Der mit dem Trump tanzt

Der mit dem Trump tanzt

Die erste Zusammenkunft des amerikanischen Präsidenten und des deutschen Bundeskanzlers ist so unerwartet reibungslos, ja harmonisch verlaufen, dass Merz sogar aus den Reihen der deutschen Opposition Beifall bekam. Doch wie Trump gern sagt: It takes two to tango.

Und mit diesem Besucher wollte Trump tanzen, nicht ihn verprügeln. Er verzichtete vollkommen darauf, Deutschland und dessen Regierungschef Vorhaltungen zu machen, wie man sie von Trump und seinen Büchsenspannern, einige davon anwesend, schon oft gehört hat. Trump war anders als bei der Demütigung Selenskyjs nicht auf Krawall aus. Der Kanzler wäre mit dem Klammerbeutel gepudert gewesen, wenn er Trumps Einladung zum Tanz nicht angenommen hätte, auch wenn klar war, wer dann führt.

Oberstes Ziel des Antrittsbesuchs des Bundeskanzlers im Weißen Haus war es und musste es sein, die Basis für ein möglichst gutes persönliches Verhältnis zu Trump zu legen, der in der Tat eine Schlüsselfigur für die Bewältigung der Konflikte ist, die die Welt erschüttern und damit auch Deutschland. Die Beziehungen zwischen Staaten sind nicht nur von den Beziehungen zwischen ihren Staatsmännern abhängig. Im Falle Trumps spielt die Frage, ob er andere mag und mit ihnen „kann“, aber eine größere Rolle als sonst.

Auch Putin weiß Trumps Schwächen zu nutzen

Trumps Geltungsdrang und seine Empfänglichkeit für Schmeicheleien wissen nicht nur Macron und Meloni zu nutzen, sondern auch Putin und Xi Jinping. Zollt man Trump den „Respekt“, den er für angemessen hält, dann hört er zu.

Dann kann man ihm, wie Merz es tat, auch sagen, dass nicht die Ukraine der Aggressor ist und die EU nicht gegründet wurde, um die USA auszuplündern. Derartige Hinweise sind offenkundig nötig. Inwieweit Trump und seine Truppe andere Sichtweisen auf Russland, die Zölle und die Meinungsfreiheit für berechtigt halten, bleibt ungewiss. Keine Chance dafür besteht jedoch, wenn die Argumente von Leuten kommen, die Trump nicht mag oder gar für Feinde hält.

Trump hat Merkel nicht gemocht

Seinen Besucher aus Berlin nannte Trump sogar „Freund“. Diese Einstufung sollte man nicht überbewerten, wie der Fall Musk zeigt. Doch hilfreich für den Kanzler war, dass er in Washington als Kritiker der früheren Kanzlerin in Sachen Migration und Nord Stream bekannt ist; Trump macht bis heute kein Hehl daraus, Merkel nicht gemocht zu haben. Günstig stimmte den Gastgeber auch, dass Merz nicht zauderte, die Verteidigungsausgaben in die Höhe zu schrauben, die Washington fordert. Und dass der Kanzler erklärt hat, Deutschland werde mehr Verantwortung als Führungsmacht in Europa übernehmen, politisch, wirtschaftlich und militärisch.

Von einem „partner in leadership“, wie Bush der Ältere es getan hatte, sprach Trump bei allem Lob für Merz noch nicht. Doch offenkundig ist Trump, der ein Gebilde wie die EU nicht wirklich versteht und schon gar nicht schätzt, ein Ansprechpartner in Europa nicht unrecht, der Macht und Milliarden hat – „Deals“ macht Trump mit Männern, nicht mit Institutionen. Auch nach dem geglückten deutsch-amerikanischen Eröffnungsreigen auf dem glatten Parkett im Weißen Haus bleibt jedoch offen, ob Trump nicht lieber Kasatschok mit Putin tanzt, dem die Ukraine, so sagte Trump es noch in Gegenwart des Kanzlers, so viel bedeute wie der eigene Augapfel.

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