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#Der Unterschätzte im spanischen Tor

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Der Unterschätzte im spanischen Tor

Ganz groß machte sich Unai Simón, seine Arme berührten problemlos die Torlatte. Auch sein Kopf war nur einige Zentimeter vom Gebälk entfernt. Gegen diesen Turm von einem Mann sollten die Schweizer also ihr Glück versuchen. Als wäre das nicht schon schlimm genug, fuchtelte der 24 Jahre alte Torwart wild mit seinen Armen durch die Luft.

Simóns Einschüchterungstaktik hatte Erfolg. Den Schweizern versagten angesichts der Naturgewalt, der sie da gegenüberstanden, die Nerven. Nachdem Gavranovic getroffen hatte, scheiterten alle drei weiteren Schützen. Zwei Strafstöße konnte Simón parieren, einer flog über sein Tor. Spanien gewann das Elfmeterschießen und zog ins Halbfinale ein, wo es am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) in London zum Duell mit Italien kommt.

Später vor den Fernsehkameras hatte sich Simón immer noch nicht beruhigt. Er fuchtelte weiterhin mit seinen Armen, als würden immer noch Bälle in seine Richtung fliegen. „Das war ein Spiel, das wir nicht hätten gewinnen müssen. Aber so ist das manchmal. Ich denke, wir stehen trotzdem verdient im Halbfinale“, sagte er. Mit dieser Einschätzung gab er den Spielverlauf ziemlich treffend wieder.

Dank Simón. Ausgerechnet.

Spanien ging früh durch einen abgefälschten Schuss von Jordi Alba in Führung, der Treffer wurde Dennis Zakaria angerechnet, der noch seinen Fuß rangehalten hatte. Schon wieder ein Eigentor, das zehnte bei dieser Europameisterschaft. Bis zur Halbzeit hatte Spanien alles unter Kontrolle. Hatten beide Mannschaften ihre furiosen Achtelfinals noch im Vollgas-Modus bestritten, „tuckerten“ sie nun durch dieses Spiel. Ihren Kräfteverschleiß konnten sie nicht verbergen.

Sich gemütlich ergeben wollten die Schweizer aber dann nicht. Stattdessen erhöhten sie den Druck, und als der Ball wie beim Pingpong zuerst gegen beide Innenverteidiger Spaniens sprang und dann bei Xherdan Shaqiri landete, war Simón gegen dessen Schuss machtlos. Nach einer harten Entscheidung gegen Remo Freuler, der die Rote Karte sah, kippte das Spiel wieder zugunsten der Spanier; aber es dauerte bis zum Elfmeterschießen, ehe sich der Favorit durchsetzte. Dank Simón. Ausgerechnet.

Gegen Kroatien hatte der international unerfahrene Torhüter ein Eigentor aus 45 Meter hinnehmen müssen – er musste dafür viel Spott einstecken. Aber schon da ließ er sich durch den Fehler nicht aus der Ruhe bringen und rettete seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden. Erstaunlich für jemanden, der erst 15 Länderspiele bestritten hat.

Simón ist eine dieser Personalien, für die sich Trainer Luis Enrique im Zuge des Neuaufbaus der Selección stark macht und für die er bis vor wenigen Tagen noch offen kritisiert wurde. Gegner behaupteten, Simón spiele nur deshalb, weil die anderen Torhüter noch schlechter seien. Das richtete sich vor allem an die Adresse von David Gea, der bei Manchester United sehr viel Geld verdient, aber dessen Leistungen oft nicht dazu passen. In Anbetracht der jahrzehntelangen spanischen Torhütertradition mit Wächtern wie Luis Arconada, Andoni Zubizarreta oder Iker Casillas wirkte Simón wie die kleinste aller Lösungen.

Ein unbekannter Torhüter von einem Mittelfeldklub, Athletic Bilbao. Doch die Basken verfügen seit Jahrzehnten über eine ausgezeichnete Torhüterschule, die immer wieder herausragende Absolventen hervorbringt. Vor drei Jahren wechselte Kepa Arrizabalaga für die Rekordablöse von 80 Millionen Euro von Bilbao zum FC Chelsea. Ihm folgte Simón bei den Basken nach. Inzwischen hat Simón den teuren Kepa von der Leistung her überholt.

Den meisten Torhütern aus dem Nachwuchs von Athletic ist gemein, dass ihr Spiel mit den Füßen nicht sonderlich ausgeprägt ist. Simón ist da keine Ausnahme. Erst Enrique habe ihn verstärkt aufgefordert, am Spiel teilzunehmen, sagte er kürzlich. Obwohl er sich damit zunächst sichtlich unwohl fühlte, versuchte er die Anweisungen seines Trainers zu befolgen. Die Schweizer versuchten es trotzdem, liefen Simón immer energisch an, der aber leistete sich bis auf einen kleineren Wackler keine Auffälligkeiten. Was er mit den Füßen vermissen lässt, macht er mit seinen Reflexen wett – auch das ist typisch für Athletics Torwartschule.

Abgetaucht und gehalten: Unai Simón im Duell mit der Schweiz


Abgetaucht und gehalten: Unai Simón im Duell mit der Schweiz
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Bild: AP

Elfmeter galten bis zum Spiel gegen die Schweiz trotzdem nicht als Spezialität Simóns. „Gegen Betis habe ich mal zwei in Folge pariert, aber ich muss zugeben, dass sie die vorbeigeschossen haben. Ich glaube, als Kind habe ich das letzte Mal einen Elfmeter pariert“, sagte Simón. Der Wahrheit entsprach das nicht, sein Gedächtnis hatte ihm da einen Streich gespielt. Die Statistik weist einen gehaltenen Elfmeter als Profi aus, bei 15 Versuchen.

Gegen die Schweizer waren es nun gleich zwei. Wenig überraschend wurde Simón als Spieler des Spiels ausgezeichnet. Sich selbst hätte er nicht in dieser Position gesehen, sagte Spaniens Torwart später bescheiden. „Ich hätte den Pokal Yann Sommer gegeben. Er hat gute Paraden gezeigt und einen Elfmeter abgewehrt.“

Tippspiel zur Fußball-EM


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