
Dieses zarte Wesen ist eine Seeanemone der Spezies Nematostella vectensis. Mit ihrem verdickten „Fuß“ links im Bild heftet sie sich an Seegräser, Sand und Gestein an, mit ihren Tentakeln fängt sie kleine Beute wie Krebstiere und Fischlarven. Bei Nematostella gibt es also ein klares Oben und Unten, doch wo ist Links und Rechts?
Da die meisten Seeanemonen ähnlich wie ein Donut oder Kuchen rundum gleich gebaut sind, bezeichnet man sie auch als radiärsymmetrisch. Die meisten anderen Tiere sind im Gegensatz dazu bilateralsymmetrisch – das heißt, sie besitzen eine Kopf-Schwanz-Achse, eine Rücken-Bauch-Achse sowie eine klare linke und rechte Körperseite. Doch obwohl Anemonen oberflächlich betrachtet radiärsymmetrisch sind, ist ihr Inneres bereits bilateralsymmetrisch aufgebaut und auch ihre Embryonalentwicklung folgt diesem Muster.
Das wirft eine wichtige Frage auf: Ist der bilateralsymmetrische Körperbauplan schon beim gemeinsamen Vorfahren der bilateral- und radiärsymmetrischen Tiere entstanden oder unabhängig voneinander in mehreren Tiergruppen? Forschende der Universität Wien haben nun Hinweise auf Ersteres gefunden. Demnach nutzen radiärsymmetrische Seeanemonen einen uralten molekularen Mechanismus zur Bildung einer Rücken-Bauch-Achse, der bisher nur von bilateralsymmetrischen Tieren wie Fröschen oder Fliegen bekannt war.
Wahrscheinlich existierte dieser Mechanismus bereits vor über 600 Millionen Jahren im letzten gemeinsamen Vorfahren von bilateral- und radiärsymmetrischen Tieren, was den „Rücken“ oder zumindest der Bauplan dafür deutlich älter macht als bisher gedacht.

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