Das Verlangen“ (Episode 1321): Kritik

Das Verlangen“ (Episode 1321): Kritik

Wie üblich endeten die Weihnachtstage bei der ARD mit der Ausstrahlung eines frischen „Tatorts“: In diesem Jahr gaben sich die scheidenden Münchner Urgesteine Batic und Leitmayr die Ehre und erfüllten die hohen Erwartungen locker aus dem Handgelenk, wie ihr hier in Mareks Kritik erfahrt.

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Welche Kommissare ermitteln im „Tatort: Das Verlangen“?

Nur noch zwei „Tatorte“ im kommenden Jahr, dann haben Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl die Hundert voll gemacht und gehen in TV-Rente. Obwohl der Bayerische Rundfunk bei der Wahl ihrer Nachfolger zumindest auf dem Papier eine glückliche Hand bewies, kann die Lücke, die Kommissar Batic und sein Kollege Leitmayr hinterlassen, nicht groß genug bemessen werden.

Freilich, der ein oder andere durchschnittliche Krimi hat sich in den letzten 35 Jahren in das beeindruckende Gesamtwerk der Münchner Urgesteine schon eingeschlichen, einen kompletten Fehlgriff leisteten sich Batic und Leitmayr aber nie, was kein anderes aktuell in Amt und Würden stehendes Team von sich behaupten kann.

Und auch diesmal halten sich die beiden alten Hasen schadlos. Der klassisch gestrickte Whodunit lebt von seinem Setting am Münchner Residenztheater und nutzt die sich im Schauspielhaus ergebenden Meta-Ebenen leichtfüßig aus, ohne in Richtung eines seichten Lustspiels abzudriften.

Die fast schon unheimliche Serie von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl geht also weiter, unseren Platz im Video der besten „Tatort“-Teams haben sie sowieso schon längst sicher.

Worum geht es im „Tatort: Das Verlangen“?

Nora Nielsen spielte einst in einer bekannten Netflix-Serie mit, nun soll sie für volle Ränge am Residenztheater in München sorgen, doch die Schauspielerin ist dem Haifischbecken namens Theater nicht gewachsen.

Als sie während einer Vorstellung tot zusammenbricht, liegt zunächst der Verdacht nahe, dass der jungen Frau ihr Drogenkonsum zum Verhängnis wurde, doch dann stellt sich heraus, dass der Wein, den sie in einer Szene von Tschechows „Möwe“ trinken sollte, vergiftet war.

Batic und Leitmayr riegeln das Theater ab und tauchen in eine Scheinwelt voller Neid und Intrigen ein, in der im Prinzip alle ein Motiv hätten, Nora Nielsen loszuwerden.

Tatort Das Verlangen
The Show Must Go On! (© BR / Claussen+Putz Filmproduktion GmbH / Walter Wehner)

Mareks „Tatort“-Kritik: Zu Weihnachten ein prickelndes, überragend vorgetragenes Kammerspiel

Wer aus Deutschlands beliebtestem Krimi ein Kammerspiel machen möchte, braucht ein clever gestricktes Drehbuch und ein groß aufspielendes Ensemble, um der selbst gewählten Enge am Ende nicht zu viel Tribut zollen zu müssen.

Regisseur Andreas Kleinert hat zum Glück beides und das im Überfluss. Die von Norbert Baumgarten und Holger Joos als klassischer Whodunit konstruierte Vorlage bietet genug Spannung und verfügt über ausreichend viele Facetten, um zu keinem Zeitpunkt Langweile aufkommen zu lassen, die famose Besetzung tut ihr Übriges, um den Weihnachts-„Tatort“ 2025 in ein echtes Fernseherlebnis zu verwandeln.

An Kritik an toxischen Abhängigkeiten innerhalb der nach außen schillernden Theatergemeinschaft wird nicht gespart, Raum für Selbstironie und feinen Witz gibt es trotzdem. Allein, wie Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl die abfälligen Scherze über Fernsehschauspieler auf ihre Kappe nehmen, ist an augenzwinkernder Souveränität kaum zu überbieten.

Und auch ihre Gegenpole am Theater können groß auftrumpfen. Thiemo Strutzenberger als übergriffiger Regisseur, Anna Stieblich als kaltherherzige Intendantin und nicht zuletzt die wie immer famose Ursina Lardi als alterndes Aushängeschild des Residenztheaters stehen hier nur stellvertretend für das gesamte Ensemble dieses „Tatorts“, der trotz aller Kritik auch als Aufforderung an uns alle zu verstehen ist, mal wieder ins Theater zu gehen. Machen wir gerne, aber erst, nachdem der Abspann dieses einmal mehr herausragenden Münchner „Tatorts“ eingesetzt hat.

Der „Tatort: Das Verlangen“ wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag, und damit am Freitag, den 26. Dezember 2025 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt in der Mediathek für sechs Monate als Wiederholung im Stream verfügbar. 

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