
Es ist nicht die erste Glosse, die wir zu diesem Thema schreiben. Und es wird wohl nicht die letzte sein. Aber wir müssen den Finger leider mal wieder in die Wunde legen. Gut 20 Jahre lang ist der Nachbar BMW gefahren, immer potente 3er touring. Jetzt geht es in die Selbständigkeit, der Dienstwagen wird zurückgegeben. Der Neue soll wieder ein 3er sein, am besten ein junger Gebrauchter. Die Auswahl in der Halle des großen BMW-Händlers ist riesig, vier bis fünf Besuche werden dort getätigt, angesprochen wird er kein einziges Mal. Als beim sechsten Besuch die Tochter dabei ist, wird ein Mitarbeiter aktiv angesprochen. Zwei Wagen sind in der engen Auswahl.
„Ich habe jetzt gleich Feierabend“, heißt es etwas barsch, und der Mitarbeiter verlangt vom Kunden, eine E-Mail zu schreiben, obwohl er ja noch fünf Minuten Zeit hätte, die Objekte der Begierde zu notieren und der Kunde darum bittet. Sei’s drum, das Verkaufsgespräch wird ins Digitale verlagert. Das Angebot, das nach einem holprigen Hin und Her („Füllen Sie diesen Fragebogen aus!“) letztlich kommt, ist indiskutabel. Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Ein 430 Cabrio aus einem anderen BMW-Autohaus scheidet schließlich aus, weil es einen Unfallschaden hatte, der nicht sofort deklariert und zunächst verharmlost worden war.
Dieser Verkäufer ist regelrecht beleidigt, dass es nicht klappt, und meldet sich nicht mehr. Vielleicht doch ein Audi? Immerhin die Lieblingsmarke der Ehefrau. Bei einem Vertragshändler etwas weiter weg steht ein wunderschöner S4 Avant. Doch der passt auch nicht ganz. Doch dieser Händler weiß noch von einem zweiten, der zu haben ist, und jetzt wird schließlich gekauft. Bye, bye BMW. Ironie des Schicksals: Einen Tag später meldet sich die weiß-blaue Zentrale aus München, die zwischendurch auch kontaktiert worden war. Als es heißt, dass man jetzt auf einen Audi S4 umgestiegen sei, nimmt es die Dame am Telefon wenigstens sportlich: „Auch ein schönes Auto.“
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