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Dustin Hoffman war 30, als er mit der „Reifeprüfung“ (1967) ein Star wurde, Al Pacino sogar schon ein wenig darüber, als ihm das mit dem „Paten“ (1972) gelang; beides im Grunde Debüts, die eine jahrzehntelange Karriere in Gang brachten. Der Film, in dem Tommy Lee Jones seine erste Hauptrolle hatte, spielt nicht ganz in dieser Liga, wie Jones auch keiner dieser sich akribisch auf ihre Rolle vorbereitenden, sich darin verlierenden, äußerst wandlungsfähigen Schauspieler ist, er kommt mit dem einen, stoischen Tommy-Lee-Jones-Gesichtsausdruck ganz gut zurecht.
Der Film, der ihn zwar nicht berühmt machte, in dem er aber ein schon vollauf gültiges Profil zeigt, ist „Jackson County Jail“ (früher „Gefangen in Jackson County“, heute leider etwas reißerisch „Vergewaltigt hinter Gittern“, 1976), ein kurzer, billig produzierter, beklemmender Kriminalfilm von Michael Miller. Jones spielt einen Gefängnisinsassen, der mit ansieht, wie eine von einer so übereifrigen wie indifferenten Polizei zu Unrecht inhaftierte Frau (Yvette Mimieux als kultivierte Westküstenschönheit) vom Nachtwächter vergewaltigt wird und diesen mit einem Hocker erschlägt. Man muss es gesehen haben, wie Jones die auf ihrer Pritsche liegende Frau zu trösten versucht, im letzten Moment aber vor einer Berührung zurückschreckt – es ist die reine Feinfühligkeit, dargestellt von einem Mann, der eigentlich die Visage eines Verbrechers hat und hier ja auch einer ist. Die beiden fliehen schließlich, das Ende wird nicht verraten.
Mit Lob abgeschlossen
Tatsächlich hatte sich Tommy Lee Jones, der genau in der Mitte von Texas geboren wurde, ein begabter Football-Spieler war, in Harvard Anglistik studierte und „cum laude“ abschloss, damit als immer leicht zwielichtiger Rollencharakter etabliert, den er mit einer weiteren Verzögerung, dann aber regelmäßig glaubwürdig und mit hohem Wiedererkennungswert verkörperte, entweder Krimineller oder Gesetzeshüter, manchmal von beidem etwas.
Als Todeszelleninsasse in dem ruhigen, sozialpsychologisch genauen, wiederum bedrückenden „Executioner’s Song“ (1982) mit den stimmungsvollen Waylon-Jennings-Countryliedern hatte er in Hollywood endgültig Fuß gefasst, von da an ging es nur noch bergauf, hauptsächlich in Action- und Kriminalfilmen, herausragend zum Beispiel in „Nur der Tod ist umsonst“ (1984) und in „Chicago Blues“ (1987).
Inzwischen ist Tommy Lee Jones auch ein versierter Regisseur
Sein kantig-verwegenes, mit der Zeit regelrecht gegerbtes Gesicht gab selbst an sich schon spektakulären Krachern wie „JFK – Tatort Dallas“ (1991) und „Natural Born Killers“ (1994) von dem am selben Tag wie er geborenen Oliver Stone noch eine markante Extranote. In „Men In Black“ (1997) bewies er an der Seite des aufgedrehten Will Smith, dass er mit seiner seltsam skrupulösen Lakonik auch Komik ausstrahlen kann. Neben Harrison Ford gab er in dem Krimi „Auf der Flucht“ (1993) wiederum einen hartnäckigen Sheriff, wofür er einen Oscar bekam.
Inzwischen ist Tommy Lee Jones, ähnlich wie Clint Eastwood, auch ein versierter Regisseur, widersteht als solcher allerdings der Versuchung, sich dabei selbst als strahlenden Held einzusetzen, der er ohnehin nie war. „Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (2005) und vor allem „The Homesman“ (2014) sind ungewöhnliche, tief pessimistische Neo- oder Spätwestern. Außerordentlich sehenswert ist er auch als verbitterter Militärpolizist „Im Tal von Elah“ (2007) auf der Suche nach seinem verschollenen Sohn, gewissermaßen das Pendant zu Jack Lemmons Rolle in „Vermisst“ (1982) von Konstantin Costa-Gavras. Auch im wirklichen Leben blieb es ihm nicht erspart, sein Kind zu Grabe zu tragen; seine Tochter starb Anfang des Jahres. An diesem Dienstag wird Tommy Lee Jones 80 Jahre alt.
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