Der „Fluch der Mumie“ wirkt noch heute

Mumien liefern der Wissenschaft wertvolle Einblicke in die Bestattungsriten, die Krankheiten und viele weitere Aspekte des Lebens von Menschen aus längst vergangenen Zeiten. Doch mumifizierte Überreste von Menschen und Tieren wecken auch das Interesse privater Sammler. „Der Aufstieg des Internets, insbesondere der sozialen Medien, hat den internationalen Handel verstärkt und die Nachfrage nach einzigartigen Kulturgütern, darunter mumifizierte Menschen und Tiere, angeheizt“, berichtet ein Team um Kirsty Squires von der University of Staffordshire.

Mumienteile auf Facebook

Wie weit verbreitet der Mumienhandel heute ist und welche Gefahren er birgt, haben Squires und ihr Team nun genauer untersucht. Dafür werteten sie 128 Online-Posts von Verkäufern und Käufern aus, in denen Mumienteile zum Verkauf angeboten oder präsentiert wurden – darunter 21 vollständige menschliche Köpfe, zahlreiche Einzelteile wie Füße oder Hände und sogar eine komplette Mumie. Viele dieser Anzeigen fanden sich auf Plattformen wie Facebook und Instagram, aber auch in Online-Shops und auf E-Commerce-Webseiten.

Das Problem dabei: „Diese mumifizierten Überreste bergen Gesundheits- und Biosicherheitsrisiken“, warnt Squires. „Unsere Analyse zeigt jedoch, dass die Verkäufer üblicherweise keine Sicherheitshinweise geben. Dies kann auf ein begrenztes Bewusstsein für die biologischen Gefahren zurückzuführen sein, oder auf gewinnorientierte Motive, die die menschliche Gesundheit und Sicherheit außer Acht lassen.“

Gefährliche Mikroorganismen und Schwermetalle

Eine der größten Gefahren besteht darin, dass sich in den mumifizierten Weichteilen gefährliche Mikroorganismen vermehren. Dazu zählen zum Beispiel Aspergillus-Schimmelpilze, deren Sporen Jahrtausende überdauern können. Werden die Pilzsporen durch unsachgemäßen Umgang mit den Mumienteilen aufgewirbelt und eingeatmet, können sie zu schweren Lungenschäden bis hin zum Tod führen. Der Tod einiger Mitglieder des Tutanchamun-Ausgrabungsteams alte Erzählungen zu einem „Fluch der Mumie“ könnten auf diesen Pilz zurückzuführen sein.

Auf mehreren Bildern erkannten die Forschenden deutliche Anzeichen von Pilzwachstum an den zum Kauf angebotenen Mumienteilen. Dazu zählten weiße, gelbe, graue und schwarze Flecken, eine schwarze Patina sowie ein pelziger weißer Bewuchs. Auch Mumien, die auf den ersten Blick keine offensichtlichen Verwesungszeichen aufweisen, können jedoch den Forschenden zufolge gefährlich sein: „Die biologische Zersetzung ist nicht immer sichtbar“, schreiben sie. „Zudem können Verkäufer ebenso wie Käufer ein Interesse daran haben, geschädigte Stellen nicht auf den Bildern zu zeigen, da diese den Marktwert mindern.“

Auch die Materialien, die historisch für die Konservierung verwendet wurden, sind in vielen Fällen gesundheitsschädlich. Typischerweise kamen beispielsweise Arsen, Blei und Quecksilber zum Einsatz. „Fachleute, die zu Forschungs- und Ausstellungszwecken mit Mumien arbeiten, sind sich der Gefahren bewusst und tragen geeignete Schutzausrüstung wie Masken, Handschuhe und Laborkittel“, erklären Squires und ihre Kollegen. In den online gefundenen Beiträgen stießen sie dagegen immer wieder auf Bilder, in denen Personen die mumifizierten Leichenteile ohne Handschuhe anfassten.

Leichenteile per Post

Doch die Käufer und Verkäufer gefährden der Analyse zufolge nicht nur sich selbst, sondern auch Unbeteiligte: „Mehrere Beiträge offenbaren Verstöße gegen Postvorschriften“, berichten Squire und ihr Team. So wurden Leichenteile ohne Kennzeichnung und ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen mit Versanddienstleistern versendet, die dies explizit verbieten – ein ungeahntes Risiko für Zustellpersonal, Zollbeamte und andere, die mit den Paketen in Kontakt kamen.

Aus Sicht der Forschenden sind daher dringend strengere Richtlinien und Kontrollen erforderlich, sowohl bei Online-Marktplätzen als auch im Zoll- und Versandbereich. „Bis wirksamere Maßnahmen umgesetzt werden, sollte die Öffentlichkeit wachsam bleiben und den Verkauf mumifizierter Überreste den zuständigen Behörden und Fachverbänden melden“, schreiben sie. „Eine verbesserte Aufsicht und Aufklärung sind daher unerlässlich, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und archäologische Funde zu bewahren.“

Quelle: Kirsty Squires (University of Staffordshire, UK) et al., International Journal of Cultural Property, doi: 10.1017/S0940739126100393

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