„Das Lachen über sich selbst hat etwas unglaublich Erleichterndes“
„Jeden Werktag um 11 Uhr 1 neues Meme“ steht in der Profilbeschreibung des Instagram-Accounts „Alman_Memes2.0“. In deutscher Pünktlichkeit werden hier Inhalte geliefert. Worauf man sich einlässt, weiß man, wenn man mit den Begriffen „Alman“ und „Meme“ etwas anfangen kann. Memes, das sind mit einem lustigen Text versehene Bilder oder Videos, die in sozialen Netzwerken schnell und weit verbreitet werden und die Meinung, Gefühlslage oder Verhaltensweisen vieler Menschen beschreiben. „Alman Memes 2.0“ macht das gut: Dem Account folgen mittlerweile mehr als 600.000 Menschen. Grob umrissen geht es hier um typisch deutsche Klischees, Verhaltensweisen, die sich häufig in Deutschland beobachten lassen, Eigenarten. Bespielt wird der Kanal von Marius Notter und Sina Scherzant. Beide wissen um die Brisanz des Begriffs „Alman“ und dessen Definition – auch wegen ihrer scharfen Kritiker. Deutungshoheit beanspruchen sie nicht.
Herr Notter, Frau Scherzant, Sie nehmen mit Ihrem Instagram-Account fast täglich uns „Almans“ aufs Korn, jetzt haben sie ein Buch darüber veröffentlicht. In welchen Punkten sind Sie selbst „Almans“?
Sina Scherzant: Wir sind beide Vegetarier. Wenn wir mit Freunden im Restaurant sitzen und am Ende des Abends die Rechnung geteilt werden soll, denke ich schon manchmal: Ich hatte doch nur das vegetarische Nudelgericht für 7,50 Euro und die anderen Steaks für 13 Euro! Ich schäme mich dann auch. Verhindern kann ich es aber nicht.
Marius Notter: Ich hab mich gestern dabei erwischt, wie ich im Supermarkt genervt den Warentrenner aufs Kassenband geknallt habe. Ich habe richtig Angst davor, dass ich mal bei einer solchen Marotte erkannt werde. Das wäre so peinlich.
Ins Restaurant können wir ja gerade leider nicht. Wie lassen sie sich momentan zu Ihren Memes inspirieren?
Sina Scherzant: Am besten funktioniert es schon, wenn wir Menschen in Cafés oder in der Bahn beobachten können. Momentan beziehen wir uns auf aktuelle, gesellschaftliche Themen. Auch Politiker sind guter Stoff für Memes.
Was meinen Sie – liegt es an Ihrer Selbstironie, dass sich die Menschen so über Ihre Memes amüsieren können?
Sina Scherzant: Achim und Anette, zwei unserer fiktiven Figuren, sind in den Fünfzigern. Mit ihnen betreiben wir eine Art Boomer-Humor. Wenn wir wiederum Beiträge posten, bei denen es um die jüngeren Figuren Annika und Andi geht, beobachten wir, dass unsere Follower deutlich angefasster reagieren. Da erreicht uns dann auch mehr Kritik. Ich glaube, die Leute lachen am Ende doch lieber über Figuren, die ihnen nicht ganz so nah sind. Witze auf eigene Kosten tun uns doch oft am meisten weh.
Also funktioniert es am besten, wenn Sie sich über unsere Elterngeneration lustig machen?
Marius Notter: Es ist eine Mischung. Da sind Nutzer, die uns für unsere antirassistischen Memes mögen. Andere mögen Memes, in denen wir das Verhältnis von „Almans“ und Klimawandel kritisieren. Und wieder andere lachen am liebsten über ganz harmlose Dinge wie das Angrillen im Frühjahr oder Situationen an der Supermarkt-Kasse. Aber den meisten Spaß erzeugen wir, wenn wir alles bedienen und miteinander vermischen.
Lacht unsere Generation überhaupt gern über sich selbst?
Marius Notter: Das Lachen über sich selbst ist etwas unglaublich Erleichterndes. Man kennt ja seine eigenen Fehler und wenn dann jemand auf der Bühne steht und lustig erzählt, dass es ihm genauso geht, dann macht das mein Päckchen ein bisschen leichter. Die Fähigkeit zur Selbstironie ist aber in der deutschen Mainstream-Comedy in den letzten Jahren etwas untergegangen. Bei Loriot hat das zum Beispiel noch sehr gut funktioniert.
Sina Scherzant: Selbstironie geht immer mit Selbstreflexion einher. Ich muss mich und meine Charakterzüge, aber auch Eigenarten und Fehler ja erstmal verstanden haben, um selbstironisch zu sein. Anders sieht es aus, wenn Leute dumme Witze über ihre Mitmenschen machen, zum Beispiel über Menschen mit Migrationserfahrung, Frauen oder Homosexuelle – und dann einfordern, dass die Leute jetzt gefälligst über sich selbst lachen sollen.
Marius Notter: Ein großer Teil der Memes-Kultur beruht auf Selbstironie. Das passt auch gut in unsere Zeit.
Inwiefern?
Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, vergessen Sie nicht, ihn mit Ihren Freunden zu teilen. Folgen Sie uns auch in Google News, klicken Sie auf den Stern und wählen Sie uns aus Ihren Favoriten aus.
Wenn Sie an Foren interessiert sind, können Sie Forum.BuradaBiliyorum.Com besuchen.
Wenn Sie weitere Nachrichten lesen möchten, können Sie unsere Nachrichten kategorie besuchen.