Das letzte Gefecht von Habeck und Söder

Das letzte Gefecht von Habeck und Söder

Es gibt ja viele Menschen in Deutschland, die froh sind, dass Robert Habeck nun endgültig das Handtuch geworfen hat und ins Exil nach Amerika geht wie schon andere große deutsche Geister vor ihm. Erleichtert sind vor allem die Gasheizungsbesitzer, die fürchteten, der Grüne werde doch noch eines Tages im Morgengrauen wie ein Terminator vor ihrer Tür stehen und den geliebten Kessel aus ihrem Keller und Leben reißen. Doch dieser Kolumne, das müssen wir zugeben, wird Habeck ein wenig fehlen, lieferte er doch hin und wieder ein Stichwort, das aus dem faden Einheitsbrei der politischen Kommunikation wenigstens löffelbreit herausragte.

Auch zum Abschied sagte Habeck nicht leise Servus, sondern patschte mit seinem letzten Gruß an die letzte Patrone des politischen Klamauks noch einmal so in die Terrine, dass in München die Weißwürste und ein Kragen platzten: Söders „fetischhaftes Wurstgefresse“ sei keine Politik.

Wir verstehen ja, dass gerade bei Vegetariern manchmal ein gewisser Futterneid aufkommt. Dennoch ist Habeck hier ein krasses Fehlurteil unterlaufen, das wir von einem Politiker nicht erwartet hätten, dessen Partei sich gleich an mehreren Fetischen aufgeilt, genannt seien hier nur das Gendern und das Lastenrad. Alles, was Markus Söder macht, sagt und (fr)isst, ist reine Politik. Der bayerische Ministerpräsident verspeist die Berge von Würsten, Leberkäsesemmeln, Hamburgern und nun sogar Matjesbrötchen ja nicht zum Vergnügen. Sondern weil er weiß, dass auch die Liebe der Wähler durch den Magen geht. Wir sind sicher, dass Söder wie ein Igel auch lebende Schnecken vertilgen würde, wenn ihm das mehr Stimmen von den Schrebergärtnern einbrächte.

Warum heißt Söders Döner nicht Söner?

Noch konzentriert er sich aber auf die größere Gruppe der Döner-Esser, denen er den Söder-Kebap serviert. Der ist nun auch beim Deutschen Patent- und Markenamt registriert und damit vor Missbrauch geschützt. Es hätte ja sein können, dass ein neidischer Ministerpräsident in Kiel das Ding einfach nachbrät. Uns wundert nur, dass der Fast-Food-Politiker Söder seinen Döner nicht Söner genannt hat. Das wäre noch schöner. Manchmal ist er einfach zu bescheiden.

Eben so wie Habeck, der zur „taz“ sagte, er wolle weder ein höhnisch-zynischer Kommentator sein – was er schon in diesem Interview nicht mehr war – noch wie ein Gespenst über die Flure laufen. Was aber will er dann? Habeck-Hörnchen backen? Er sagt, er gehe „jetzt komplett ins Offene“. Das klingt nach einer politischen Nahtoderfahrung. Kein Wunder, dass Söder ihm wünschte, mit Gott zu gehen. Vermutlich wäre er aber auch einverstanden, wenn Habeck zum Teufel ginge, denn die Bedingung lautete ja nur: Hauptsache, weit weg.

Habeck hält bei Klöckner Dämlichkeit für möglich

Das scheint der CSU-Generalsekretär Huber aber überhört zu haben. Damit ein Untersuchungsausschuss „den schlechtesten Wirtschaftsminister aller Zeiten“ verhören könnte, müsste Habeck ja ab und zu zurück nach Deutschland kommen. Ahnt Huber vielleicht, dass Söder bald Sehnsucht nach seinem alten Feind haben wird? Welchen Politiker sollte der CSU-Chef denn sonst noch als satisfaktionsfähig ansehen? Den armen Armin Laschet?

Der durfte nach einem Veto aus München nicht einmal Bundestagspräsident werden, dürfte nun aber mehr denn je davon überzeugt sein, dass er die bessere Wahl gewesen wäre. Auch Habeck meint, es sei von Anfang an klar gewesen, dass Julia Klöckner „eine Fehlbesetzung ist“. Die Dame, bei der Habeck Dämlichkeit ausdrücklich für möglich hält, habe immer nur polarisiert und polemisiert. Jetzt verstehen wir, warum der Grüne gar nicht erst versucht hat, selbst den zweithöchsten Posten im Staat zu ergattern.

Aber auch in Amerika kann er ja beobachten, welche Rolle Fetische in der Politik spielen. Es könnte sein, dass es etwas gibt, das Trump sogar noch mehr erregt als Blattgold. Wegen Trumps Servilität gegenüber Putin hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Russe über einen einschlägigen Aufklärungsfilm verfügt. Man will sich freilich gar nicht vorstellen, bei was das Kreml-Kompromat Trump zeigen könnte. Da schauen wir ja noch lieber Söder beim großen Fetischfressen zu.

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