Das originellste Buch

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Wissensbuch des Jahres 2025 in der Kategorie ÜBERRASCHUNG

Sind Flüsse Lebewesen – und haben sie Rechte? Robert Macfarlane, einer der bedeutendsten Vertreter des „Nature Writing“, entfaltet in seinem poetischen wie faktenreichen Buch diesen nur auf den ersten Blick revolutionären Gedanken. Das Konzept beruht auf einer jahrhundertealten Vorstellung indigener Kulturen. Heute gewinnt es angesichts der tiefgreifenden Eingriffe des Menschen in die Natur neue Dringlichkeit – und auch in der Rechtswissenschaft wächst die Akzeptanz der „Rechte der Natur“.

Macfarlane verknüpft juristische und philosophische Fragen mit lyrischen Schilderungen seiner Flussreisen. Er begegnet Aktivistinnen und Aktivisten, Wissenschaftlerlern und Wissenschaftlerinnen sowie Menschen, die ihre Lebenswelt verteidigen. So entstand sein persönlichstes und zugleich politischstes Buch.

In Ecuador beschreibt er die Schönheit des Nebelwalds und des Río Los Cedros, deren Existenzen durch Abholzung und Goldabbau bedroht sind – in einem Land, das den Rechten der Natur bereits Verfassungsrang eingeräumt hat. In Indien beobachtet er Flüsse, die durch Städtebau und giftige Abwässer fast ausgelöscht sind. Und in Kanada erlebt er, wie der spektakuläre Wildfluss Mutehekau Shipu durch Staudammprojekte in Gefahr gerät.

„Wenn es schwerfällt, sich einen Fluss als lebendig vorzustellen, denken Sie an einen sterbenden“, schreibt Robert Macfarlane. Seine Botschaft ist klar: Statt Flüsse als bloße Ressource auszubeuten, sollten wir ihre Lebenskraft schützen – zu unserem eigenen Überleben.
Nicola Wessinghage

Robert Macfarlane
Sind Flüsse Lebewesen?
Übersetzt von Frank Sievers, Andreas Jandl
Ullstein, 416 S., € 29,99
ISBN 978-3-550-20250-6

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