In Eric Rohmers „Vollmondnächten“ spielt Tchéky Karyo den Freund von Pascale Ogier, die zwischen der Ruhe der Vorstadt, in der die beiden wohnen, und ihrem früheren wilden Leben in Paris schwankt. Sie zieht zurück in die Cité, betrügt ihn, und als sie zu ihm zurückkehren will, stellt sie fest, dass er eine andere gefunden hat. Karyo wirkt fremd in der Welt Rohmers, weil er weder so redselig noch so wankelmütig ist wie alle anderen, die darin kreisen, und gerade deshalb behält man ihn in Erinnerung. Sein Rémi ist das stille Zentrum dieses Films, der von einem Konflikt erzählt, welcher in jeder Generation wiederkehrt und nie schöner und eleganter beschrieben worden ist als hier.
Das war 1984. Zuvor war der Schauspieler, der als Baruch Djaki Karyo und Sohn griechisch-türkisch-jüdischer Eltern in Istanbul geboren wurde und am Theater angefangen hatte, in einem Polizeifilm neben Natalie Baye und Philippe Léotard fürs Kino entdeckt worden. Als er seinen Ruhm in Frankreich in den Neunzigerjahren zu einer Hollywood-Karriere ausbaute, kehrte er auch bald wieder zu diesem Genre zurück, als Bösewicht im Bond-Film „Golden Eye“ ebenso wie neben Will Smith in „Bad Boys“, als böser Cop in „Kiss of the Dragon“ wie als guter Cop in Neil Jordans „The Good Thief“.

Doch davor und dazwischen gab es einige bemerkenswerte Ausnahmen. Etwa Luc Bessons „Nikita“, wo er den nur scheinbar hartherzigen Ausbilder der Profikillerin Anne Parillaud verkörpert. Oder seinen Auftritt als Molière in „Der König tanzt“. Den Jäger in Jean-Jacques Annauds „Der Bär“. Den Patriarchen Aram in „Das Lerchenhaus“, dem Film der Taviani-Brüder über den Völkermord an den Armeniern. Den Kampfgefährten der Jeanne d’Arc in Bessons „Johanna von Orleans“. Den französischen Offizier in Roland Emmerichs Kriegsfilm „Der Patriot“. Fast alle waren Männer, die notfalls Blut vergießen konnten, aber hinter der Maske des Kriegers ihre Menschlichkeit wahrten. Karyo verlieh ihrem Tun eine Würde, die auch Fehltritte überstrahlte. Er war ein Samurai in modernem Gewand.
Deshalb ist es eine Ironie der Kinogeschichte, dass sein letzter Film ausgerechnet „The Killer“ heißt. Aber er spielt darin keinen Auftragsmörder, sondern einen Schneider, der die Heldin mit den passenden Kleidern versorgt. Am Freitag ist Tchéky Karyo nach langer Krankheit in Paris gestorben. Er wurde 72 Jahre alt.
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