Stunden länger über dem Horizont als unter ihm. Die dunkle Nacht ist sogar noch einmal wesentlich kürzer, weil sie nach ihrem Untergang nur langsam unter den Horizont sinkt, was für die typischen, langen und im Norden ineinander übergehenden Abend- und Morgendämmerungen sorgt.
Sonne: 1. Juni, Sonnenaufgang 5.21 Uhr, Sonnenuntergang 21.26 Uhr; 30. Juni, Sonnenaufgang 5.19 Uhr, Sonnenuntergang 21.39 Uhr.
Mond: 3. Juni, 5.41 Uhr: Erstes Viertel; 11. Juni, 9.44 Uhr: Vollmond; 18. Juni, 21.19 Uhr: Letztes Viertel; 25. Juni, 12.32 Uhr: Neumond.
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