„Das Land, das Hoffnung spenden kann“
Der vergangene Donnerstag war ein besonderer Tag für Israel, ein Tag, der Hoffnung macht. Nach knapp zehn Monaten blieb die Zahl der bisherigen Covid-19-Toten zum ersten Mal konstant. Am selben Tag erreichte Israel den Meilenstein von fünf Millionen Impfungen. Rund 62 Prozent der Einwohner haben damit bislang mindestens eine Impfdosis erhalten, 58 Prozent bereits beide. Das Land ist mit großen Schritten auf dem Weg zurück in die Normalität.

Dass diese positive Entwicklung tatsächlich dem Impfprogramm zuzuschreiben ist und nicht etwa anderen Faktoren, haben nun israelische Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Medicine“ detailliert dargelegt. Dafür analysierten sie den Einfluss der Impfungen auf die Entwicklung der Infektions- und Hospitalisierungszahlen. Deutlich sichtbar ist dieser Einfluss insbesondere dadurch, dass es auch in Israel eine Impfpriorisierung gab: Vom 20. Dezember an wurden zuerst die über 60-Jährigen und Risikogruppen geimpft, dann die über 55-Jährigen, die über 40-Jährigen, die 16- bis 18-Jährigen und schließlich die über 35-Jährigen, bevor am 4. Februar die Impfungen für alle freigegeben wurden.
Der Rückgang der Fallzahlen in den verschiedenen Altersgruppen folgte dieser Reihenfolge. Bei den über 60-Jährigen war das Maximum der Neuinfektionen einige Tage nach Beginn des dritten Lockdowns gegen Ende der zweiten Januarwoche erreicht. Aufgrund des Lockdowns gingen zu diesem Zeitpunkt zwar auch die Zahlen in den übrigen Altersgruppen zurück. Diese erreichten allerdings bald ein Plateau und sanken dann erst wieder gemäß dem jeweiligen Impffortschritt weiter ab.
Um den Einfluss des dritten Lockdowns besser zu verstehen, verglichen die Wissenschaftler die Entwicklung der Zahlen in diesem Zeitraum mit derjenigen während des zweiten Lockdowns ab dem 18. September 2020. Die während des dritten Lockdowns einsetzende Altersstaffelung war im vergangenen Herbst tatsächlich nicht zu beobachten. Zudem zeigte sich während des dritten Lockdowns, dass die Infektionszahlen in Städten mit weit fortgeschrittenem Impfprogramm schneller und deutlicher sanken. All das spricht nach Ansicht der Wissenschaftler klar dafür, dass hier die Wirkung des Impfprogramms epidemiologisch sichtbar ist.
Für ein Sinken der klinischen Kennzahlen hätten mindestens 50 Prozent der Bevölkerung in der jeweiligen Altersgruppe erstmalig geimpft oder genesen sein müssen, so die Forscher. Verwundert zeigten sich die Wissenschaftler allerdings darüber, dass es nach dem Start der Impfkampagne drei bis vier Wochen gedauert habe, bis die Zahl hospitalisierter Patienten deutlich sank. Dies könne auf eine im Vergleich zu den klinischen Studien etwas verminderte Effektivität der Impfung nach der ersten Dosis hinweisen – entweder aus praktisch-logistischen Gründen oder aufgrund der besonderen Impfreaktion älterer Impflinge oder auch tatsächlich aufgrund der in Israel bereits im Februar dominanten Virusvariante B.1.1.7.
Dass die Impfung dennoch wirksam ist, nicht nur wie bislang gezeigt auf individueller Ebene, sondern auch in Bezug auf das bevölkerungsweite Infektionsgeschehen, sollte eine wichtige Botschaft sein – gerade dort, wo Impfangebote auf Bedenken treffen. Begünstigungen für Geimpfte, wie durch Israels „grünen Pass“ realisiert, können zwar individuelle Anreize bieten. Die Perspektive auf eine schnelle landesweite Eindämmung des Virus und damit auch eine leichtere Kontrolle gefährlicher Varianten ist als kollektive Motivation aber wohl ähnlich wichtig.
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