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„Der Modezirkus trifft sich digital“
Eigentlich würden sich an diesem Januarabend hunderte Modeinteressierte in die Türen des Berliner Kraftwerks drängen, vielleicht noch schnell in den weiten Betonhallen die Gläser klirren lassen, dann ein kurzer Plausch vor dem Handy-Blitzlichtgewitter, bevor das echte Rampenlicht angeht und mit der ersten Schau die Berliner Modewoche eingeläutet wird. Statt des gewohnten saisonalen „Familientreffens“, wie es die deutschen Modemenschen nennen, sitzen sie nun einsam vor dem Bildschirm.
Noch im Herbst wurde auf eine Fashion Week in ganz kleinem Rahmen spekuliert; mit dem Lockdown haben sich die Veranstaltungen aber schnell ins Digitale geflüchtet. Die Atmosphäre einer echten Veranstaltung kann das kaum kompensieren, gibt aber Designern in schweren Zeiten zumindest überhaupt eine Plattform.
„Eine Botschaft von Liebe und Zusammenhalt“
Ein kurzes Grußwort kommt vom belgischen Designer Tom van der Borght, der die Mercedes-Benz Fashion Week eröffnet, dann läuten sakrale Choräle und leichter Elektropop die opulenten Entwürfe ein. Es sind monsterhafte Wesen, überladen mit Kabelbindern, Pailletten, Plüsch und Lametta, die da zum Vorschein kommen, als seien sie nach einer Disko-Nacht auf psychedelischen Trips in eine Kiste voll Plüschspielzeug und Sportequipment gefallen und als Plastikbarockkreatur wieder herausgekommen.

Die Gruppenausstellung „Der Berliner Salon“ kehrt 2021 zur Berlin Fashion Week zurück.
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Bild: dpa
Mit der Kollektion, die dem belgischen Designer den renommierten Grand Prix von Première Vision beim Modefestival von Hyères eingebracht hat, gehört Tom van der Borght zu gerade mal einem halben Dutzend Designern, darunter Marc Cain und Kilian Kerner, die das Gestreamte in einer richtigen Schau in der Fashion Week Location in Szene setzen. „Das ist meine erste Show in der Pandemie und es soll eine Botschaft von Liebe und Zusammenhalt sein, die wir gerade alle so dringend brauchen“, sagt der Designer. Man glaubt es ihm, und seine Outfits sind ohne Frage telegen.
Berlin Fashion Film Festival mit Leni Klum
Der Großteil der anderen Designer hat sich hingegen für Gruppenformate, Gespräche oder kurze Filme entschieden, schließlich gehört in diesem Jahr neben dem Fashion Open Studio, einem Studiobesuchs- und Porträtformat, auch das Berlin Fashion Film Festival zur Modewoche. Zum neuen Jahr wurde zudem der Berliner Mode Salon wiederaufgelegt, der als 360° Virtual Reality-Aufnahme und Kampagnenvideo mit Modeltochter Leni Klum auf YouTube-Kanal der MBFW zu sehen ist und einige wirklich sehenswerte Designer zeigt.
Zu den 35 deutschen Designern im Salon gehören etwa Esther Perbandt, die mit ihren avantgardistischen Entwürfen vergangenes Jahr den zweiten Platz bei der Amazon Prime Show „Making the Cut“ gewonnen hat, oder Michael Sontag, der im vergangenen Lockdown alte Färbetechniken mit Pflanzen aus seinem Garten neuentdeckt hat und die Resultate hier präsentiert, oder Vladimir Karaleev, dessen konstruktivistische Designs vor allem in Asien und Nordamerika beliebt sind.
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