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#Das Saarland hat seinen Vorsprung verspielt

Das Saarland hat seinen Vorsprung verspielt

Im kleinen Saarland sieht man sich als Vorreiter in der Corona-Politik. Im Frühjahr galt das für Lockerungen. Da erklärte sich das Land insgesamt zum Modellversuch, führte ein Ampelsystem ein und nahm Einschränkungen zurück. Das kam zwar verfrüht und musste teilweise wieder rückgängig gemacht werden. Doch ähnliche Modelle folgten in allen Bundesländern. Nun wiederum prescht die saarländische Landesregierung bei den Verschärfungen vor.

Julian Staib

Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

An diesem Dienstag wird der saarländische Ministerrat einen Lockdown für Ungeimpfte beschließen, der auch Kontaktbeschränkungen umfasst. Künftig sind für Ungeimpfte nur noch Treffen des eigenen Haushalts mit einer weiteren Person zulässig. Ausgenommen sind minderjährige Schulkinder sowie Kinder unter sechs Jahren. Das kündigte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Montag im Landtag an.

Hans: Bedauerlicher Schritt

Zudem gilt künftig im Saarland die 2-G-Regelung fast überall, auch im Freizeit- und Amateursport im Außenbereich, in der Außengastronomie sowie in Geschäften – ausgenommen nur jene der Grundversorgung. In der Innengastronomie, in Hotels und Schwimmbädern gilt künftig 2-G-Plus, dort müssen also Geimpfte und Genesene einen aktuellen Test vorweisen.

Der Schritt sei bedauerlich, sagte Hans, schließlich sei mit den Impfungen auch „ein gewisses Freiheitsversprechen“ verbunden gewesen. Doch gelte es auch angesichts der Rufe nach einem Lockdown für alle „soweit es irgend möglich ist“, Geimpften und Genesenen Freiräume zu erhalten.

Schon lange steht das Saarland aufgrund seiner Grenzlage im Fokus bei der Corona-Politik: Erst waren im Osten Frankreichs die Infektionszahlen enorm, was die deutsche Seite zu Grenzschließungen veranlasste. Später ging es um Virusvariantengebiete in Frankreich. Heute hat sich die Dynamik umgekehrt. Doch wurde das Saarland wie andere Grenzanrainerländer bei der Impfstoffverteilung überproportional berücksichtigt, was ein Hauptgrund für die hohe Impfquote sein dürfte. Die liegt inzwischen bei fast 75 Prozent. Der bundesweite Wert beträgt 68,4.

Trotzdem aber entsprach die Inzidenz im Saarland am Montag mit 441 fast dem Bundesschnitt von 452. Sie war zuletzt rapide gestiegen, Anfang November noch hatte sie bei rund 70 gelegen, im Sommer war sie oft einstellig gewesen – was auch mit der hohen Impfquote erklärt wurde.

Eine Folge des frühen Impferfolgs?

Auch im Saarland geht die Infektionsdynamik zwar in hohem Maße von den Ungeimpften aus. Bei diesen und bei Personen, deren Impfstatus nicht bekannt ist, liegt sie nach Angaben des Ministerpräsidenten bei 1200. Doch brachte Hans den raschen Anstieg des Infektionsgeschehens auch in Zusammenhang mit dem frühen Impferfolg seines Landes.

Das Saarland hat seine gute Corona-Situation aus dem Sommer „verbockt“, sagt der Pharmazie-Professor Thorsten Lehr. (Archivbild)


Das Saarland hat seine gute Corona-Situation aus dem Sommer „verbockt“, sagt der Pharmazie-Professor Thorsten Lehr. (Archivbild)
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Bild: dpa

Angesichts der „Explosion“ der Inzidenz im Saarland liege die Vermutung nahe, dass das frühe breite Impfen nun angesichts der nachlassenden Wirkung und der oft fehlenden Booster-Impfung zum Nachteil werde, sagte am Montag dazu auch Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Universität des Saarlandes. Ein anderer Grund sei, dass die Politik auch im Saarland den Eindruck erweckt habe, sie habe die Pandemie im Griff.

Die vierte Welle sei „kollektiv verschlafen“, die gute Situation aus dem Sommer „verbockt“ worden, sagt Lehr. „Aufgrund der hohen Impfquote wurde eine Sicherheit kommuniziert, was gefährlich war.“ Und: „Das exponentielle Wachstum ist in den Köpfen der Politiker noch immer nicht angekommen.“ Maßnahmen wie 2-G, oder 2-G-Plus würden wohl leider kaum mehr ausreichen, sagte Lehr. Um einen Lockdown für alle werde man kaum herumkommen.

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